Harsleben/Wegeleben l Die Kosten für das Entfernen des in den Teich gelaufenen Diesels dürften am Ende immens ausfallen. Die Vorharzer Verbandsgemeinde-Bürgermeisterin Ute Pesselt (parteilos/WG Buko) schätzt die bislang aufgelaufenen Kosten vorsichtig auf einen „sehr hohen fünfstelligen Betrag“. Um diesen zu stemmen, habe sie bereits Landrat Martin Skiebe (CDU) kontaktiert, da es sich um eine Rechnung handeln dürfte, „die uns überfordert“. Gleichwohl dürften die gebundenen Fachfirmen, die seit Montag im Gewerbegebiet agieren, ihre Rechnungen zunächst an den Auftraggeber – die Verbandsgemeinde Vorharz – adressieren.

Kann Verursacher haftbar gemacht werden?

Soll heißen: Sobald die akuten Gefahren, die vom ausgelaufenen Diesel für Umwelt und Natur ausgehen, beseitigt sind, wird die Frage der Finanzierung in den Fokus rücken. Zumindest die der vorläufigen Finanzierung. Denn letztlich hofft auch Ute Pesselt, dass ein Verursacher der Ölpest ermittelt und haftbar gemacht werden kann und dann auch liquide ist oder dass zumindest eine Versicherung greift.

Wie bereits in der Dienstagausgabe ausführlich thematisiert, hat nach Volksstimme-Informationen offenbar ein Mitarbeiter einer im Gewebegebiet Harsleben ansässigen Firma am Samstag an einem zur Entsorgung bestimmten Dieseltank mit einer Flex agiert. Nach Volksstimme-Informationen wollte der Mann wohl ein Stück Stahl heraustrennen, um es als Feuerschale zu benutzen.

Das Problem dabei: Offenbar wusste er nicht, dass sich im Tank noch Diesel befand oder ignorierte dies. Am Resultat änderte das wenig: Als der Tank geöffnet war, trat eine bislang unbekannte Menge Diesel aus, lief über den Firmenhof in den Regenwasserkanal und von dort in die Vorflut des Regenwasserrückhaltebeckens. Da Angler diesen Teich für die Fischaufzucht nutzen, bemerkten sie am Samstagnachmittag als erste den Dieselgestank und schlugen Alarm.

Die Kreisverwaltung geht nach Spurenlage zumindest davon aus, dass jener Tank „offensichtlich“ die Ursache für die Umweltkatastrophe ist. Seitens der Firma war auch am gestrigen Mittwoch keine Stellungnahme zu bekommen. Man kenne selbst keine Details, weil die Behörden noch ermittelten, so eine Sprecherin der Firma, die in Harsleben einen Zweitbetrieb hat.

Die Polizei hat, wie ein Sprecher bereits am Montag auf Anfrage bestätigte, Ermittlungen wegen Gewässerverunreinigung eingeleitet. Mit Blick auf diese laufenden Ermittlungen machte ein Polizeisprecher keine weiteren Angaben.

Letztlich könnte damit der im Verdacht stehende Mann als Alleintäter in den Fokus rücken. Denkbar ist aber auch, dass er womöglich auf Anweisung hin agierte. In jedem Fall drohen laut Strafgesetzbuch bis zu fünf Jahre Haft oder eine Geldstrafe. Bei Fahrlässigkeit reduziert sich das drohende Strafmaß auf bis zu drei Jahre oder eine Geldstrafe.

Laut Kreisverwaltung waren am Dienstag erneut Mitarbeiter des Umweltamtes, die im konkreten Fall insbesondere koordinierende Aufgaben wahrnehmen, vor Ort. Die Reinigungsarbeiten im Niederschlagwassersystem des Gewerbegebietes Harsleben befänden sich vor dem Abschluss, hieß es. Zu diesen Arbeiten zählten die Kanalreinigung im Gewerbegebiet auf rund 600 Meter Länge durch eine Fachfirma und die Beseitigung der Dieselablagerungen im Vorbecken des Regenrückhaltebeckens durch die Feuerwehr und eine Fachfirma.

Feuerwehr verhinderte weitere Folgen

Die gute Nachricht dabei sei, dass nach heutigem Stand zu keiner Zeit Diesel, der zur Wassergefährdungsklasse 2 zähle, in ein weiteres Gewässer außer in besagtes Rückhaltebecken eingetragen worden sei, so ein Behördensprecher. Das heiße, das insbesondere Grundwasser und Sauteichgraben nicht von den Verunreinigungen betroffen seien. Das sei dem unverzüglichen Eingreifen von Feuerwehr und Fachfirmen zu verdanken, die Ölsperren auf dem Vorbecken gesetzt, den Diesel abgeschöpft und kontaminierte Flächen gereinigt hätten.

Als weitere Nachsorge sei die Aufnahme von kleineren Dieselrückständen im Vorbecken mittels Ölbindemitteln vorgesehen. Die gesamten Anlagen im Gewerbegebiet würden einer verstärkten Kontrolle durch das Umweltamt unterzogen. Ferner prüfe die Kreisverwaltung mögliche Bodenverunreinigungen.