Genthin l Sommer, Hitze, und lang anhaltende Trockenheit beschwören eine hohe Waldbrandgefahr herauf. Das sollte sich am Donnerstagabend und den folgenden Nachtstunden leider wieder einmal in der Genthiner Gottesstiege/Höhe Kieswerk bestätigen.

Kiefern- und Mischwald in Flammen

Ein Waldbrand im Bereich Kieswerk/Gottesstiege sorgte am Donnerstagabend (8. August) gegen 20 Uhr  für einen Großeinsatz von Feuerwehr und Polizei. In Flammen standen ein halber Hektar Kiefern- und Mischwald, darunter etwa 0,3 Hektar Landeswald und eine Fläche eines privaten Waldeigentümers, die vom Betreuungsforstamt Elb-Havel-Winkel betreut wird. Das Feuer war kurz nach 20 Uhr ausgebrochen. Nur kurze Zeit später machte sich in unmittelbarer Nähe des Brandes entlang der B 1 zwischen Genthin und Parchen dicker Qualm breit. Im Laufe der Nacht erfüllte dann ein brenzliger Brandgeruch das gesamte Stadtgebiet.

Ausgebrochen war das Feuer an zwei Stellen, nur wenige Hundert Meter voneinander entfernt. An genau jenen Stellen im Wald, die am 5. Oktober vergangenen Jahres bereits in Flammen standen. Schon vor Ort, während des Einsatzes, war deshalb bereits von Brandstiftung die Rede.  Die Polizei bestätigte diese Vermutung allerdings nicht. Die Brandursache sei derzeit noch ungeklärt, hieß es aus den Burger Polzeirevier. Die Kriminalpolizei würde zur Brandursache ermitteln.

Knapp sechs Stunden im Einsatz

Genthins Feuerwehr-Pressesprecher Michael Voth sprach von einem „zeit- und materialaufwendigen Großeinsatz". Knapp sechs Stunden, bis 1.30 Uhr, brauchten die Ortsfeuerwehren aus Genthin, Altenplathow, Parchen und Mützel, um das Feuer zu löschen. Die Löschwasserversorgung sei durch Pendelverkehr und den Aufbau einer knapp 500 Meter langen Schlauchleitung aus dem nahegelegenen Kiessee sichergestellt worden, gab Pressesprecher Michael Voth zur Auskunft.

Etwa 100.000 Liter Wasser waren notwendig, um die beiden Brände zu löschen. Einsatzleiter Christian Giese räumte am Tag nach dem Einsatz ein, dass sich das Löschen der Brände schwieriger gestaltet habe, als unmittelbar bei Eintreffen der Feuerwehr angenommen worden war. „Das Feuer hatte sich tief in den Waldboden eingefressen", sagte er. Deshalb sei auch sogenanntes Netzwasser, eine Kombination aus Wasser und Schaummittel, zum Ablöschen eingesetzt worden.

Zum Glück kein Wind

Das hätte den Vorteil gehabt, erklärte der Einsatzleiter, dass es leichter in den Boden eindringen könne als herkömmliches Wasser. Der Einsatz sei zusätzlich durch die einsetzende Dunkelheit und durch unwegsames Gelände erschwert gewesen. Ein großes Lob an die Feuerwehren richtete am Freitag Peter Sültmann, Forstamtsleiter des Betreuungsforstamtes Elb-Havel-Winkel. Es sei ein großes Glück gewesen, dass kein Wind herrschte, ansonsten hätte der Brand durchaus zu einer Katastrophe führen können, fügte Peter Sültmann hinzu. 

Pressesprecher Michael Voth beklagte, dass sich etliche Schaulustige direkt den Brandstellen näherten, um Bilder vom Brandgeschehen zu machen. Dadurch sei die Arbeit der Feuerwehr behindert worden, heißt es in der Pressemitteilung der Genthiner Feuerwehr. In den sozialen Medien wurde der Waldbrand  an der B 1 während des gesamten Einsatzes diskutiert, so dass sich vornehmlich einige junge Leute mit Pkw in Richtung Wald aufmachten.   

Nur kurze Pause für Parchener

Offizielles Einsatzende für die insgesamt 37 Feuerwehrleute gab Einsatzleiter Christian  Giese gegen 2.30 Uhr. Um ihren wohlverdienten Schlaf wurden allerdings die Parchener Feuerwehrleute gebracht. Sie wurden nur kurze Zeit später, um 5.45 Uhr zu einem Verkehrsunfall auf der B 1 zwischen Parchen und Hohenseeden gerufen.

Harte Stunden kamen damit auch auf Elko Bernau zu. An eine vergleichbare Einsatzserie könne er sich nicht erinnern, sagte der Parchener Feuerwehrmann am Freitag im Gespräch mit der Volksstimme. Ungeachtet seines Schlafdefizites trat er am Freitagmorgen seinen Dienst als Rettungsschwimmer am Zabakucker Kiessee an und fuhr in den späten Nachmittagstunden nach Parey, um dort bei den Vorbereitung des Elbauen-Festes mitzuwirken. 

Waldbrandwarnstufe 4

Derzeit gilt für den Landkreis Jerichower Land die Waldbrandwarnstufe 4, langanhaltender Regen, der die Situation entschärfen könnte, ist nicht in Sicht.