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U21 Bürgerpreis für die AG Stolpersteine

Die AG Stolpersteine aus Gardelegen erhielt den Bürgerpreis des Altmarkkreises, der Volksstimme und der Sparkasse in der Kategorie U21.

Von Petra Hartmann 23.06.2018, 03:00

Gardelegen/Diesdorf l Stolpern – das will doch niemand. Wie leicht könnte man sich dabei verletzen. Und doch: Unsere Preisträger wollen uns stolpern lassen. Nicht mit dem Körper, nur im Kopf, mit dem Herzen, wie es ein Schüler einmal formulierte.

41 Stolpersteine hat die Stolperstein AG des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Zusammenarbeit mit dem Künstler Gunter Demnig in Gardelegen verlegt. Gerade erst, vor zwei Wochen, kamen acht neue hinzu.

Die kleinen Bronzetafeln im Pflaster von Gehwegen sind Teile des größten dezentralen Mahnmals der Welt. Sie erinnern an diejenigen, die von den Nationalsozialisten deportiert und ermordet, in den Selbstmord getrieben oder aus dem Land vertrieben wurden. Weltweit an über 69 000 Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle, politisch Verfolgte. 41 davon tragen die Namen von jüdischen Gardelegern.

Die Arbeitsgemeinschaft wurde im Jahr 2013 gegründet. Sieben Neuntklässler und die Geschichtslehrerin Andrea Müller begannen damit, die Geschichte der ermordeten jüdischen Gardeleger zu erforschen, sie erarbeiteten Dokumentationen und erstellten Biographien. Im Oktober 2014 wurden die ersten acht Stolpersteine verlegt.

Inzwischen haben die Gründer längst ihr Abitur in der Tasche und haben die Schule verlassen. Aber die Arbeitsgemeinschaft existiert noch immer und setzt ihre Tätigkeit fort.

Seit kurzem hat die Gruppe, zu der derzeit 20 Mitglieder gehören, sogar einen eigenen Raum in ihrer Schule, in der sie auf Schautafeln die Schicksale der jüdischen Familien dokumentiert und die Ergebnisse ihrer Arbeit zeigt.

Und diese Arbeit hat Wirkung und wird weit über Gardelegen hinaus wahrgenommen. Zur Verlegung der neuen Stolpersteine kamen zahlreiche Verwandte und Nachkommen der Getöteten und Vertriebenen aus England und den USA nach Gardelegen. Im Laufe der Jahre gab es viele Begegnungen und Gespräche, es wuchsen neue Freundschaften.

„Ich bin sehr beeindruckt, dass es nicht die Kirche oder die Verwaltung ist, die dies alles tut, sondern Schüler“, sagte eine Angehörige über die Arbeit der Gymnasiasten. Eine Arbeit, die ein Aushängeschild der Stadt wurde und ein neues Bild von Gardelegen mit begründete.

Das Bild der Altstadt haben die Mitglieder der Stolperstein Arbeitsgemeinschaft auf jeden Fall geprägt. Wer mit offenen Augen durch Gardelegen wandert, kann auf dem Boden die Namen auf den kleinen Bronzeplatten lesen. Namen, über die man gar nicht oft genug „stolpern“ kann.