Biederitz l Nach dem verheerenden Hochwasser im Juni 2013 hat das Land Sachsen-Anhalt einen so genannten Unterhaltungsrahmenplan aufgelegt, der auch für den Elbeumflutkanal gilt. Zu den darin festgehaltenen Maßnahmen gehört die „Komplettrodung im gesamten Bereich des Elbeumflutkanals von dicht- und schrägstehenden Bäumen, Sträuchern und Bodendecker in dicht bewachsenen Bereichen, die einen schadlosen Abfluss gefährden können“. Eine Ausnahme davon bilden lediglich ausgewählte wertvolle Alt-Habitatbäume, heißt es im Rahmenplan weiter.

Darüber hinaus gehört das Ausdünnen von Baumbestand, das Entfernen von Unterholz und Strauchwuchs zwischen der Bahnbrücke bei Biederitz bis zur Brücke an der Bundesstraße 1 bei Heyrothsberge dazu. Das geht aus der Antwort der Landesregierung auf eine kleine Anfrage im Landtag von Sachsen-Anhalt im vergangenen Jahr hervor. Die Entfernung von unerwünschten Gehölzern und sich bildenden „Querriegeln“ gehöre außerdem zu den wiederkehrenden Maßnahmen.

Modellversuch ausgewertet

In einem Modellversuch hatte der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) die Auswirkungen der Maßnahmen auf das Abflussverhalten im Elbeumflutkanal nachgewiesen.

„Nach dem Hochwasser galt es, die richtigen Schlüsse zu ziehen und Maßnahmen zu ergreifen“, erklärte der Direktor des Landesbetriebs für Hochwasserschutz, Burkhard Henning, im November 2019. Dazu gehöre auch, den Abfluss zu verbessern.

Arbeiten korrigieren Fehleinschätzung

„Nach dem Bau des Pretziener Wehres und des Elbumflutkanals zwischen Pretzien und Biederitz nahm der Bewuchs in der Alten Elbe und im Umflutkanal immer mehr zu“, sagte Henning weiter. Die ursprünglich baum- und strauchfrei zu haltenden Flächen entwickelten sich zu naturnahen Lebensräumen. Als Ursache dafür sieht Henning eine Fehleinschätzung beim geschätzten Abflussvermögen, die sich bis zum Hochwasser 2002 hartnäckig gehalten habe. Diese Fehleinschätzung werde nun durch den Unterhaltungsrahmenplan korrigiert.

Insgesamt werden im Bereich des Elbeumflutkanals 21,67 Hektar Bewuchs entfernt. Das geschieht unter Beachtung des geltenden Naturschutzrechtes. In so genannten Landschaftspflegerischen Begleitplänen sind für die Eingriffe umfangreiche Ersatzmaßnahmen, sprich Ersatzpflanzungen, vorgesehen. Im Mittelpunkt stehen dabei auch Ersatzpflanzungen für gefällte Bäume. Die neuen Standorte wurden durch spezielle Berechnungen ermittelt, so dass sie den Abfluss des Hochwassers nicht behindern. In der Umflutehle soll auf diese Weise ein „grüner Gürtel“ entstehen. Zusätzlich zu den Ersatzpflanzungen wurden rund 200 Nisthilfen und Fledermauskästen installiert.

Hindernis an Schwienebrücke

Der Bewuchs an der Schweinebrücke bei Biederitz, quer zur Flussrichtung, stellte ein ernsthaftes Hindernis im Falle eines Hochwassers dar. Der Biederitzer Gemeindebürgermeister Kay Gericke hat deshalb für die Maßnahmen großes Verständnis. „Das Wasser muss schnell abfließen können“, sagt Gericke. Sonst sammle sich Schwemmgut, das Wasser staue sich an oder Äste würden sich in den Deich bohren. „Beides erhöht die Gefahr eines Deichbruchs.“

„Ich kann verstehen, dass das optisch nicht schön ist und vielleicht erstmal ein Schock, wenn man das sieht“, sagt Gericke. Für den Hochwasserschutz in der Gemeinde sei es aber wichtig.