Gardelegen l „Schuld“ sind eigentlich die Senioren. Bürgermeisterin Mandy Zepig muss immer noch ein bisschen schmunzeln, wenn sie an den Termin mit den Miester Rentnern zurückdenkt, „bei dem sie mich ganz schön stramm stehen lassen haben.“

Doch auch wenn nicht alle Wünsche in Erfüllung gehen können, die die Senioren ihr mit auf den Weg gaben: Eine Anregung, die sie mitnahm, konnte ganz schnell umgesetzt werden. Zwar sei es keine echte Bibliothek geworden, dafür aber eine kleine Bücherzelle, so Zepig.

Frisch lackiert

„Ich habe damals sofort daran gedacht, dass wir noch so eine alte Telefonzelle haben.“ Am Gardeleger Rathausplatz gibt es nämlich bereits so ein Selbstbedienungsbücherregal, ebenfalls in einer ausrangierten restaurierten Telefonzelle. Und deren Zwillingsschwester steht nun, frisch lackiert, auf dem Dorfplatz in Mieste. Damit sie keiner mit einer echten verwechselt, steht ganz groß „Bücherschrank“ auf allen vier Seiten. Und der ist sogar schon gut bestückt.

Natürlich hat auch Mandy Zepig ein paar Bücher mitgebracht. Zum Beispiel eines über Otto Reutter, eines über Gardelegens Geschichte und auch die neue Chronik von Letzlingen. Den Löwenanteil der Bücherschrankfüllung hat jedoch der Förderverein der Gardeleger Bibliothek spendiert: „Ein bisschen von allem“, wie Vereinschef Jörn Projahn versichert. „Krimis, was Unterhaltsames und auch was Historisches“, stehen drin. Und alle Bücher können ausgeliehen werden. Theoretisch muss man sie nicht einmal zurückstellen, wenn man sie ausgelesen hat. Kann man aber natürlich auch. Vor allem aber dürfen und sollen die Miester künftig auch eigene Bücher hineinstellen, die sie ausgelesen oder vielleicht doppelt haben, oder welche, die keinen Platz mehr finden im heimischen Regal. „Ein reger Austausch“ soll es werden, wünscht Projahn den Miestern. Denn so sei das Ganze gedacht.

Die Idee der Bücherzelle hatte er aus dem Landkreis Stendal mitgebracht: „Dort steht ja in fast jedem Dorf eine.“ Und auch die in Gardelegen sei prima angelaufen, betont Projahn. „Sie wird gut angenommen, so wie es sein sollte, und es ist auch Bewegung drin“, – sprich es finde ein steter Austausch statt.

Und auch die Ängste, dass die Zelle demoliert und beschmiert werden könnte, hätten sich nicht bestätigt.

So ganz unbegleitet soll die neue Bücherzelle aber in Mieste nicht stehen bleiben. So wird sich künftig Bibliotheksmitarbeiterin Iris Grasemann immer mal wieder um den Inhalt des Bücherregales kümmern, wie Projahn betont. Und in Mieste werden zudem die Mitglieder des Fremdenverkehrsvereins ein Auge auf die neue Einrichtung haben, verspricht gestern Vereinsmitglied Brigitte Jahn. Denn schließlich steht die Kleinstbibliothek ja direkt vor ihrem Vereinsdomizil. Und so kann auch sie gestern schon mal einen neugierigen Blick hineinwerfen.

Dafür, dass dort bald noch mehr Bücher stehen, will übrigens Ortsbürgermeister Kai-Michael Neubüser sorgen. „Ich schau auf jeden Fall nach, was ich herbringen kann“, versichert er gestern. Ihn freut das neue Angebot: „Ich war total begeistert von der Idee“, sagt er. Zumal die so schnell umgesetzt worden sei. Und er sei sicher, so Neubüser, dass die Zelle gut angenommen wird, „vor allem von den Senioren.“ Mit dem Selbstbedienungsmodell „schließen wir ja auch eine Versorgungslücke, nämlich die, mit neuem Lesestoff.“