Halberstadt l Gewonnen und verloren, so lässt sich die Neuorganisation des Nahverkehrs im Harzkreis zusammenfassen. Betroffen davon sind sowohl Fahrgäste als auch die Verkehrsunternehmen. „Wir spüren die Änderungen in den Linienführungen bei den Bussen“, kommentiert Claudia Stein den Verlust von 1,95 Prozent an Fahrgästen im Linienverkehr. „Das ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass wir Harsleben nicht mehr anfahren“, sagt die Geschäftsführerin der Halberstädter Verkehrsgesellschaft HVG. Den mit den verlorenen Fahrgästen verbundenen finanziellen Nachteil haben die höheren Preise für Fahrkarten nicht auffangen können.

Der Landkreis hatte als zuständiger Aufgabenträger einen neuen Nahverkehrsplan erarbeitet, der unter anderem Parallelverkehr minimieren sollte. Während die Harsleber die anderen Haltestellen der Kreisbusse im Stadtgebiet nicht unbedingt lieben, freuen sich Anwohner der Sargstedter Siedlung, die nun alle halbe Stunde eine Busanbindung in die Stadt haben. „Und die Sargstedter haben erstmals eine Direktanbindung an die Innenstadt und ans Krankenhaus“, sagt Stein.

Weil es an der Stadtbuslinie, die Hauptbahnhof und Krankenhaus verbindet, vermehrt Kritik gab, prüfe man zurzeit im Unternehmen Alternativen, berichtet die Geschäftsführerin, die 2018 die Firmenleitung übernommen hat. So sind Fahrgastzählungen auf unterschiedlichen Linien erfolgt, um zu sehen, welche Nachjustierung möglich ist, trotz des Gebots, keinen Parallellinien aufzubauen. Ob das bislang erforderliche Umsteigen am Holzmarkt wegfallen kann, wisse man noch nicht.

Gewinn für Fahrgäste, Verlust für HVG

Gewinner bei den Neuerungen im Nahverkehr sind Fahrgäste, die die neuen Angebote wie das Harz-Abo nutzen, und diejenigen, die aus dem Landkreis kommend, keine neuen Fahrscheine mehr kaufen müssen, wenn sie mit den Stadtbussen und Straßenbahnen weiterfahren wollen. Ein Problem dabei: Weil diese Fahrkarten zum Beispiel in Benneckenstein gekauft wurden, werden diese Fahrgäste auf den Stadtlinien nicht mehr erfasst. „Das ist für den Bürger toll, für uns als Unternehmen eine Herausforderung. Wir verlieren Einnahmen, das nennt sich Durchtarifizierungsverlust“, sagt Stein.

Während in großen Städten solche Strategien meist gut funktionieren, weil mehr Fahrgäste diesen Verlust ausgleichen, ist es im ländlichen Raum schwieriger. Hier sinken zum einen die Einwohnerzahlen, zum anderen nutzen viele Menschen lieber das eigene Auto. Stein sieht hier Handlungsfelder, auf denen die HVG besser werden muss. „Wir müssen mehr werben, mit den Vorteilen, die das neue System bietet, den Bürgern sagen, dass das unschlagbar günstig ist. Dann nutzen hoffentlich auch mehr Einwohner die öffentlichen Verkehrsmittel.“

Straßenbahn bleibt erhalten

Für die nächsten 15 Jahre wird die HVG den städtischen Nahverkehr organisieren, das ist mit dem erfolgten Abschluss eines Öffentlichen Dienstleistungsauftrags amtlich. Die Aufgabenträger Landkreis Harz und Stadt Halberstadt haben diesen Auftrag erteilt. Es gab eine öffentliche Bekanntmachung des Vorhabens, die HVG weiterhin mit dem Betrieb der Straßenbahn und Buslinien im Stadtgebiet zu betrauen. „Nach solcher Bekanntgabe, dass die Aufgabenträger eine Direktvergabe planen, können andere Verkehrsunternehmen sogenannte eigenwirtschaftliche Angebote vorlegen. Das ist nicht der Fall gewesen“, erklärt Claudia Stein.

Solche Direktvergaben sind unter bestimmten Voraussetzungen zulässig. So muss der Dienstleister seinen Sitz in dem von ihm betriebenen Netz haben, darf nicht außerhalb der Landkreises aktiv sein und angesichts des schienengebundenen Nahverkehrs in der Stadt ist solches Vorgehen sinnvoll, denn die Investitionen in ein Straßenbahnunternehmen sind deutlich aufwändiger als in einen reinen Busbetrieb.

Umweltvorteile durch E-Mobilität

Ob es nach 2033 noch weiterhin Straßenbahnverkehr in Halberstadt geben wird – das kann die Geschäftsführerin nicht sagen. Bislang gibt es keine Positionierung der Stadt zu dieser Frage. Man müsse die Entwicklung abwarten, so Stein, denn die Frage der E-Mobilität gewinne an Bedeutung. „Und die Straßenbahn fährt nun mal elektrisch, das hat deutliche Umweltvorteile.“

Zunächst hat die HVG auch für ihre Linien die erforderlichen Konzessionen aufgefrischt, Für die Buslinien war das turnusmäßig der Fall, um aber einen zeitlichen Gleichklang zu bekommen, habe man diese Konzessionen auch für die Straßenbahnlinien erneuert, die eigentlich noch bis 2022 gegolten hätten. Nun gelten die Konzessionen für alle Stadtlinien bis 2033.