Genthin l Die Nachricht kam neulich unvermittelt: „Ich werde nicht mit einer Kirmes nach Genthin kommen“, sagte der Potsdamer Schausteller Freddy Schmidt am Volksstimme-Telefon. Als Begründung für seinen Rückzug gab er das Verhalten der Stadtverwaltung an.

Dort sei Anfang der Woche in einem persönlichen Gespräch mit Alexandra Adel, Fachbereichsleiterin Bürgerservice, über die Durchführung des Rummels im September gesprochen worden. Man hatte zuvor abgemacht, dass dieser in erster Linie in der Verantwortung des Schaustellers liegen solle. Die Stadt hatte ihre Unterstützung in einigen Bereichen zugesagt.

Schausteller ist verärgert

So war geplant, dass von städtischer Seite, eine Einzäunung des Geländes vorgenommen werde, damit Einlasskontrollen durchgeführt werden können, um genehmigte Höchstzahlen an Besuchern nicht zu überschreiten. Den Verlauf des Gespräches, schildert Schmidt so: „Mir wurde angeboten, dass auf das Aufstellen der Zäune verzichtet werden könne, auch damit die Stadt Geld spart und auch auf die Zählung der Besucher verzichtet werden könnte.“

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Für Schmidt ein attraktiver Vorschlag mit dem er das Gespräch verlassen habe. Allerdings habe er, als er nach Haus gekommen sei eine E-Mail der Genthiner Stadtverwaltung erhalten, in der er um eine Stellungnahme zur Durchführung aufgefordert sein soll. „Jetzt sollte ich sagen, wie ich mir die Umsetzung vorstellen würde“, erzählt er.

Darüber hat sich der Schausteller geärgert: „Wie soll ich eine solche Veranstaltung planen, wenn ich befürchten muss, dass nach jeder Absprache eine neue Auflage, eine neue Aufforderung kommt?“, fragt er und will unter diesen Umständen auf den Rummel im September verzichten.

Stadt wird von Aussage überrascht

Bürgermeister Matthias Günther (parteilos) schien am Donnerstagmittag überrascht über die heftige Reaktion zu sein: „Ich wundere mich, warum Herr Schmidt zwar mit der Volksstimme, nicht aber mit der Stadtverwaltung gesprochen hat. Sollte es Missverständnisse gegeben haben, lassen sich diese ausräumen“, zeigt sich Günther gesprächsbereit und kündigt an: Ich werde Herrn Schmidt nochmal einladen und auch Alexandra Adel dazu holen, um die Situation zu erörtern.

Der Bürgermeister bestätigt, dass der Schausteller am Dienstag die notwendigen Unterlagen unter anderem den Antrag auf die Kirmes und ein Hygienekonzept in der Stadtverwaltung abgegeben habe. „Wir waren jetzt guter Dinge, dass wir diese Unterlagen bearbeiten können.“

Knackpunkt ist Einzäunung des Geländes

Günther bestätigt zudem, dass es zu einem Gespräch zwischen Alexandra Adel und Schausteller Schmidt gekommen sei.

Welchen genauen Inhalt dieses gehabt habe, könne er nicht sagen. Zum Thema Einfassung des Veranstaltungsgeländes erklärt er: „Es ist richtig, dass auf einen Zaun verzichtet werden kann, wenn auch andere Eingrenzungen möglich sind.“ Sollte ein Zaun das geeignete Mittel sein, sei die Stadt bereit, diesen zu stellen, aber man sei auch offen für andere mögliche Lösungen. Welche das sein könnten, müsste in Unterredungen mit den Verwaltungen der Stadt und des Landkreises unter Einbindung des Gesundheitsamtes erörtert werden. Auch wenn die Zeit dränge.

Hoffen auf weitere Zusammenarbeit

Günther hofft auf eine Klärung der Unstimmigkeiten mit dem Schausteller in der kommenden Woche: „Wir wollen letztlich weiter miteinander arbeiten.“ Denn seit vielen Jahren ist der Schaustellerbetrieb aus Potsdam Kooperationspartner der Stadt beim Frühlings- und Kartoffelfest sowie beim Weihnachtsmarkt. Ob letzterer in diesem Jahr stattfinden wird, zeigt erst die aktuelle Corona-Entwicklung beziehungsweise die damit verbundenen behördlichen Auflagen. Allerdings gab es diesbezüglich bereits im vergangenen Jahr kleinere Reibungspunkte.

Während sich der Schausteller eine Vertragsverlängerung um drei Jahre wünschte, befürwortete der Stadtrat nur den Vertrag für 2019. Bürgermeister Günther begründete dies damit, dass es der Stadt mit einer zeitlichen Verkürzung der Kooperation besser möglich wäre, auf die inhaltliche Ausgestaltung des Weihnachtsmarktes zeitnah Einfluss zu nehmen.

Kartoffelkirmes ersetzt Kartoffelfest

Die aktuell geplante Kartoffelkirmes mit zwölf bis 15 Ständen und Fahrgeschäften soll eigentlich eine Ersatzveranstaltung für das abgesagte Kartoffelfest sein, das aufgrund seiner zu erwartenden Besucherzahlen voraussichtlich keine Genehmigung erhalten hätte. Letztlich hat auch Freddy Schmidt die Tür noch nicht ganz zugeschlagen, wenn er sagt: „Ich weiß, dass sich viele Genthiner auf unseren Rummel freuen und gern ausgehen möchten.“