Neue Sammlung

Im Kreismuseum Jerichower Land werden Corona-Erinnerungsstücke erfasst

Wie hat Corona das Alltagsleben im Jerichower Land verändert? Im Kreismuseum wird daran gearbeitet, zu diesem Thema einen Sammlungsbestand zusammenzutragen. Es leistet damit einen Beitrag zur Erinnerungskultur.

Von Von Simone Pötschke
Museumsarbeit unter Corona -Auflagen: Antonia Beran  stellte  das Mobile Museum vor.
Museumsarbeit unter Corona -Auflagen: Antonia Beran stellte das Mobile Museum vor. Archivfoto: Nicole Grandt

Genthin - Dass ganz besonderen, prägenden Ereignissen einen Platz eingeräumt wird, gehört zum Tagesgeschäft in Museen. Da hat das Kreismuseum mit der Aufarbeitung des Eisenbahnunglücks im Dezember 1939 in Genthin oder der Ansiedlung Henkels vor 100 Jahren schon etwas zu bieten. Was aber, wenn nicht allein Daten, sondern auch der komplette Alltag wie der in den zurückliegenden Corona-Monaten historisch wird? Museumsleiterin Antonia hat für das traditionsreiche Haus in Genthin auf diese Frage eine Antwort gefunden. Corona habe den Alltag in der gesamten Gesellschaft verändert, das sei ohne Frage ein zeitgeschichtliches Ereignis, das sich in der musealen Arbeit unbedingt widerspiegeln müsse, sagt sie kompromisslos.

Bereits eine Vielzahl von Masken vorhanden

Auch für ein relativ kleines Museum wie das Kreismuseum sei es deshalb wichtig, jetzt Erinnerungsstücke zusammenzutragen und in die Sammlungsbestände aufzunehmen. Große Museen wie etwa das Museum für Bayrische Geschichte in Regensburg, das Stadtmuseum in Bonn oder das Museum für Hamburgische Geschichte arbeiten bereits sehr konkret an Corona- Projekten, die in Ausstellungen münden. Daran kann sich das Kreismuseum nicht messen lassen. Dies kann es aufgrund seiner materiellen und personellen Kapazitäten nicht leisten. „Mein Sammlungskarton ist noch klein, aber füllt sich stetig“, versucht die Museumsleiterin dennoch, der musealen Corona-Herausforderung gerecht zu werden. Eine Ausstellung darüber, wie Corona das Leben im Jerichower Land verändert habe, sei auch vorerst nicht geplant, erteilt sie großen Erwartungen eine Absage. Dennoch bliebe die Sicherung und Sammlung von Coronastücken eine wichtige Aufgabe für sie und ihr kleines Team, so dass die Pandemie in der Erinnerungskultur der heutigen und der nächsten Generationen verankert werden kann. Das, was gesammelt und dokumentiert wird, mag aus heutiger Sicht vielleicht banal erscheinen, sagt Beran. Sie erinnert dabei an die Vielzahl von Masken, zum Teil auch sehr originelle, die in den vergangenen Monaten getragen werden mussten. Oder auch an die pandemiegerechten Formen der Begrüßung, die sich herausgebildet haben. Nachfolgende Generationen sollten erfahren, dass der übliche Händedruck zum Schutz vor Ansteckungen Berührungen mit dem Ellbogen oder Füßen weichen musste.

Belege und Fotos vom Impfzentrum

Beständig hat die Museumsleiterin in den vergangenen Monaten alle Corona-Eindämmungsverordnungen und Zahlen über das Infektionsgeschehen im Jerichower Land in ihren Sammlungskarton aufgenommen. Beran war auch im Burger Impfzentrum vor Ort, um das Geschehen für die Nachwelt fotografisch festzuhalten. Vom Impfzentrum wurden dem Museum kleine, freilich geleerte Impfdosen überlassen. Es gäbe aus der Sicht von Antonia Beran für die Zukunft noch eine Menge zum Thema Corona-Alltagskultur aufzuarbeiten. Für die Museumsleiterin verdient der Aspekt, wie Corona die digitale Kommunikation befördert hat, unbedingt Beachtung. Vielleicht, hofft sie, wird uns auch die Öffentlichkeit unterstützen, um eine möglichst umfangreiche Sammlung zu Corona im Jerichower Land zusammentragen zu können.