Halberstadt l Stillstand prägt die Baustelle an der Dombergstützmauer am Grudenberg. Im Februar diesen Jahres fanden dort Rodungs- und Tiefbauarbeiten im großen Stil statt, um den Bereich zu sanieren und attraktiver zu gestalten. Im Dezember 2017 stellte der Stadtrat mit einem entsprechenden Sanierungsbeschluss dafür die Weichen. Plötzlich endeten die Arbeiten. Bei den Planungen zur Umgestaltung wurde ein im Erdreich liegendes Telekom-Kabel übersehen. Außerdem sorgte eine weitere Überraschung für eine Kosten­explosion des Vorhabens. Reaktion der Stadt: vorläufiger Baustopp.

Beide Punkte stellten die Stadtverwaltung vor die Herausforderung, das Projekt Dombergstützmauer neu aufzurollen und zu planen. Dem Stadtentwicklungsausschuss lag am Donnerstagabend ein überarbeiteter Ausführungsbeschluss zur Abstimmung vor. Allein die Umverlegung des Telekom-Kabels hätte laut Beschlussvorlage Kosten in Höhe von über 100 000 Euro verursacht. Geld, das die Stadt zur Verfügung stellen müsste. Angesichts der angespannten Haushaltslage bleibt das Kabel nun unangetastet.

Keine Reste des Altbaus gefunden

Eine zweite Überraschung lauerte hinter dem Erdwall am Grudenberg 9-11. Die Planer vermuteten, dass sich dahinter die Reste der alten Dombergstützmauer befinden. Beim Abtragen des Erdreiches stellte man jedoch fest, dass keinerlei verwertbare ­Bauwerkreste vorhanden sind. 150 000 Euro wollte die Stadt ­ursprünglich in die Arbeiten zu Füßen des Domplatzes investieren. 120 000 Euro sollten aus dem Programm „Städtebau­licher Denkmalschutz“ kommen, 30 000 Euro wollte die Stadt an Eigenmitteln beisteuern. Außerdem waren ursprünglich 57 300 Euro für die Umgestaltung des Straßenraumes eingeplant.

Im neuen von der Stadtverwaltung erarbeiteten Sanierungsbeschluss liegt die Betonung darauf, dass der vorgesehene Kostenrahmen unangetastet bleibt – trotz der Überraschungen und der neuen Planungen.

2,10 Meter hohe Wand

Folgt der Stadtrat der Argumentation und segnet den Beschluss ab, soll nach den vorliegenden Plänen eine Neuprofilierung des Areals am Grudenberg erfolgen. In Verlängerung der vorhandenen Mauer im Norden soll eine etwa 2,10 Meter hohe Wand aus Stahlbeton-Winkelstützen errichtet werden, die später eine Natursteinverblendung erhält. Im Süden erfolgt der Anschluss an die vorhandene, bereits vor einigen Jahren sanierte Mauer. „Vom vorhandenen Niveau des Katzenplanes wird das Gelände bis zur Oberkante der Stützwand als Hang modelliert“, heißt es im Beschluss. Dies ließe es offen, zu einem späteren Zeitpunkt die eigentlich favorisierte Terrassierung mit Naturstein-Trockenmauerwerk vorzunehmen. Darauf wird zum jetzigen Zeitpunkt verzichtet, weil diese Arbeiten den Kostenrahmen sprengen würden, argumentiert die Verwaltung.

Vorgesehen ist, die Fläche mit Gehölzen zu bepflanzen, die sowohl trocken- und hitze­verträglich sind und geringe Ansprüche an den Boden stellen. Die Mitglieder des Stadtentwicklungsausschusses haben dem einstimmig zugestimmt.

Stützmauer für Millionen saniert

Die Dombergstützmauer ist in den zurückliegenden 30 Jahren in mehreren Abschnitten saniert worden: Unter anderem Teile des Lichtengrabens in den 1980er Jahren, vom Tränketor bis Klein Venedig 1991, 2001 der Lichtengraben bis zum Hohen Weg, 2012 flossen 40 000 Euro in den Düsterngraben/Ecke Lichtengraben und 120 000 Euro für den Bereich Grudenberg/Katzenplan, dort sind auch mehrere Parkplätze entstanden.

Die Investi­tionskosten schätzt Jens Klaus, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung der Stadtverwaltung Halberstadt, insgesamt auf eine siebenstellige Summe. Fertig wird man mit der Sanierung des Bauwerks wohl nie, so der Fachbereichsleiter. Trotz der Investitionen in den zurückliegenden Jahrzehnten wird es immer wieder mal ­Baustellen an der Dombergstützmauer geben.