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Stadt Jerichower Ortschronist nimmt Abschied - Das bleibt

Diese Abhandlungen und Darlegeungen hat Kunsthistoriker Rolf Naumann für die Stadt zusammengestellt.

Von Simone Pötschke 18.04.2024, 10:00
Rolf Naumann (2.v.r.)  bei der Verabschiedung  aus seinem Ehrenamt durch Bürgermeisterin Cathleen Lüdicke (l.) und dem Stadtratsvorsitzenden Andreas Dertz.  Rechts im Bild seine Nachfolgerin Theresia Gebauer.
Rolf Naumann (2.v.r.) bei der Verabschiedung aus seinem Ehrenamt durch Bürgermeisterin Cathleen Lüdicke (l.) und dem Stadtratsvorsitzenden Andreas Dertz. Rechts im Bild seine Nachfolgerin Theresia Gebauer. Foto: Simone Pötschke

Jerichow - Der Jerichower Ortschronist Rolf Naumann hat seinen Abschied genommen. Doch die Arbeit, die er geleistet hat, wird künftigen Generationen in der Geschichtsforschung in Stadt und Region zugute kommen.

Blumen, ein kleines Präsent, Stadtratsvorsitzender Andreas Dertz findet vor dem Stadtrat anerkennende und sehr persönliche Worte: Die Verabschiedung von Rolf Naumann aus seinem Ehrenamt als Jerichower Ortschronist nimmt nur wenige, aber sehr bewegende Minuten in Anspruch. Große Worte wie Engagement und Kompetenz fallen. Zurecht. Die Stadträte zollen der Leistung Naumanns Applaus.

Rolf Naumann hat aus freien Stücken seinen Hut genommen. Es habe dafür keinen besonderen Anlass oder Vorfall gegeben, sagt er nach der Stadtratssitzung. Altersbedingt und aus gesundheitlichen Gründen sei die Zeit für ihn reif gewesen, das Amt niederzulegen.

Aufgabe gern erfüllt

Der 75-Jährige ist mit sich und seiner Entscheidung im Reinen. „Ich habe die Arbeit als Ortschronist wirklich gern gemacht“, gesteht der gebürtige Sachse, der seit den 1970er Jahren in Jerichow zuhause ist.

Lange muss der Museologe, Kunsthistoriker und langjährige Leiter des Klostermuseums Jerichow nicht erklären, wie er gerade zu diesem Ehrenamt gekommen ist. „Man muss einfach Interesse an der ganzen Sache haben“, erklärt er in schlichten Worten so manch große Herausforderung, vor die ihn die Jerichower Geschichte gestellt hat.

Davon gab es für Rolf Naumann viele. Eine Aufzählung bliebe auf jeden Fall unvollständig. Naumann hat es wie kein anderer geschafft, die Heimatgeschichte wieder in die Lebenswelt der Jerichower zu tragen.

Unterhaltend bei vielen öffentlichen Veranstaltungen beispielsweise beim Pfingstbieranstich im Kloster oder bei Events auf dem Topfmarkt. Regelmäßig mit Vorträgen zu ausgewählten, immer neuen Themen, die er mit Fleiß und Leidenschaft erschlossen hat.

Beständig auch mit vielen Zeitungsbeiträgen unter anderem auch in der Volksstimme. Exklusiv mit der Ortschronik „Klosterstadt Jerichow, Natur, Geschichte, Kultur“, die 2018 erschien.

Lücken in der Heimatgeschichtsforschung

Rolf Naumann schloss damit in aufwendiger, monatelanger Recherche und mühevoller Kleinarbeit eine Lücke in der Jerichower Heimatgeschichtsschreibung, nachdem 1925 der Lehrer Albert Eiteljörge (1860 bis 1941) mit dem Buch „Jerichow die alte Klosterstadt“ zur Stadtgeschichte letztmalig publiziert hatte.

„Wenn ich was mache, mache ich es möglichst gründlich“, formuliert Naumann dabei den Anspruch an sich selbst. Etwas leiser setzt er hinzu: Mit der Zeit wird vielleicht auch eine Neubearbeitung der Chronik notwendig. Die Zahl der noch vorhandenen Kaufexemplare hat inzwischen beständig abgenommen.

Rolf Naumann schwärmt davon, dass der Stadt Jerichow mit dem ungefähr zehn laufenden Meter umfassenden historischen Ratsarchiv ein „toller Fundus“ zur Verfügung stünde, den das Stadt- und Kreisarchiv Burg der Elbestadt überlassen hat. Mit diesem Material könne man Forschungsarbeit betreiben.

Chronist bleibt gefragt

Das Interesse an Heimatgeschichte sei in der Bevölkerung gestiegen, kann Naumann seine Zeit als Ortschronist resümieren. Ein Beleg dafür sind die vielen Anfragen aus ganz Deutschland im Zuge von Familienforschungen.

Ein größeres Interesse resultiere aus der Sicht Naumanns auch aus einer sehr gute Zusammenarbeit mit dem Förder- und Heimatverein Stadt und Kloster Jerichow, die über Jahre gewachsen ist.

Naumann zählte 1990, als der Heimatverein als erster Verein in Jerichow nach der Wende gegründet wurde, als Leiter des Klostermuseums zu seinen Gründungsmitgliedern und ließ sich als Beiratsvorsitzender in die Pflicht nehmen.

Nachkriegszeit in Jerichow könnte Forschungsgegenstand sein

Das Klostermuseum hätte 1990 jede Hilfe gebraucht und habe sich sehr bemüht, aus den Reihen des Heimatvereins ehrenamtliche Helfer zu gewinnen. Heute, mehr als 30 Jahre später, steht Naumann, nachdem er in den Ruhestand wechselte, mit seiner Expertise auf der Seite der Ehrenamtler.

Bestimmte Bereiche der Stadtgeschichte wie zum Beispiel die Geschichte des Handwerks und Gaststättengewerbes, seien bisher grundlegend aufgearbeitet, meint der Ortschronist. Einige interessante Kapitel gebe es aus seiner Sicht dennoch, etwa die Nachkriegszeit in Jerichow.

Einiges habe die Forschung noch in der Heimatgeschichte zu leisten. „So ganz werde ich wohl doch noch nicht davon loskommen“, lächelt Naumann. Auf ihn folgt im Ehrenamt des Ortschronisten Theresia Gebauer.