Denkmal

Fläche kommt unter den Hammer

Das Grundstück des Trüstedtschen Hauses an der Rudolf-Breitscheid-Straße kam unter den Hammer. Startpreis sind 6000 Euro.

Von Gesine Biermann

Gardelegen l Es war ein schmuckes Haus, 1648 erbaut von einem Gardeleger Bürgermeister, war es bis zum Schluss vor allem durch seine Fachwerkfassade mit dreifacher Vorkragung ein echter Hingucker. Allerdings nur äußerlich. Denn das Haus fiel mehr und mehr zusammen. Kaum Erhaltungsmaßnahmen in den Jahren nach 1945 und viele Leerstände hatten die Bausubstanz angegriffen.

Eigentümer gaben sich zwar die Klinke in die Hand, doch niemand wollte investieren. Ein Grund waren wohl auch die unrealistischen Forderungen des Denkmalschutzes, denn dem Nebengelass auf dem Hinterhof wurde der gleiche Stellenwert zugemessen, wie dem imposanten Vorderhaus. Auch das Hinterhaus, in dem kaum jemand aufrecht stehen kann, sollte saniert werden. Eine teure Auflage, die am Ende selbst der Gardeleger Wobau das Interesse vergällte, dieses stadtbildtragende Denkmal zu erhalten.

Und so fiel das Haus langsam in sich zusammen und wurde schließlich zur Gefahr. Der letzte Eigentümer Volkmar Christen, ein Wuppertaler Großhändler, war zunächst nicht auffindbar, beziehungsweise ignorierte zugestellte Aufforderungen der Stadt erfolgreich, zumindest Schutzmaßnahmen einzuleiten. So kam, was kommen musste: 2014 sah der Landkreis Gefahr im Verzug, ein Gutachten bestätigte das. Und so wurde das Denkmal abgerissen. Lediglich Teile des Giebels wurden eingelagert. Der Schuttberg blieb liegen. Ein Zaun trennt ihn seither vom Bürgersteig – eines der traurigsten Kapitel in der Denkmalgeschichte der Stadt.

Doch nun soll eine neue Seite aufgeschlagen werden – zumindest, was das Grundstück betrifft. Denn am 25. November kommt die Fläche in Leipzig unter den Hammer. Versteigert wird sie von der Sächsischen Grundstücksauktionen AG. Mindestgebot: 6000 Euro. Ein Schnäppchenpreis von 6,37 Euro pro Quadratmeter angesichts der Grundstücksgröße von 1118 Quadratmetern und der zentralen Lage – wäre da nicht das Nebengelass mit seinen Denkmalschutzauflagen, von denen in der Objektbeschreibung des Auktionshauses allerdings nicht die Rede ist. Dort wird das Hofhaus lediglich als „desolat“ beschrieben.

Möglicherweise birgt die Fläche aber auch noch ganz andere Altlasten. Denn bislang habe der Eigentümer die Abrisskosten für das Vorderhaus nicht beglichen, teilte Pressesprecherin Amanda Hasenfusz auf Volksstimme-Nachfrage mit. „Leider wurden die Kosten für die Ersatzvornahme nicht gezahlt“, so Hasenfusz. Die Valo UG als bisheriger Eigentümer des Grundstückes Trüstedtsches Haus in Gardelegen habe Widerspruch bezüglich der Erstattung der verauslagten Kosten im Rahmen der Ersatzvornahme durch den Altmarkkreis Salzwedel eingelegt, so Hasenfusz weiter. Immerhin hatte der Abriss Ende 2014 rund 40 000 Euro gekostet. „Das Widerspruchsverfahren ist beim Landesverwaltungsamt noch anhängig, eine kurzfristige Bearbeitung wurde zugesichert“, schreibt Hasenfusz. Dem Landesverwaltungsamt sei auch bekannt, dass die Valo UG zahlungsunfähig ist. Geschäftsführer der Valo UG ist Volkmar Christen.