Gardelegen l „Meine Eltern wurden schon im Gardelegener Krankenhaus geboren, ich und meine Kinder auch. Ich hoffe, dass auch meine Enkelkinder noch hier geboren werden.“ Mit diesen Worten machte Oliver Stegert (SPD) deutlich, dass er und seine Fraktion die Resolution zum Erhalt der Kinderklinik und den Aufbau eines Mutter-Kind-Zentrums im Gardelegener Krankenhaus voll unterstützt. Die Resolution wurde am Dienstagabend während der Sozialausschusssitzung von der Vorsitzenden Sandra Hietel und Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Schumacher vorgestellt. „Wir sollten Druck auf den Kessel aufbauen“, gab er die Maxime vor, nichts unversucht zu lassen.

Auch alle anderen Ausschussmitglieder und die berufenen Bürger, die sich zur Sitzung im Letzlinger Kulturhaus trafen, waren derselben Meinung. Andreas Finger (CDU) zum Beispiel führte aus, dass es ja die Aufgabe des Stadtrates ist, die Stadt zu entwickeln. Und dabei stehen die Kinder an erster Stelle. „Die Schließung dürfen wir nicht durchgehen lassen“, machte er deutlich. Die Resolution werden er und seine Fraktion voll unterstützen, denn es sei auch ein Signal an die Bürger: „Wir stehen zusammen für ein Ziel“.

Mensch und nicht Geld im Mittelpunkt

Dirk Kuke (fraktionslos) sprach auch noch einmal das geplante Mutter-Kind-Zentrum an, für das vom Land 5,3 Millionen Euro Fördermittel zur Verfügung gestellt wurden und das derzeit nur im Rohbau steht. „Was soll denn daraus werden?“, stellte er die Frage. Zudem sei doch einmal im Gespräch gewesen, am Krankenhaus eine Ausbildungsstätte zu errichten. Auch „dafür sollten wir uns einsetzen“, machte er deutlich. Dass der Mensch und nicht das Geld im Mittelpunkt stehen sollte, forderte zudem Georg Krutzfeld (AfD).

Im Vorfeld der Beratung hatten Schumacher und Hietel einige Ausführungen gemacht, nachdem sie den Ärztlichen Direktor des Krankenhauses Gardelegen, Dr. Michael Schoof, als Gast für den nichtöffentlichen Teil der Sitzung und den Vorstand des Fördervereines der Kinderklinik Kindertraum als Zuhörer begrüßt hatten.

Schreiben an das Sozialministerium

Die Bürgermeisterin machte deutlich: „Wir versuchen alles, um die Schließung der Kinderklinik zu verhindern, sind dabei aber auf Unterstützung angewiesen“. Für die Eltern wäre es ein sehr schwieriger Umstand. Wichtig sei die Versorgung vor Ort. Das sei jedem klar, auch denen, die die Umstrukturierung planen. Die Schließung wäre „keine Entscheidung, die wir hinnehmen. Wir können nur jeden Hebel ansetzen, den wir haben“. Aufgabe der Stadt und des Rates sei es in ihren Augen mitzuwirken, Ideen zu finden, und bei der Fachkräftegewinnung zu helfen.

Dazu habe es auch schon Gespräche und ein Schreiben an die Landes-Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) gegeben, erläuterte die Ausschuss-Vorsitzende. „Wir wollen unseren Einsatz zeigen, um die Schließung zu verhindern. Wir wollen, das Gardelegener auch in Gardelegen geboren werden.“ Deshalb sei man sogleich aktiv geworden, nachdem die Umstrukturierung und Profilierung der beiden Standorte des Altmark-Klinikums angekündigt wurde: ambulante Versorgung in Gardelegen, was das geplante Mutter-Kind-Zentrum mit Kinderklinik und Geburtenstation in Frage stelle, und stationäre Versorgung in Salzwedel.

Gerade in ländlichen Regionen sei die nahe stationäre Versorgung wichtig. Es gebe eine 50-prozentige höhere Notfallquote bei Kindern als bei Erwachsenen – „und die Ambulanz ist vielleicht nachts nicht immer zu erreichen“.

Arbeiten am Mutter-Kind-Zentrum gehen weiter

Sie war so frei und habe eine entsprechende Resolution vorbereitet, erklärte Hietel, die an die Landesregierung, den Altmarkkreis sowie die Geschäftsführung des Altmark-Klinikums und der Salus Altmark Holding gehen werde, wenn auch die anderen Ausschüsse und der Gardelegener Stadtrat zustimmen. Denn sie werden darin aufgefordert, die stationäre Versorgung von Kindern und Jugendlichen am Standort Gardelegen zu erhalten und das zukunftsorientierte Mutter-Kind-Zentrum aufzubauen, auch wenn ökonomische Belange dagegen sprechen. Der Zuspruch des Sozialausschusses zur Resolution war am Dienstagabend einstimmig.

Die Arbeiten am Mutter-Kind-Zentrum gehen weiter, erklärte Franka Petzke, Pressesprecherin der Salus Altmark Holding gGmbH, auf Nachfrage, auch wenn es gewisse zeitliche Verzögerungen angesichts der Baukonjunktur gebe. Inwiefern eine modifizierte Nutzung, so zum Beispiel im Rahmen ambulanter Versorgungsstrukturen, ins Auge zu fassen sei und mit dem Fördermittelgeber abzustimmen wäre, stehe unter dem Vorbehalt der endgültigen Entscheidung über die stationäre Kinder- und Jugendmedizin, die noch nicht getroffen wurde, betonte Petzke.