Gardelegen l Gestern gaben Gedenkstättenleiter Andreas Froese-Karow, die Gardeleger Bürgermeisterin Mandy Zepig, Kai Langer, der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt, und Dyrk Ruffer vom Architekturbüro mit einem ersten Spatenstich das Startsignal für die Bauarbeiten an der Isenschnibber Feldscheune. Gleich nach dem ersten Spatenstich für das Besucher- und Dokumentationszentrum rollten die Bagger und Lastwagen an. Zunächst wird die Grube für den rund 200 Quadratmeter großen Keller geschaffen, der vorwiegend die technischen Anlagen des Gebäudes sowie die Toiletten enthalten soll. Der Grundstein wird vorausichtlich Ende Mai gelegt. Rainer Robra, der Minister für Kultur und Leiter der Staatskanzlei, hat sein Kommen zugesagt, verrät Kai Langer. Derzeit laufe die Terminabsprache mit dem Ministerium.

Wenn alles nach Plan verläuft, wird der Rohbau im September fertig sein, und die Bauarbeiten können Ende des Jahres abgeschlossen werden, so der Bauüberwacher des Architekturbüros BHBVT, Dyrk Ruffer. Außerdem wird vor dem Gebäude eine befestigte Parkfläche geschaffen. 2019 kann dann das Besucherzentrum eröffnet werden.

Gebäude erinnert an Todesmarsch

Wichtig war den Planern, dass das Gebäude sich gut in die Gesamtanlage der Gedenkstätte einfügt und nicht zu dominant wirkt. Gedenkstätten-Leiter Andreas Froese-Karow spricht von einer „Verbindung von äußerer Ästhetik und Funktionalität.“ Die längliche Form des Gebäudes greift das Thema des Weges auf, den die hier umgekommen Menschen zurückgelegt haben, gleichsam eine Erinnerung an den Todesmarsch.

Bilder

Die Feldscheune Isenschnibbe war an einem der letzten Kriegstage, am 13. April 1945, zum Schauplatz eines Massakers geworden, in dem 1016 KZ-Häftlinge umgebracht wurden. Das geplante Besucher- und Dokumentationszentrum erinnert an ihr Schicksal, zeigt historische Ausstellungsstücke und dokumentiert die Lebenswege der dort Umgekommenen.

„Es soll aber trotzdem ein Ort werden, der nicht unangenehm wirkt“, sagte Froese-Karow. Das Gebäude solle einladend wirken und eine helle Atmosphäre haben. Unter anderem werden dort auch historische Filmaufnahmen, die US-Streitkräfte von der Entdeckung des Masakers gemacht haben, gezeigt. Sie werden in einem separaten Raum zu sehen sein, und man könne die Ausstellung auch besuchen, ohne die Aufnahmen zu sehen, sagt Froese-Karow. „Wenn man die Leute abschreckt, kommen sie nicht wieder.“

Internationales Interesse

Die Gedenkstätte werde international sehr aufmerksam beobachtet, berichtet der Gedenkstätten-Leiter. Vor allem aus Polen und den USA gäbe es sehr viele Anfragen.

Am Freitag, 13. April, jährt sich das Massaker an der Isenschnibber Feldscheune zum 73. Mal. An diesem Tag wird es zwei öffentliche Gedenkveranstaltungen gaben, die beide unter dem Thema „Gardelegen im Blick der allierten Befreier“ stehen. Am Freitag wird um 18 Uhr im Gardeleger Rathaus eine Ausstellung eröffnet, in der amerikanische Dokumentaraufnahmen nach demMassaker zu sehen sind. Die Ausstellung zeigt, wie die US-amerikanischen Truppen auf die Entdeckung des Tatorts in der ausgebrannten Feldscheune reagierten, die Spuren des Massakers dokumentierten und die Bevölkerung vor Ort mit dem Verbrechen konfrontierten. Die Ausstellung ist danach vom 16. bis 20. April während der Öffnungszeiten im Rathaus zu sehen.

Am Sonntag, 15. April, lädt die Gedenkstätte zu einer öffentlichen Gedenkveranstaltung mit Kranzniederlegung ein. Ausnahmsweise wird das Ereignis nicht direkt am Jahrestag, sondern aus Rücksicht auf den jüdischen Ruhetag Shabbat erst am Sonntag danach begangen. Dieses Datum soll zugleich die Entdeckung des Tatorts durch die US-Streitkräfte am 15. April 1945 würdigen. Die Veranstaltung beginnt um 11.30 Uhr. Die Gedenkrede hält dieses Mal Timothy Eydelnant, der US-Generalkonsul für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.