Jeggau l Kurz nach 11.30 Uhr öffnet sich die Saaltür, und die Fasslomstüber marschieren hintereinander hinein. Jeder mit dem Schlachtruf: „Wat ist hüt und morjen?“ Die anderen antworten laut und zackig: „Fasslom is hüt un morjen.“ Die Teufelsgeigenspieler lassen kurz ihre Instrumente Marke Eigenbau rasseln. Ein kurzes Prost, dann geht es los zum großen Heischezug durch Jeggau und Eigenthum– warm angezogen – denn der eisige Ostwind lässt die Temperatur auf gefühlte Minus zehn Grad sinken. Tatsächlich ist es etwas wärmer. Sogar die Sonne kommt heraus. Das hebt die Stimmung, die bei den Jeggauer Fasslomstübern ohnehin außerordentlich gut ist, ebenso bei den Einwohnern von Jeggau und Eigentum.

Die Männer gehen von Haus zu Haus, allen voran der Wurstgabelträger Michael Lembke. Gestartet wird in Eigenthum. Gerlinde Lenz und Horst Lembke sind die ersten, die die Fasslomstüber besuchen. Der Wurstgabelträger betritt als erstes den Hof, sagt einen langen Spruch auf Plattdeutsch auf, dann gibt es die besten Wünsche für das neue Jahr. Und für Gerlinde Lenz gibt es außerdem noch nachträglich Glückwünsche zum 60. Geburtstag. Das Paar hat schon Wurst, Getränke und Geld parat gelegt. Außerdem gibt es heißen Glühwein, den Nicole Lenz serviert.

Fasslomball

So geht es von Haus zu Haus. Etwa 80 Haushalte suchen die Fasslomstüber auf. Es ist fast dunkel, als sich die Männer am Jeggauer Saal wieder einfinden. Dort haben unterdessen Kathleen Kusian und Carolin Berlin fleißig im Saal gearbeitet, die Tische für 140 Gäste gedeckt, alles hübsch dekoriert. Dort gibt es am Abend ein Eierbackessen fürs ganze Dorf. Und danach wird ordentlich gefeiert mit einem Überraschungsprogramm der Fasslomstüber. Am Sonnabend beginnt um 21 Uhr der große Fasslomball mit dem Abtanzen der Bänder und der Krönung des Schleifenkönigs, denn beim Heischezug durchs Dorf bringen die Damen farbige Bänder an den Hüten der Fasslomstüber an, mit denen sie gern tanzen wollen.

Bilder

Am Sonntag werden die Fasslomstüber beim großen Empfang am Jeggauer Rathaus die Wurstkrone in Empfang nehmen (13 Uhr). Zuvor gibt es ein Mittagessen im Saal. Eingeladen sind dazu auch die Ortsbürgermeister der umliegenden Dörfer. Nach dem Empfang folgt ein Festumzug durchs Dorf, musikalisch begleitet von den Kalbenser Blasmusikanten. Damit bedanken sich die Fasslomstüber für die vielen Spenden. Zum Abschluss gibt es einen Tanznachmittag bei Kaffee, Kuchen, Wurstversteigerung und der Ehrung des Schuldenkönigs. Das Fasslomfest ist eine uralte Tradition in Jeggau, um den Winter auszutreiben, den Frühling zu begrüßen und allen Einwohnern von Jeggau und Eigenthum eine reiche Ernte zu wünschen.