Fusionsküche

Bohnensuppe trifft auf Lauch-Boulaki

Deutsche und afghanische Kochkultur in dufter Zweisamkeit - das gab es jetzt im Jugendfreizeitzentrum "Kroko" in Kalbe.

Von Anke Kohl

Kalbe l Die Idee ist aufgegangen – der Teig hingegen musste das nicht. Bei der ersten Fusionsküche der Künstlerstadt Kalbe freute sich Cathleen Hoffmann, dass die Premiere des gemeinsamen Kochens von Altmärkern und Neu-Kalbensern offenbar so gut ankam. Im Laufe des frühen Abends kamen immer wieder neue Besucher ins "Kroko". Sie schnupperten die fantastischen Aromen und griffen dann beim gefüllten Fladenbrot zu, um es auch noch in den Joghurt zu tunken, der zuvor mit dem Chutney aus Koriander, Ingwer, Knoblauch und noch mehr Kräutern und Gewürzen gemischt worden war.

Das Fladenbrot brauchte allerdings nicht aufzugehen. Denn der Teig, den die gebürtige Afghanin Shakila Sahak vorbereitet hatte, bestand lediglich aus Mehl, Salz, Wasser und Öl.

An engagierten Brotbäckern gab es keinen Mangel. Wirklich jeder wollte unbedingt mal zum Nudelholz greifen und einen Fladen ausrollen, um ihn anschließend – ähnlich wie Pizzateig – wirbelnd von einer Hand auf die andere zu werfen. „Und was ist, wenn er reißt und ich ein Loch drin habe?“, fragte Anna Ebeling, als sie das Teigstück vorsichtig aufnahm.

„Nicht schlimm. Dann machen wir das nochmal“, beruhigte die Chefin an der Pfanne, Shakila Sahak. Praktisch machte fast jeder Gast des Abends seinen eigenen Boulani. Angefangen bei Corinna Köbele, der Initiatorin der Künstlerstadt Kalbe, den Brüdern Nasim und Matin Abdullah, die aus Syrien nach Deutschland gekommen sind, bis zur kleinen Jula Kühnel.

Für die Vierjährige übernahm allerdings Cathleen Hoffmann das Backen des als Boulaki bekannten, gefüllten Fladenbrotes in der heißen Pfanne. Dazu gab es zwei verschiedene Füllungen. Die eine schlicht aus Lauch, Öl, Salz und Chili und die andere aus Kartoffeln mit Minze, Koriander, Knoblauch, Zwiebel und Chili.

Weniger spektakulär, weil traditionell und in der Altmark hinlänglich bekannt, ging es am Arbeitsplatz von Julas Papa Marko Kühnel zu. Der Kalbenser kochte eine vegetarische Variante eines Grünen Bohneneintopfes. Dazu gab es klassisch frisch und selbst gebackene Eierkuchen.

Ein bisschen erinnerte die erste Fusionsküche der Künstlerstadt an ein Ferienlager oder zumindest an Campingplatzatmosphäre. Jeder steuerte irgendetwas zum Menü bei. Alle halfen sich, wo sie konnten, gaben Tipps, rätselten über und schnupperten an unbekannten Zutaten, staunten über Fingerfertigkeiten und wollten diese unbedingt auch einmal ausprobieren.

Ob nun Kalbenser oder Syrer, Inder, Engersener oder Afghane – alles schmeckte allen, was alle gemeinsam gekocht, gebacken oder zumindest beim Kochen beobachtet hatten.