Gardelegen l Nun ist der Winter doch noch angekommen und nicht zu übersehen: Menschen schlittern ungewollt über Gehwege, gehen vorsichtshalber in winzigen Schritten, Autos rutschen in ungewollte Richtungen. Und wie jedes Jahr spaltet diese Jahreszeit die Gardeleger in eine Zweiklassengesellschaft: In die einen, die schon vorm Aufstehen Schnee fegen – und die anderen, die sich überhaupt nicht um ihren Gehweg kümmern. In die einen, die an Landes- und Bundesstraßen oder neben Kindereinrichtungen wohnen, wo geräumt wird – und die anderen, deren Adresse eine Nebenstraße ist, die damit in den Bereich des eingeschränkten Winterdienstes fällt.

Mithilfe der Bevölkerung

Mancherorts geht es also flott voran – anderenorts nicht. Das weiß man auch in der Stadtverwaltung. „Aus aktuellem Anlass“ gab diese deshalb nun eine Pressemitteilung heraus, in der Bürger zum einen noch einmal ausdrücklich auf ihre Pflichten beim Winterdienst hingewiesen (Satzung in Auszügen siehe Infokasten), und zum anderen um ihre Mithilfe gebeten werden: „Wir bitten um Hinweise aus der Bevölkerung, wo und in welchem Maße Gefahrenquellen aufgrund von Schnee und Eisglätte entstanden ist“, heißt es darin. Möglich ist dies per Kontaktformular auf der Homepage der Stadt www.gardelegen.de oder auch telefonisch bei Daniel Langer im Bauamt unter 03907/71 61 79.

Diese Bitte der Verwaltung solle aber auf keinen Fall als Aufforderung verstanden werden, nun seinen Nachbarn anzuschwärzen, macht Bürgermeisterin Mandy Zepig auf Nachfrage klar. Vielmehr gehe es einfach darum, dass die Mitarbeiter der Stadt nicht überall sein könnten. Wenn es irgendwo richtig glatt sei, egal ob das Grundstück jetzt in Privathand oder kommunales Eigentum ist, sollte das gemeldet werden. Und das gelte für Gehwege ebenso wie für Straßen. Denn auch wenn bei Schneefall längst nicht jede Straße geräumt wird – Schilder mit Hinweisen auf den eingeschränkten Winterdienst gibt es sowohl in der Stadt als auch auf den Dörfern – sehe das bei Glatteis anders aus, erläutert Bauamtsleiter Engelhard Behrends, „dann sind wir in der Pflicht“. Allerdings könnten eben nun mal nicht alle Straßen gleichzeitig gestreut werden, macht auch er klar. Deshalb sollten die Bürger einfach und unbürokratisch mitteilen, wenn es irgendwo dringend sei. „Dann kommen wir auch raus.“

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Eine weitere Möglichkeit probieren derzeit die Außendienstmitarbeiter des Ordnungsamtes aus. So gehen sie schon mal auf Anliegerstraßen von Haus zu Haus und bitten die Bürger, beim Streuen auch die Straßen mit abzustumpfen. „Es geht einfach darum, dass wir zusammenarbeiten wollen“, so Matthies. Und zwar derzeit ganz ohne erhobenen Zeigefinger oder sogenannte Schneeknöllchen. Von denen sei in diesem Jahr übrigens auch noch kein einziges verteilt worden.