Burg/Genthin l Nur die wenigsten Mieter im Jerichower Land legen es bewusst darauf an, keine Miete zu zahlen und im Zuge dessen die Wohnung zu ruinieren. Vielmehr sind es spezifische Einzelfälle, die immer wieder das Räderwerk aus Mahnungen, Anwaltsschreiben und Räumungsklagen in Gang setzen. „Unser Problem sind Mieter, die irgendwann Probleme bekommen, ihre Angelegenheiten zu regeln und versäumen, sich Hilfe bei der Lösung dieser Probleme zu organisieren“, berichtet Gerald Köhler, Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft Möckern mbH.

Die geschilderten Erfahrungen beziehen dabei auch jene der Pareyer Wohnungsbaugesellschaft. Insgesamt verwaltet das Unternehmen 2 200 Wohnungen in Elbe-Parey, Genthin, Jerichow, Gommern und Möckern. Sie sind Vermieter im Namen von Kommunen und privaten Immobilienbesitzern.

Vandalismus tritt sehr selten auf

Vandalismus stelle man im Falle einer Räumung sehr selten fest. Vermüllte Wohnungen hingegen werden des Öfteren vorgefunden. Auch der umgekehrte Fall ist den Verwaltern im Jerichower Land schon begegnet. Das heißt, die Miete wird pünktlich gezahlt, die Wohnung jedoch verwahrlost. „Hier können wir als Vermieter erst eingreifen, wenn andere Mieter belästigt werden oder die Bausubstanz in Mitleidenschaft gezogen wird“, berichtet Köhler. Das Problem seien so für die Wohnungsbaugesellschaft Möckern, als auch für die Pareyer Wohnungsbaugesellschaft nicht vorsätzlich handelnde Mietnomaden, sondern Menschen, die mit starken sozialen Problemen im beruflichen wie auch im privaten Umfeld kämpfen.

„Mit Mietnomaden hatten wir bisher keine Probleme“, erzählt hingegen Bärbel Michael, Geschäftsführerin der Wohnungsbaugesellschaft Burg. Seit 1991 gehört sie zum Team und ihr sei kein Fall von extremer Vermüllung oder nicht mehr vertretbaren Zuständen von Wohnungen bekannt. „Wir sind froh, dass wir dahin- gehend vernünftige Mieter haben und bisher nicht eingreifen mussten“, so Michael. Insgesamt 17 Mietobjekte gehören zum Verwaltungspool der Gesellschaft im Stadtraum Burg.

Schaden liegt im fünfstelligen Bereich

Bei den Wohnungbaugesellschaften in Parey und Möckern versucht man sich mit einer vorab geleisteten Kaution vor Wohnungsübergabe, zumindest vor einer nicht im vertragsmäßigen Zustand zurückgegebenen Wohnung zu schützen. Wenn es die Datenschutzbestimmungen zulassen, wird auch die Bonität des Mietinteressenten geprüft.

Was es kostet, wenn trotz der Vorkehrungen eine Räumung ansteht, rechnet Köhler an einem Beispiel auf: „3000 Euro Räumungskosten, 4500 Euro Mietschulden, 1500 Euro Gerichts- und Anwaltskosten und 5000 Euro für die Renovierung“, also insgesamt 14 000 Euro finanzieller Schaden entstanden bei einer Räumung im Vermietungsgebiet Möckern Mitte Dezember.

Persönliches Gespräch kann helfen

Voran geht muss ein Räumungstitels der Wohnungsbaugesellschaft vor Gericht, erwirkt werden, bevor die Gerichtsvollzieherin die Wohnung an den Vermieter übergibt. Im Nachgang werden an spezialisierte Unternehmen Aufträge zum Räumen und Entsorgen erteilt. Letztlich wird renoviert, um die Wohnung für eine Neuvermietung herzurichten.

All das kann jedoch im Vorhinein durch ein persönliches Gespräch abgewendet werden. „Wir versuchen, den Betreffenden zu helfen, indem wir uns um ein persönliches Gespräch bemühen, um Lösungen zu suchen“, erklärt Köhler den Werdegang. Dies können Ratenzahlungsvereinbareungen, Antragsstellungen bei Behörden oder Möglichkeiten der Betreuung des Mieters sein. „Parallel dazu ergreifen wir alle notwendigen Maßnahmen von der Mahnung bis zur Räumung, da uns jeder Monat Mietausfall hohe Kosten verursacht und die Verfahren langwierig sind.“