Was lange währt...

Parchener richten Begrüßungsfest für den neu gebauten Radweg zwischen Parchen und Genthin aus

Jahrzehnte war der Bau eines Radweges zwischen Genthin und Parchen Stoff einer schier unendlichen Geschichte. Immer wieder tauchten neue Hindernisse auf, ein Politiker-Versprechen löste das andere ab. Jetzt ist die Fertigstellung in Sicht. Die soll mit einem Fest gefeiert werden.

Von Susanne Christmann
Nach langen Jahren nimmt der so dringend benötigte Radweg zwischen Genthin  und Parchen endlich Gestalt an. Dessen Fertigstellung wollen Ortsbürgermeister Hubert Schwandt und Heimatvereinsvorsitzender Michael Karbe mit einem Begrüßungsfest feiern.
Nach langen Jahren nimmt der so dringend benötigte Radweg zwischen Genthin und Parchen endlich Gestalt an. Dessen Fertigstellung wollen Ortsbürgermeister Hubert Schwandt und Heimatvereinsvorsitzender Michael Karbe mit einem Begrüßungsfest feiern. Foto: Susanne Christmann

Genthin - Diesen Zeitungsbeitrag vom 11. Januar 1995 haben sich die Parchener ausgeschnitten, gerahmt und an die Wand in der Klapperhalle, dem Veranstaltungsort in Parchen, gehängt. Damit es auch jeder mit eigenen Augen sehen kann. Unter der Überschrift „Sicherheit an der B 1 durch neue Rad- und Fußwege“ wird in Parchen das erste Mal - öffentlich festgehalten - über einen neuen Radweg zwischen Parchen und Genthin debattiert. Dass sich dieses eigentlich ja nicht so übermäßig umfangreiche Bauvorhaben - ein knapp fünf Kilometer langer Streifen direkt neben der Bundesstraße 1 - einmal zu einer schier endlos erscheinenden Geschichte ausweiten würde, konnte damals niemand ahnen.

Trmin: 28. August, 14 Uhr

Jetzt, angesichts der, zwischenzeitlich von so manchem schon nicht mehr geglaubten, nahen Fertigstellung, wollen die Parchener diesen so dringend gewünschten und benötigten Radweg mit einem Sommerfest begrüßen. Alle, die die ganzen Jahre über dafür mitgekämpft haben, seien, so Ortsbürgermeister Hubert Schwandt, am 28. August dazu herzlich eingeladen. Auch die, die nicht aus Parchen selbst stammen. Treffpunkt ist an diesem Tag um 14 Uhr am Ortsausgang Richtung Genthin am Beginn der neuen Radstrecke. Dann geht es in Richtung Bockwindmühle, wo das Fest mit Kaffee und Kuchen, Eiswagen, Hüpfburg und Kremserfahrten gefeiert werden soll. Die Wegstrecke dorthin sollen Parchener, die an der Hauptstraße wohnen, mit herausgestellten Fahrrädern schmücken.

Ganz sicher, so Heimatsvereins-Vorstand Michael Karbe, wird dann in den Gesprächen die Chronologie der Ereignisse noch einmal Thema sein. Wie es 2002 endlich mit den ersten Vorplanungen losgegangen sei. Wie 2004 der Stadtratsbeschluss dazu gefasst wurde. Wie das Land danach den Bedarf anzweifelte. Wie die Stadt diesbezügliche Prüflisten abzuarbeiten hatte. Wie eine Zählung im Jahr 2010 ergab, dass die Verkehrsbelastung mit durchschnittlich 5550 Fahrzeugen innerhalb von 24 Stunden mit elfprozentigem Lkw-Anteil sehr hoch ausfällt. Wie es 2012 einfach nicht gelingen wollte, zwischen der Straßenbaubehörde und einigen Grundstückseigentümern zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen.

Gefährliches Radeln an den Chausseerändern

Wie die Parchener und ihre Unterstützer sechs, sieben Mal mit Polizeieskorte demonstrierend von Parchen nach Genthin radelten. Wie 2016 ein Planfeststellungsverfahren eingeleitet werden musste. Wie bei der dazugehörenden Umweltprüfung Zauneidechsen gesichtet wurden, die 2020 aufwendig umgesiedelt werden mussten. Wie schließlich die Umsiedlung Erfolg zeigte und die Bauarbeiten im April 2021 endlich beginnen konnten.

Alle Radler, die bisher zwischen Genthin und Parchen auf der B 1 an den Straßenrändern gefahren sind, werden aufatmen, wissen Schwandt und Karbe. Denn Platz für Radler ist dort angesichts des hohen Verkehrsaufkommens mit zum Teil vielen Lkw nicht vorhanden. Wer trotzdem dort fährt, setzt sich einer großen Gefahr aus. Die sei, so Karbe und Schwandt, mit dem neuen Radweg nun endlich gebannt. Wichtig auch für viele Schülerinnen und Schüler, die nun ebenfalls diesen gut ausgebauten und sicheren Radweg nutzen können, wenn sie nach Genthin in die Schule und auch zu ihren Vereinsaktivitäten gelangen wollen. „Vor allem durch die Kinder wird sich der Radverkehr zwischen Parchen und Genthin sprunghaft erhöhen“, ist Ortsbürgermeister Hubert Schwandt überzeugt.

Der neue Radweg schließt am Ortsausgang Parchen nahtlos an den Radwegstreifen an, der durch den langgestreckten Ort Parchen führt. So wird es nun möglich sein, durchgängig vom Friedhof Parchen bis nach Genthin und umgekehrt zu radeln.

Die Volksstimme hat bei der Landesstraßenbaubehörde nachgefragt, wann genau der Radweg freigegeben wird. „Der Bauvertrag sieht einen Fertigstellungstermin am 29. Oktober vor“, antwortet Fachbereichsleiter Andreas Böhle.