Halberstadt/Halle l Erleichterung bei Familie Eckardt aus Halberstadt: „Es wurde ein passender Spender gefunden“, berichtet Michéle Eckardt. In wenigen Wochen werden ihrer Tochter Jamie Stammzellen transplantiert. Läuft alles wie geplant, wird der 25. September zu so etwas wie dem zweiten Geburtstag der Siebenjährigen, die an Blutkrebs leidet. „So schnell hätten wir nie damit gerechnet. Wir sind so dankbar“, sagt ihre Mutter.

„Das Kind wird wieder gesund“, sei Jamies erste Reaktion gewesen, als ihnen am Samstagvormittag (5. September) von einem Arzt die gute Nachricht überbracht wurde. Derzeit ist Jamie in Halle im Krankenhaus. Wie ihre Mutter berichtet, wird das Mädchen schnell schlapp und müde, es habe nur wenig Energie. „Sie hat auch manchmal ein Tief, aber gerade überwiegt die Freude.“

Chemo-Therapie und Wochen der Isolation

Obwohl die kommenden Wochen und Monate voller Strapazen sein werden, wie ihnen von den Medizinern erläutert wurde. So schnell dürfe das Kind das Krankenhaus wohl nicht mehr verlassen. „Vor der Transplantation bekommt sie eine Chemo-Therapie, damit ihr Körper die Spende annehmen kann“, erläutert Michéle Eckardt. Nach der Operation seien zudem bis zu acht Wochen Isolation angesagt. Zwar dürfe sie ihre Tochter dann besuchen – aber nur unter besonderen Vorsichtsmaßnahmen. Kuscheln sei nicht wie gewohnt möglich, auch dürfe sie nicht mit ihrem Kind in einem Zimmer schlafen. „Das wird eine harte Zeit“, sagt die 28-Jährige. Jamie sei ein Kind, dass am liebsten draußen in der Natur ist, das gern mit Freunden tobt und Tiere mag – alles Dinge, auf die sie nun lange Zeit verzichten muss. Doch eine Alternative gibt es nicht.

Die Transplantation ist der Rettungsanker für Jamie. Die Grundschülerin, deren größtes Hobby das Tanzen ist, ist an MDS erkrankt. Myelodysplastisches Syndrom – so der vollständige Name der Diagnose – ist eine Form von Blutkrebs. Eine, die nur selten bei so jungen Menschen auftritt. „Mir wurde gesagt, dass nur 30 Kinder deutschlandweit im Jahr die gleiche Krankheit haben wie Jamie“, berichtet Michéle Eckardt. Vermutlich, so sagt die Mutter, schlummerte die Krankheit seit der Geburt in Jamies Körper und sei erst jetzt ausgebrochen.

Anfang Juli sei ihr aufgefallen, dass mit ihrer Tochter etwas nicht stimmt. Ständig sei das Mädchen mit blauen Flecken von der Schule nach Hause gekommen. Abgesehen davon sei Jamie jedoch so gewesen wie immer – „ein quirliges, aktives Kind“. Dennoch habe sie sich Sorgen gemacht, berichtet die Mutter. Als ihre Tochter dann noch sehr starkes Nasenbluten bekam, brachte sie sie in die Notfallsprechstunde. Von da ging es gleich weiter ins Krankenhaus, erst in Quedlinburg, dann nach Halle. Dort wurde die Familie dann mit der schockierenden Diagnose konfrontiert: Blutkrebs.

Die einzige Chance, das Leben des Kindes dauerhaft zu retten, ist eine Stammzellspende. Aus der Familie komme jedoch niemand als Spender infrage, sagt die Mutter. Darum legte sie ihre ganze Hoffnung auf Stammzelldateien. Sie sei überwältigt davon, dass sich in den vergangenen Wochen so viele Menschen haben typisieren und in solche Dateien aufnehmen lassen, betont Michéle Eckardt.

1120 Euro von Jamies Grundschule

Auch finanziell erhält die Familie – Jamie hat eine sechs- und eine dreizehnjährige Schwester – Unterstützung. So wurde in der vergangenen Woche eine Spende über 1120 Euro an sie übergeben. Das Geld haben Eltern und Mitarbeiter der Miriam-Lundner-Grundschule gesammelt, die Jamie besucht. Die Mitschüler haben zudem Bilder gemalt und Karten gebastelt, um die Siebenjährige aufzumuntern.

Auch die Stadt Halberstadt steht der Familie bei, indem sie ein Spendenkonto eingerichtet hat. Das Geld, erläutert Rathaussprecherin Ute Huch, solle eine Hilfe für die Eltern sein, „die fast täglich nach Halle in die Klinik fahren, um ihre Tochter zu besuchen“. Die anfallenden Sach- und Fahrkosten seien für die Familie allein kaum zu bewältigen.

Die große Hilfsbereitschaft weit über Halberstadts Stadtgrenzen hinaus beeindrucke sie, betont Michéle Eckardt. Und, auch wenn bereits ein genetischer Zwilling für ihre Tochter gefunden wurde, appelliert sie dafür, dass die Aufmerksamkeit für das Thema Typisierung damit nun nicht abreißt. Sie ruft dazu auf, dass sich weiterhin Menschen bei Stammzelldateien registrieren lassen. „Das ist mir ein großes Anliegen. Es gibt noch so viele andere Kinder, die auf einen Spender hoffen“, gibt sie zu bedenken.

Acht weitere Fälle bei Kinderkrebshilfe

Darauf weist auch Avery Kolle, Chef des Vereins Krebskranke Kinder Harz, hin. Er und seine Mitstreiter betreuen aktuell neun Fälle – drei in Wernigerode, zwei in Halberstadt, je einen in Blankenburg, Ilsenburg und Dardesheim, sowie einen weiteren im niedersächsischen Bockenem.

Das Schicksal der Mädchen und Jungen ist kein Einzelfall: Wie die DKMS (ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei) informiert, erhält bundesweit alle 15 Minuten ein Patient die Diagnose, an einer Form von Blutkrebs erkrankt zu sein. 18.000 Menschen sterben jährlich an den Folgen der Erkrankung.

Spenden sind unter dem Zweck „Jamie“ auf das Konto der Stadt Halberstadt, Harzsparkasse, IBAN: DE61 8105 2000 0360 1268 12, möglich.