Burg l Sie weiß, was ein Schwarzer Block ist und kennt auch den Nationalsozialistischen Untergrund, kurz NSU, aus den Akten. Janine Herfen hat den besonderen Blick für Neonazis, Autonome und Islamisten. Unterlagen über politische Extremisten sind über ihren Schreibtisch beim Landeskriminalamt in Magdeburg gegangen. Sieben Jahre arbeitete sie in der Staatsschutzabteilung und war zuletzt deren stellvertretende Leiterin. Ein aufregender und wichtiger Abschnitt in ihrem Berufsleben, doch nun sei einfach Zeit für Neues. Die Kriminaloberrätin ist nach Burg gewechselt und führt seit Monatsbeginn das Zepter im Polizeirevier Jerichower Land. „Ich möchte näher an die Praxis ran und an die Kollegen auf der Straße.“

Herfen schloss im Oktober 2011 ihr Studium an der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster-Hiltrup ab, just einen Monat später ist der Öffentlichkeit bekannt geworden, dass es einen NSU gibt. In Köln arbeitete ein länderübergreifendes Abwehrzentrum, die junge Beamtin war in Sachsen-Anhalt mittendrin. Auch die martialischen Auftritte der rechtsextremen sogenannten „Unsterblichen“ mit Masken und Fackeln nicht zuletzt in der Börde hatte sie im Blick. Nach den Krawallen Linksradikaler und Autonomer beim G-20-Gipfel 2017 in Hamburg standen auch einzelne Hausdurchsuchungen und Vernehmungen im Jerichower Land an, Herfen befasste sich damit.

Erfahrung in Wernigerode

Burg war einige Jahre ein ziemlich unruhiges Pflaster, Rechtsradikale und Mitglieder der Antifa bekamen sich regelmäßig in die Haare. Dass es sie ausgerechnet deshalb in die Kreisstadt gezogen hat, will die Mutter eines Sohnes (3) und einer Tochter (4) nicht bestätigen. „Nein, nein“, sagt sie auf Nachfrage der Volksstimme, schmunzelt und meint weiter: „Das Angebot war da und ich möchte mich als Dienststellenleiterin beweisen.“ Außerdem seien gewisse Veränderungen für Führungskräfte der Polizei durchaus üblich und gewollt. „Reviererfahrungen habe ich übrigens schon vor mehr als zehn Jahren in Wernigerode sammeln können, das hilft.“

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In den ersten Tagen hat die neue Revierleiterin viel telefoniert und Kollegen getroffen. „Natürlich war ich bereits im Revierkommissariat Genthin, das zu uns gehört.“ Und selbstredend gab es bereits Kontakte mit dem Ordnungsamt der Stadt. „Mein Eindruck ist positiv, es handelt sich um eine funktionierende Dienststelle der Polizei.“ Inwieweit doch an Stellschrauben gedreht werden muss, bleibe abzuwarten. Dass nach Nadine Raabe-Goldermann, die ins Innenministerium gewechselt ist, wieder eine Frau in Burg das Sagen hat, habe kein System. „Ich bin in der komfortablen Situation, dass dieses Revier daran gewöhnt ist. Die Kollegen haben ja gesehen, dass es funktioniert“, sagt sie staubtrocken und lächelt dann doch.

Neue Inspektion Stendal

Den strukturellen Veränderungen bei der Landespolizei ab 2020 sehe sie gelassen entgegen. „Wir sind ein eher kleines Revier. Ich glaube, dass uns die neue Aufteilung, angelehnt an der von Staatsanwaltschaft und Landgerichtsbereich, Vorteile bringt.“ Aus den drei Polizeidirektionen werden vier Inspektionen. Die PD Nord wird geteilt, das Jerichower Land wird künftig zur Polizeiinspektion Stendal gehören. Von Burg nach Stendal sind es etwa 60 Kilometer. „Die Entfernung spielt nicht die große Rolle, wir fahren ja nicht hin und her. Der Datenverkehr läuft längst zum großen Teil elektronisch.“ Das Revier hat circa 150 Mitarbeiter in Verwaltung und Vollzug.

Die Lage des Landkreises sei besonders. „Er befindet sich nah an der Landeshauptstadt Magdeburg und ist wegen der Autobahn ein Transitgebiet mit reisenden Tätern.“ Gerade Einbrecher in der dunklen Jahreszeit wüssten das zu nutzen. Ein schon fast traditioneller Schwerpunkt der Revierarbeit seien die Wildunfälle. „Daran lässt sich aber kaum etwas ändern. Im Jerichower Land gibt es reichlich Wald und eine Menge Bundesstraßen.“

Herfen ist verheiratet. Sie lebt mit ihrem Mann, einem Magdeburger Polizisten, und den Kindern seit drei Jahren in Gommern. „Den südlichen Teil des Landkreises kenne ich schon ganz gut, den nördlichen muss ich mir noch erobern.“ Nach der Arbeit spielt sie regelmäßig Tennis in Schönebeck und verbringt im Sommer Zeit mit der Familie an Badeseen der Umgebung. Ins Berufsleben gestartet sei sie übrigens einst mit dem Praktikum bei einer Krankenkasse. „Ich habe dabei sehr schnell gemerkt, dass es das nicht ist und dann war er auch bereits da, der große Wunsch, Polizistin zu sein.“