Gardelegen l Die Ausstellung im neuen Dokumentationszentrum der Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe bei Gardelegen ist eröffnet. Zu der Feierstunde kamen am Dienstag (15. September) Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff sowie Botschaftsvertreter aus Israel, Frankreich, Polen, Russland und der USA in die Altmark. Im Mittelpunkt stand das Erinnern an das brutale Massaker am Rande der Hansestadt, bei dem am 13. April 1945 1096 Menschen grausam ermordet wurden.

Unter großen Sicherheitsvorkehrungen begann die Veranstaltung am Mittag. Journalistenvertreter wurden mit Shuttle-Bussen zum Gedenkstätten-Areal gebracht.

Innehalten auf dem Gräberfeld

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender gedachten vor der eigentlichen Feierstunde der Ermorderten. Steinmeier legte einen Kranz niedert und das Ehepaar ging allein über das Gräberfeld und hielt an einigen der weißen Kreuze kurz inne.

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Nach Dr. Kai Langer, Direktor der Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt, durfte Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Schumacher die prominenten Gäste begrüßen. In ihrer kurzen aber sehr eindringlich-emotionalen Ansprache erinnerte sie daran, dass "viele bewusste Entscheidungen" in die Katastrophe von Gardelegen geführt hätten. Zwar sei es Zufall gewesen, dass der Weg der Züge mit den KZ-Häftlingen in der Altmark endete, "aber es war kein Zufall, dass Menschen den Befehlen gehorchten". Die neue Ausstellung zeige eindrücklich das Verhalten der Menschen damals in Gardelegen, so Schumacher.

Viele Opfer nicht namentlich bekannt

Der Bundespräsident erinnerte zunächst an den Ablauf des Massakers von Gardelegen am Kriegsende 1945. "Die Mörder kannten kein Erbarmen", betonte Frank-Walter Steinmeier, obwohl sie die Hilferufe der Menschen gehört haben müssen. Das Staatsoberhaupt erinnerte daran, dass die Namen vieler Opfer bis heute nicht bekannt sind. "Sie kamen aus ganz Europa", so Steinmeier.

Zum Ende seiner Rede dankte er insbesondere dem Förderverein der Gedenkstätte sowie der AG Stolpersteine des Gardelegener Gymnasiums für ihre Erinnerungsarbeit. "Wir leben in einer Zeit, in der unsere Demokratie und der Rechtsstaat nicht unangefochten sind", betonte der Bundespräsident. Er erinnerte an die Attentate von Halle und Hanau. "Jede Form von Antisemitismus und Rassenhass gilt es zu bekämpfen", sagte Steinmeier. Zum Abschluss formulierte er einen Wunsch: "Ich wünsche mir, dass jeder Schüler mindestens einmal in seiner Schulzeit die Möglichkeit hat, eine Gedenkstätte wie diese zu besuchen."

"Demokratie ist kein Selbstläufer"

Anschließend sprach Ministerpräsident Reiner Haseloff. "Wohin Hass, Intoleranz und Rassismus führen, hat uns die Geschichte des nationalsozialistischen Deutschlands gezeigt. Dieser Geschichte müssen wir uns stellen. Unsere Vergangenheit bürdet uns Verantwortung auf", mahnte der Landesvater. Und er schob nach: "Die liberale Demokratie ist kein Selbstläufer." Rassismus und Diskriminierung seien ein ernstes Problem, betonte Haseloff.

Anschließend führte Andreas Froese, Leiter der Gedenkstätte Isenschnibbe Gardelegen, in die neue Dauerausstellung ein, ehe die Gäste in kleinen Gruppen das neue Gebäude betreten konnten.

Weg der Häftlinge

Das neue Gebäude auf dem Areal der Gardelegener Gedenkstätte erinnert mit einem einzigartigen Zugang an das Massaker von Gardelegen. Der Rote Faden der Ausstellung im Inneren ist dabei der Weg der Häftlinge bis zu ihrem grausamen Ende. Daran soll aber auch die längliche Form des Besucherzentrum aus schlichtem Beton erinnern.