Halberstadt l Eine große Distel am Eingang, tiefe Gräben rund um das komplette Gebäude, zerfahrene Grünflächen, graubraune Erdberge auf dem Spielplatz und hinter der Schule ein riesiger Erdhügel, den sich inzwischen die Natur wiederholt, so grün wie er sich präsentiert. „Auch wenn hier Gras steht, der Hügel ist komplett mit einem Vlies abgedeckt, die Erde brauchen wir schließlich wieder.“ Sylvia Schumann vom Büro Kirchner + Przyborowski hat auf viele Fragen Antworten. Aber nicht auf alle. Denn manches, so die Architektin, sei leider immer noch mit Unwägbarkeiten behaftet. Aber, so die gute Nachricht bei diesem Rundgang mit Mitgliedern des Stadtrates über die Baustelle der Diesterweg-Grundschule, es seien nur noch sechs Prozent der gesamten Bauleistungen, die noch nicht vergeben sind.

Das ermutigte Oberbürgermeister Andreas Henke (Die Linke) zu der Aussage, dass man die geplanten Gesamtkosten von 7,4 Millionen Euro wohl nicht überschreiten wird. 6,3 Millionen Euro sind dabei für die reinen Bauleistungen eingeplant, der Rest für Ausstattung und Außengelände.

Nutzung ab Februar

Das allerdings wird es nicht bis zum Jahresende fertig. Nach zwei abgelehnten Fördermittelanträgen hatte das Land der Stadt vorgeschlagen, es über einen anderen Fördergeldtopf zu versuchen. Der Antrag dafür wurde am 19. Juni eingereicht. Ob und wann eine Zusage für Geld vom Land kommt, müsse man nun abwarten. Erst wenn es die Zusage gibt, könnten die Arbeiten ausgeschrieben werden, sagte Jörg Wolansky, Leiter der Hochbauabteilung der Stadt.

„Unsere Zielstellung ist, dass zum Jahresende das Gebäude fertig ist“, sagte Henke zu Beginn des Rundgangs über die Baustelle. „Dann kommt der Januar, im Februar gibt es Ferien. Realistisch ist wohl ein Schulstart nach den Winterferien.“ Was Michael Herrmann (CDU) zu der Bemerkung veranlasste, dass die Stadt das viel klarer nach außen tragen müsse. „Das Gebäude soll fertig sein zum Jahresende. Das heißt nicht, die Schule beginnt hier wieder, denn ohne Außenanlagen, zu denen die Fluchtwege gehören, kann der Schulbetrieb nicht wieder aufgenommen werden.“ Von daher, so der Vorsitzende des Stadtentwicklungsausschusses, sehe er auch den Termin zum zweiten Schulhalbjahr 2020/2021 kritisch.

Übergangslösung

Jens Klaus, zuständiger Fachbereichsleiter, verwies darauf, dass man sicher Übergangslösungen schaffen kann, damit im Februar der Umzug der Diesterweg-Schüler aus ihrem Gastquartier in der Goethe-Grundschule erfolgen könne.

Dass noch viel zu tun ist, ist erkennbar. Einige der anwesenden Ratsmitglieder kritisierten, dass sich im Inneren des denkmalgeschützten Gebäudes im Vergleich zum letzten Rundgang im März nichts getan habe. Ein Eindruck, den Architektin Sylvia Schumann und Volker Bolze, zuständiger Mitarbeiter der Hochbauabteilung der Stadt, nicht unwidersprochen gelten lassen wollten. „Die Maler können erst in die Flure, wenn alles andere erledigt ist. Dann aber geht es rasch“, so Schumann. Immerhin seien 1777 Quadrameter Kellerfläche, 3655 Quadratmeter Erdgeschossfläche und 3214 Quadratmeter Dachgeschossfläche zu bearbeiten.

Kilometerlange Leitungen

Man habe mittlerweile das komplette Gebäudefundament ringsum freigelegt und abgedichtet. „In mehreren Schichten auf einer Fläche von 1200 Quadratmetern. Auf die Bruchsteinmauer kam Putz und darauf die Schutzschichten“, so die Architektin. Bis in die Höhe, auf die das Gelände wieder aufgeschüttet werden wird. Mit der Erde, die jetzt hinter der Schule lagert. Diese Arbeiten gehören noch zum Bauvorhaben, nicht zur Außenanlagen-Gestaltung. „Wir haben allein für die insgesamt 700 Meter langen Gräben hier ringsum 2000 Kubikmeter Erde ausgehoben“, berichtet Schumann.

Die Dacharbeiten sind abgeschlossen, die Anschlüsse gelegt, in dem Bereich, der künftig Domizil für Krippe und Kindergarten sein wird, werden gerade die Sanitärräume gefliest. Der Fußboden ist weitgehend erneuert, in der Turnhalle soll demnächst der Estrich eingebracht werden, dann die Fußbodenheizung, der Sportboden, der Prallschutz für die Wände, die Deckenabhängung. Wenn die Maler die Wände gestrichen haben, können die Sportgeräte installiert werden.

In dem Gebäude sind vier Kilometer alter Elektrokabel entfernt und 48 Kilometer Stromkabel neu verlegt wordem, dazu kommen sieben Kilometer Datenkabel. Die Leitungen für die Fußbodenheizung in Sporthalle und Kita-Bereich summieren sich auf 6,5 Kilometer. 300 Fenster und Türen sind komplett erneuert worden, 100 sollen aufgearbeitet werden. „Für die alten Schultüren haben wir lange nach einem Unternehmen gesucht, das diese wieder aufarbeiten kann“, berichtet Schumann. Solche mehrfachen Ausschreibungen kosten viel Zeit, ein Grund für die deutliche Bauzeitüberschreitung. Denn ursprünglich sollten die 341 Kinder aus Siedlung schon längst wieder in ihrem Schulhaus unterrichtet oder im Kindertagesstättenbereich betreut werden.