Gardelegen l Vor knapp 480 Jahren hatte er dieselbe Reise persönlich gemacht. Da war Bartholomaeus Rieseberg schließlich auch schon einmal aus Magdeburg nach Gardelegen zurückgekommen – damals, weil die Magdeburger ihn nicht predigen lassen konnten.

Am 12. Februar dieses Jahres kam er nun ein zweites Mal – und diesmal sehr erfrischt – zurück nach Hause. Riesebergs Konterfei war nämlich vom 1. September 2017 bis zum 28. Januar 2018 Teil der offiziellen Lutherausstellung in der Landeshauptstadt. Zuvor war die Leihgabe der evangelischen Kirchengemeinde Gardelegen im Kulturhistorischen Museum Magdeburg aufwändig restauriert worden.

Plötzlich wieder Details zu erkennen

„Und das hat ihm richtig gut getan“ freut sich Küster Hans-Otto-Bohlecke. Denn nun sind im Bild Details zu erkennen, die vorher fast verschwunden waren: „Die Kappe in der Hand, oder der Leuchter rechts oben waren vorher kaum noch zu sehen“, erzählt Bohlecke. Die aufwändige Reinigung der Bildoberfläche brachte sie nun wieder zum Vorschein. Mit Dr. Tobias von Elsner brachte übrigens sogar der stellvertretende Museumschef und Projektleiter der Ausstellung das gute Stück persönlich zurück.

Doch wie kam es überhaupt, dazu, dass Rieseberg noch einmal auf Reisen ging? Das, so erläutert Bohlecke, lag zum einen an der Einzigartigkeit des Bildes: „Von den lokalen Reformatoren um Luther ist unser Rieseberg nämlich offenbar der einzige, von dem überhaupt ein Bild existiert“, so Bohlecke. Der Künstler ist zwar unbekannt. Das Entstehungsjahr allerdings lässt sich auf dem Bild finden: Gemalt wurde es 1695. Da war Rieseberg zwar schon über 100 Jahre tot. Vom Reformator der Altmark gab es aber offenbar ein Bild, das der Künstler zur Vorlage nahm.

Riesebergs Grab in Marienkirche

Ein zweiter Grund, warum das Gemälde zu den Ausstellungsstücken gehörte, war die Verbindung Luthers zu Magdeburg. Denn 1522 ging der gebürtige Miester eben dort hin, um „Luthers Gnadenlehre zu verkünden“, wie es im Ausstellungsführer heißt. Weil dem glühenden Verfechter von Luthers Worten aber selbst im damals fortschrittlichen Magdeburg kein Schutz garantiert werden konnte, kehrte er nach Gardelegen zurück – wo er in der Marienkirche im November 1539 seine Antrittspredigt gehalten hatte.

Die Marienkirche wurde schließlich auch zu Riesebergs Grabstätte. Wo genau, darüber streiten sich aber offenbar die Experten: Die einen vermuten ihn unter der Kanzel, andere unter seiner bescheidenen Grabplatte im Altarraum. Nur ein kurzer Text erinnert dort an den heute so berühmten Lutherschüler – der bei einem Pestausbruch starb. Um so größer ist nun die Freunde in der evangelischen Kirchengemeinde über den „neuen“ Rieseberg. Denn das Bild, so betont Bohlecke, wurde kostenlos restauriert, quasi als Dankeschön für die Leihgabe.