Albrecht Franke stellt sein Buchprojekt über Edlef Köppen im Literaturhaus Magdeburg vor

Onkel Edlef ist vom Krach der Kinder genervt, weil er schreiben will

Von Manuela Langner

Der Stendaler Gymnasiallehrer Albrecht Franke stellte im Magdeburger Literaturhaus sein Buchprojekt "Der Krieg brach wirklich aus. Gespräch mit und über Edlef Köppen" vor. Zu den aufmerksamen Zuhörern gehörte der Genthiner Edlef-Köppen-Freundeskreis.

Magdeburg l Albrecht Franke hat eine komplizierte Beziehung zu Edlef Köppen. Eigentlich lernt er den gebürtigen Genthiner als Lyriker kennen und schätzen. 1984 kauft er in der Magdeburger Erich-Weinert-Buchhandlung den "Heeresbericht", Köppens Hauptwerk. "Und erst beim Lesen ist mir klar geworden, dass das der Lyriker ist", erinnert sich der Stendaler Gymnasiallehrer bei seiner Veranstaltung im Magdeburger Literaturhaus.

Edlef Köppen lässt ihn nicht mehr los. Er will über den Schriftsteller und Rundfunkpionier schreiben und fährt 1989 nach Genthin. Im Standesamt erhält er keinen Hinweis, wo Köppens Geburtshaus steht. "Nicht zuständig", lautete die Auskunft. Beim Rat des Kreises wecken seine Nachfragen Misstrauen und sind Grund für "Telefonate in Flüsterstimmen", erinnert sich Albrecht Franke im Veranstaltungsraum des Literaturhauses. Weil er unter Köppen-Experten sitze, verzichtet er zu Lesungsbeginn darauf, Edlef Köppen ausführlich vorzustellen.

Im Genthiner Pfarrhaus erhält Albrecht Franke endlich Unterstützung. Er erfährt von Verwandten Köppens, die noch in Genthin wohnen, und knüpft Kontakt zu Pfarrer Klaus Köppen, den ältesten von vier Neffen des Schriftstellers.

Nach Genthin geht Albrecht Franke auch in Wilhelmshorst auf Spurensuche. Es gelingt ihm nicht, Edlef Köppens Grab ausfindig zu machen. Dafür wird er nahe Köppens Haus für einen Spekulanten gehalten, die der Ort so kurz nach der Maueröffnung schon genug gesehen hat. Franke kann der Ironie durchaus etwas abgewinnen. Ein Schild mit dem Hinweis, dass unangemeldete Besuche am Wochenende keine gute Idee seien, soll Edlef Köppen an seinen Gartenzaun genagelt haben.

Genthiner Standesamt erklärt sich 1989 nicht zuständig

Er hat einen schweren Stand: Er ist der einzige Künstler in der Familie und auf ihn lastet der "Verdacht der Bedeutungslosigkeit".

Es braucht weitere 20 Jahre und ein zufälliges Wiedersehen mit Pfarrer Klaus Köppen, damit Albrecht Franke seine Idee für ein Köppen-Buch wieder aufgreift. "Es ist allerhöchste Eisenbahn, dass etwas über Edlef Köppen gemacht wird", mahnt der Neffe, als man an einem gewittrigen Sommerabend zusammensitzt. Gesagt, getan. Albrecht Franke beschließt, Gegenwartsschriftsteller einzuladen, sich mit Edlef Köppen auseinanderzusetzen. Er trägt seine Idee im Literaturhaus Magdeburg vor und erhält Unterstützung. Diese bekommt er auch von der Genthiner Stadt- und Kreisbibliothek Edlef Köppen mit ihrem Freundeskreis.

Seine Vielseitigkeit findet heute noch Bewunderung

Bestandteil des Buches ist ein Protokoll zu einem Gespräch mit Klaus Köppen über seinen Onkel. "Ich hätte gar nicht gedacht, dass mir noch so viel über Onkel Edlef einfällt", stellt Klaus Köppen, der den Schriftsteller als Kind in Wilhemshorst besuchte, froh fest. Er erinnert sich an gemeinsames Speerwerfen und dass Onkel Edlef durchaus genervt sein konnte, wenn die Kinder Krach machten, während er schreiben wollte. "Man staunt immer wieder über seine Vielseitigkeit", setzt Klaus Köppen hinzu und macht deutlich, dass die Familie den "Verdacht der Bedeutungslosigkeit" gegenüber Onkel Edlef schon lange abgelegt hat. Aber damals war Erich Maria Remarques "Im Westen nichts Neues" viel präsenter als der "Heeresbericht".

Weil "über Krieg immer nur Männer reden", ist es Albrecht Franke wichtig, dass in seinem Buch auch Frauen zu Worte kommen. Unter anderem Monika und Manfred Helmecke, Peter Sodann, Ludwig Schumann und Wilhelm Ziehr konnte er gewinnen.

Dem im Februar verstorbenen Gerd Eckhard Schuster ist es ganz wichtig gewesen, dass er seinen Text "Vater, Mutter und zwei Weltkriege" für das Köppen-Buch noch beenden konnte.

"Köppen. Eine Suche" hatte Albrecht Franke seine Veranstaltung, mit der er die Werbetrommel für sein Buch rühren wollte, überschrieben. "Gefunden habe ich ihn nicht, aber vielleicht bin ich ihm nähergekommen."