Genthin l Der ehemalige Schulgarten an der Geschwister-Scholl-Straße liegt brach. Das Unkraut ist hochgeschossen, auf den ersten Blick ist von Bewirtschaftung keine Spur. Eine Gruppe junger Männer, die hier durchs Gelände stapft, erweckt – oberflächlich betrachtet – einen etwas verlorenen Eindruck.

Mitnichten. Der auffallende Wildwuchs auf der 1400 Quadratmeter großen Fläche ist ausdrücklich erwünscht. Hier grünt und blüht eine Bienenweide, die Mitglieder eines Magdeburger Vereins im alten Schulgarten mit einer Samenmischung aus 50 mehrjährigen Wild- und Kulturarten angelegt haben. Jetzt muss kontrolliert werden, ob die Saat optimal aufgegangen ist.

Wichtige Nahrung

Was hier scheinbar so ungepflegt wächst, bietet die Nahrung für Honig- und Wildbienen, Hummeln und Schmetterlinge. Für den Verein „Bienenweide“, der vor drei Jahren gegründet wurde, ist das zugleich Programm. Er engagiert sich für den Wildbienen-Schutz, von denen etwa die Hälfte der 500 in Deutschland lebenden Arten bedroht sind.

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Mit den Flächen in Genthin betreut der Magdeburger Verein so etwas wie eine „Bienentafel“ auf einer Gesamtfläche von 9000 Quadratmetern, darunter in Niederstetten (Baden Württemberg), Magdeburg und Cobbel (Landkreis Stendal).

Mit einer weiteren Fläche an der Reuter-Straße stellt die Stadt Genthin dem Verein davon allein 3000 Quadratmeter zur „bienenfreundlichen Bewirtschaftung“ zur Verfügung. Um die Kosten, etwa für die Pacht, für die Pflege der Flächen oder für den Erwerb von Saatgut decken zu können, vergibt der Magdeburger Verein Patenschaften. Ein Euro pro Jahr wird dabei für einen Quadratmeter entrichtet.

Die Vergabe von Patenschaften ist zwar gängige Vereins-praxis, aber für die Genthiner Flächen immer noch etwas Besonders.

Patenschaft vergeben

Die Übernahme einer „Großpatenschaft“ über 500 Quadratmeter durch die Burger Stadtwerke im Bereich der Scholl-Straße sorgte am Freitagnachmittag deshalb für einen kleinen Auflauf. „Wir sind gern bereit, das ehrenamtliche Engagement zu unterstützen, das der Natur zugute kommt und damit das Jerichower Land lebenswerter macht“, sagte Geschäftsführer Dr. Alfred Kruse, als er die Urkunde über die Patenschaft aus den Händen von Nils Lichtenberg in Empfang nahm.

Solche Patenschaften, berichtet der Vereinsvorsitzende, erfreuten sich wachsender Beliebtheit. Mit der weiteren Patenschaft, die die Burger Stadtwerke übernommen hat, kann die Pflege von insgesamt 87 Prozent der Genthiner Bienenweiden-Flächen finanziell unterstützt werden.

Demnächst wird an der Geschwister Scholl-Straße eine Tafel aufgestellt, die die Fläche als Bienenweide auszeichnet. „Wir haben am Freitag noch einen kleinen Arbeitseinsatz gestartet, so dass die Bienenweide jetzt gut einsehbar ist“, sagt Nils Lichtenberg.