Burg l „Unsere Nerven liegen blank. So kann es nicht weitergehen.“ Nach Monaten von schlaflosen Nächten und Anrufen bei der Polizei gehen Anwohner aus dem Bereich Gummersbacher Platz/Gartenstraße jetzt an die Öffentlichkeit. Die Namen sind der Volksstimme-Redaktion bekannt. „Wenn sie veröffentlicht werden, haben wir gar keine Ruhe mehr hier“, sagt eine Rentnerin. Die Frau gehört zu denen, die mittlerweile ein Buch über die Trink-Gelage schreiben und die Rufnummer des Polizeireviers schon blind tippen können.

Warum die Aufregung? Mieter schildern den Ablauf so: Meistens geht es an Freitagabenden dort hoch her. Zuerst wird an einer Verkaufsstelle reichlich Alkohol eingekauft, dann werden die Flaschen geköpft – oft bis in den frühen Morgen. Zehn bis 15 Personen sind keine Seltenheit, wobei eine Freifläche noch als Toilette genutzt wird. „Und die Lautstärke steigert sich dermaßen, dass viele hier gar keinen Schlaf finden und mehrmals in der Nacht die Polizei benachrichtigen.“ Wie vor zwei Wochen. Die Stimmung steigerte sich bis 3.45 Uhr morgens. Die alarmierten Beamten, die zum Glück nur einen kurzen Weg haben, waren schnell zur Stelle, lösten die Zusammenkunft auf und sprachen Platzverweise aus. Zumindest konnten etliche Burger dann noch einige wenige Stunden ruhig schlafen. „So geht das etwa seit März vergangenen Jahres“, sagt eine Bewohnerin. Sie ist eh schon gesundheitlich angeschlagen. „Das macht einen dann noch kränker, wenn man immer mit einem mulmigen Gefühl an das nächste Wochenende denken muss.“

Verständnis für Ärger der Mieter

Die prekäre Situation hat auch die Stadtverwaltung erreicht. „Ich habe volles Verständnis für den Ärger der Mieter dort“, sagt Fachbereichsleiter Jens Vogler. Er sieht in dieser Gruppenbildung gleich mehrere Verstöße – angefangen von der Covid-Eindämmungsverordnung mit all den Punkten wie fehlender Mindestabstand, Gruppenbildung mehrerer Haushalte, Ruhestörung und, und, und. „Es ist richtig, dass die Polizei gerufen wird, eine andere Möglichkeit gibt es in diesem Fall nicht. Auch nicht für das Ordnungsamt“, sagt Vogler.

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Für die Beamten gehört der kurze Sprint Richtung Gummersbacher Platz tatsächlich zum Wochenend-Ritual. „Das ist leider so“, bestätigt Pressesprecher Christian Sewina. „Wir tun das, was in diesem Fall die gesetzlichen Möglichkeiten entsprechend der jeweiligen Lage hergeben.“

Platzverweise werden ausgesprochen

So werden Personalien aufgenommen, Platzverweise ausgesprochen oder Ordnungswidrigkeitsanzeigen gefertigt. „Es ist völlig klar, dass sich die Menschen dort belästigt fühlen, wenn getrunken und herum gegrölt wird.“

Vollends aussichtslos ist die Situation dennoch nicht, kündigt Vize-Stadtchef Vogler an, ohne konkrete Details nennen zu wollen. Nur so viel: „Wir befinden uns in intensiven Gesprächen. Ich gehe davon aus, dass etwa ab Mai dort wieder Ruhe einziehen wird.“ Zudem prüfe die Stadt, ob in diesem Bereich per Allgemeinverfügung ein generelles öffentliches Alkoholverbot ausgesprochen werden könne. Das sei jedoch rechtlich schwierig, manche Gerichte hätten derartige Sanktionen gekippt.

Ähnliche Treffs auch an anderen Orten

Dass die Situation „nicht dem Selbstlauf“ überlassen werden dürfe, sagt Clemens Engel (CDU), Vorsitzender des städtischen Bau- und Ordnungsausschusses. Er hob das Thema auf die Tagesordnung des Gremiums am Dienstagabend. Ähnliche Treffs gebe es im Bereich der Clara-Schwab-Schule. Nicht nur, dass damit gegen mehrere Vorgaben verstoßen werde, auch zerschlagene Flaschen und jede Menge Müll seien die Folge und verschandeln vor allem an Wochenenden das Bild der Stadt. Auf Anraten des Ausschusses soll es nun zu einem Gespräch zwischen der Leitung der Polizei in Burg und der Stadtverwaltung kommen. „Wir müssen möglichst noch vor dem Sommer eine Lösung finden“, forderte Engel.