Halberstadt l Er findet den Spruch etwas altmodisch, aber zutreffend: „Handel ist Wandel“, sagt Enrico Burau. Als Centermanager der Rathauspassagen weiß er, dass der Einzelhandel in einer Umbruchphase steckt. „Dem können wir uns nicht entziehen.“

Unzufrieden mit der aktuellen Entwicklung ist er nicht, immer wieder schaue man, in welche Richtung die Passagen entwickelt werden sollen, wie den Bedürfnissen der Kunden entsprochen werden kann. Denn auch wenn viele Menschen mittlerweile das Internet nutzen, um einzukaufen, die haptische Erfahrung könne nur ein Ladenbesuch vermitteln. Anfassen, um Qualität zu prüfen, eine kompetente Beratung zu bekommen, gleich anzuprobieren – so etwas gehe nur vor Ort. „Das haben auch alle Mietpartner verinnerlicht, sie sind bestrebt, mit gut geschulten Mitarbeitern größtmöglichen Service für die Kunden anzubieten.“

Dass immer mal wieder umgebaut wird, gehöre zum alltäglichen Geschehen in einem großen Einkaufscenter. Es gab und gibt Zusammenlegungen von Ladenflächen, um den Kunden mehr Platz zu bieten, die Aufenthaltsqualität nicht nur vor dem einzelnen Geschäft, sondern auch im Laden zu erhöhen. Aktuell betreffe das den Edeka-Markt im Erdgeschoss der Passagen. Hier werde viel Geld investiert, um einen modernen, kundenorientierten Lebensmittelmarkt zu schaffen. „Nach dem Weggang der beiden Vormieter haben wir Bäcker- und Fleischtheke schon umgestaltet. Und das ist sehr gut gelungen, wie ich finde.“

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Gastronomie für alle Ansprüche

Steter Wandel betreffe nicht nur den stationären Einzelhandel, sondern sei ebenfalls Thema in der Gastronomie. Hier wolle man weiter Schwerpunkte setzen, auch wenn man aktuellste Trends nur schwer in eine kleinen Stadt wie Halberstadt holen könne. „Wir haben eine sehr gemischte Bevölkerungsstruktur“, sagt Burau, „und sehr unterschiedliche Einkommensverhältnisse. Das müssen wir bei der Angebotsentwicklung berücksichtigen. Wir werden also immer auch Einstiegssortimente brauchen, wollen aber dennoch die Wertigkeit der Angebote nicht verlieren.“ Sprich, sowohl einfachen als auch gehobeneren Ansprüchen gerecht werden.

Was der Centermanager ein bisschen bedauert, ist die Tatsache, dass zwar die Hochschule Harz hier in Halberstadt vor Ort sei, aber studentisches Leben sich kaum bemerkbar mache. Das mache die Ausrichtung des Hauses nicht einfacher, schließlich wolle man auch junge Kunden gewinnen, ohne die ältere Kundschaft zu verprellen. „Die demografische Entwicklung müssen auch Einzelhändler und Gastronomen im Blick haben“, sagt Burau.

Deshalb ist er froh, dass sich die Rathauspassagen in den 20 Jahren ihrer Existenz gut entwickelt haben, einen hohen Bekanntheitsgrad genießen. Nicht nur in Halberstadt, sondern weit darüber hinaus, wie mehrere Befragungen ergeben haben. „Darauf kann man stolz sein“, so Burau. Dazu tragen auch besondere Veranstaltungen bei, zum Beispiel besondere Feste. Die zum Stadtfest gewordene Party zum 20-jährigen Bestehen war da sicher ein besonderer Höhepunkt, der sehr viel positive Resonanz erfahren habe. „Wir wollen dem Publikum zeigen, hier bewegt sich was. Deshalb ist immer wieder Veränderung erforderlich.“

Neues Café öffnet Ende Mai

Dazu zähle eben auch, die Gastronomie stärker in den Blick zu nehmen. Das Eiscafé konnte bereits vor einiger Zeit seinen gewachsenen Platzbedarf befriedigen. Auch das ehemalige Café am Markt, dessen Betreiberin Ende 2018 in Ruhestand gegangen ist, soll in den kommenden Wochen wieder eröffnet werden. „Wir bauen um, ein Halberstädter Gastronom wird das Café betreiben, aber sicher unter einem neuen Namen“, kündigt Burau an. Auch wenn es ein sportliches Ziel sei, so wolle man doch möglichst zum großen Frühlingsfest am 31. März eröffnen.

Bis zu diesem Termin sind alle Ladenflächen, die zur Passage gehören „wieder bespielt“, sagt Enrico Burau, schließlich wolle man den Festbesuchern nicht nur Musik, Show und Gewinnspiel bieten, sondern auch ein angenehmes Einkaufserlebnis.