Genthin l Nicht vor Ende September wird klar sein, ob das Gymnasium Genthin einen Ersatzneubau bekommt oder Haus 2 saniert wird. Bauvorstand Bernd Girke räumte am Montagabend im Bauausschuss des Kreistages ein, dass eine im Juli 2018 vorgelegte Wirtschaftlichkeitsuntersuchung noch keine ausreichende Grundlage für eine Entscheidung gewesen sei.

Noch keine endgültige Bewertung

„Was bisher vorgelegt wurde, hat uns nicht für eine fundierte Bewertung ausgereicht“, erläuterte Girke. Das beauftragte Planungsbüro solle bis Ende September nacharbeiten und bisher unberücksichtigte Aspekte untersuchen. Details nannte Girke nicht, wurden im Ausschuss aber auch nicht nachgefragt. Die Kreisverwaltung plädiert nach Girkes Angaben weiter für einen Ersatzneubau statt einer Sanierung von Haus 2. Der Kreistag bleibt an der Entscheidung beteiligt. Mitte Oktober kommt der Bauausschuss wieder zusammen.

Insgesamt soll das Bismarck-Gymnasium in den nächsten Jahren für sechs Millionen Euro modernisiert werden. Der Landkreis will sich um eine millionenschweres Förderung bewerben: 2,8 Millionen Euro könnten dem maroden Schulgebäude zugutekommen. Gefördert werden die Sanierung, der Umbau, die Erweiterung und ausnahmsweise der Ersatzneubau des Schulgebäudes. In beiden Varianten ist eine Mensa als Speisesaal für das Gymnasium geplant. Die Schulhofgestaltung steht ebenfalls auf dem Plan.

Bilder

Untersuchung gefordert

Das Vorhaben zieht sich, weil der Fördermittelgeber für den Antrag eine Untersuchung forderte, ob Neubau oder Sanierung jeweils einschließlich Mensa wirtschaftlicher sei. Der Kreistag hatte einen entsprechenden Beschluss gefasst.

Um Preissteigerungen wegen des erhitzten Baumarktes zu kompensieren, hatte der Kreis Mittel aus dem Genthiner Projekt noch für dieses Jahr zur laufenden Großinvestition am Gymnasium Gommern umgeschichtet. Das hatte unter Genthiner Kreistagsabgeordneten für Unmut gesorgt. Das Bauvorhaben soll jedoch planmäßig erst 2019 beginnen.

Horst Leiste (SPD) bohrte wegen der ursprünglich in einem neuen Stadtkulturhaus geplanten gemeinsamen Essenversorgung von Gymnasium und Uhland-Grundschule nach. Die ist aus Sicht des Kreises vom Tisch, weil es einen an der Jahnstraße gedachten Stadtkulturhaus-Neubau nicht geben wird, zunächst jedenfalls. Girke erklärte, dass der Kreis in der Pflicht steht, eine Essensversorgung im Gymnasium zu gewährleisten. Die Kommune sei ihrerseits für die Grundschule zuständig.

Mensa wird angemessen groß

„Eine Räumlichkeit, eine Art Cafeteria, hat es für das Gymnasium immer im Plan gegeben“, erklärte Girke. Nach dem Aus für den Stadtkulturhaus-Plan werde die Mensa fürs Gymnasium angemessen groß werden.

Genthins Bürgermeister Matthias Günther (parteilos) meint, dass Grundschüler und Gymnasisten einen Essensraum im Haus 2 zeitlich versetzt nutzen können. „Wir haben mit den Schulleitern Ingo Doßmann und Volker Schütte gesprochen und wissen, dass diese eine gemeinsame Nutzung ebenfalls für machbar erachten.“

Teure Altlasten

Der Kreis sieht das anders: „Wir bauen einen Speisesaal nur fürs Gymnasium“, erklärte Girke am Dienstag auf Nachfrage. „Etwas anderes schließen wir im Moment aus.“

Horst Leiste hatte mit der gemeinsamen Schulspeisungsidee immer wieder den Kreis für das neue Stadtkulturhaus ins Spiel gebracht. Seine Sorge dabei: „Wir Älteren wissen es, es gibt dort Altlasten, die die alles teurer machen würden.“

Angestiegene Schadwerte

Leiste bezog sich auf eine chemische Reinigung aus DDR-Zeiten und ihre Verunreinigungen sowie andere industrielle Hinterlassenschaften. Das bestätigte auch Ausschussvorsitzender Egon Buchmann. Er sprach von Belastungen mit Klärschlamm.

„Das sind alles Vermutungen, es gibt noch keine Bodenproben oder Untersuchungen“, sagte Girke. Er informierte, dass Schadwerte im Grundwasser im Gebiet Jahnstraße angestiegen seien. Mit der einstigen chemischen Reinigung habe dies jedoch nichts zu tun. Deren Altlasten im Grundwasser seien nach der Wende aufwendig beseitigt worden. Sollte die Stadt ihre Kulturhauspläne am Standort Jahnstraße noch verwirklichen wollen, müssten wegen möglicher Bodenbelastungen wohl aufwendige Voruntersuchungen und höhere Kosten eingeplant werden.

Die Idee einer gemeinsamen Schulspeisung sei die einzige Verbindung des Kreises zu den Stadtkulturhausplänen, betonte Girke. „Ein Neubau ist ein Stadtvorhaben, damit hat der Kreis nichts zu tun.“