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Feuerwehr So dramatisch ist der Löschwasservorrat in Osterwiecker Ortsteil

Konsequenzen nach dem Großbrand zum Jahreswechsel in Hessen.

Von Mario Heinicke 20.01.2026, 10:34
Für die Löscharbeiten  in Hessen war zu wenig Wasser da.
Für die Löscharbeiten in Hessen war zu wenig Wasser da. Foto: Feuerwehr

Stadt Osterwieck. - Nach der verheerenden Brandkatastrophe in der Silvesternacht in Hessen mit einem niedergebrannten Wohnhaus sowie Schäden an zwei weiteren Wohngebäuden will die Kommune die Löschwassersituation verbessern. War das fehlende Wasser doch Ursache dafür, dass die Schäden derart groß wurden.

Auf der Jahreshauptversammlung der Osterwiecker Ortsfeuerwehr berichtete Stadtwehrleiter Olaf Chrost, dass es in dieser Woche zu einem Treffen der Wehrleitung mit Bürgermeister und Verantwortlichen des Trink- und Abwasserzweckverbandes Vorharz kommen werde. Im Mittelpunkt solle dabei die Löschwasserversorgung aus dem Trinkwassernetz in der gesamten Einheitsgemeinde stehen. „Es ist traurige Gewissheit geworden: Unser Löschwasser reicht nicht“, so der Stadtwehrleiter.

Nach der aktuellen Brandschutz-Risikoanalyse der Stadt Osterwieck hätte in Hessen eigentlich genügend Löschwasser vorhanden sein müssen. Zumal sich die örtliche Zisterne nicht weit vom Brandort entfernt befindet, wie Olaf Chrost bestätigte.

Doch die große Schwachstelle war und ist das Trinkwassernetz. Der Stadtwehrleiter und sein Stellvertreter Manuel Kabisch gehen deshalb seit vergangener Woche durch alle Orte und testen den Wasserdruck im Netz. Für eine normgerechte Löschwasserversorgung wäre eine Menge von 800 Litern je Minute notwendig. „Von Sonnenburg abgesehen, trauriges Schlusslicht ist tatsächlich Hessen“, nannte Chrost eine Erkenntnis. An der Brandstelle seien lediglich 230 Liter bei zwei Bar Druck gemessen worden. Das übersteige nur knapp den Eingangsdruck eines Löschfahrzeugs. Am schlimmsten sei es an der Tankstelle Hessen, dort sei gar kein Druck vorhanden.

Dass der Wasserdruck indes kein flächendeckendes Problem ist, zeigt das Beispiel Osterwieck. Dort standen bei der Messung in der Altstadt 1300 Liter an bei fünf Bar Druck, wie Olaf Chrost berichtete. „In Osterwieck sind sie sicher.“

In diese Problematik spielen auch die Hydranten hinein. „Wir haben einen unklaren Zustand, der im Einsatzfall für Überraschungen sorgen kann“, sagte Osterwiecks Ortswehrleiter Marco Krenge. Früher nahmen die örtlichen Feuerwehren jährlich sogenannte Hydrantenkontrollen vor. Schon seit einigen Jahren liege das in Zuständigkeit des Zweckverbandes, hieß es. Die Überprüfung durch die Stadtwehrleitung seit vergangener Woche habe ergeben, dass in den Orten mehrere Hydranten defekt seien.

Auf der Versammlung der Osterwiecker Ortswehr hatten mehrere Kameraden gefordert, dass jene Hydrantenkontrollen wieder die örtlichen Wehren vornehmen sollten. Das biete zudem noch den Vorteil, dass alle Einsatzkräfte die Lage der Hydranten kennen.

Als Konsequenz aus dem Hessener Dilemma kündigte Olaf Chrost an, dass bei Löscheinsätzen ab Kategorie B2 (mittlerer Brand) immer noch ein zweiter Zug alarmiert werde, der sich dann nur um die Wasserförderung kümmere. „Das ist unsere Antwort“, so Chrost. Steffen Richardt, stellvertretender Zugführer im Raum Osterwieck, will bei der Ausbildung der Einsatzkräfte den Schwerpunkt auf Wasserführungen über lange Wegstrecken legen. Auch sein Heimatdorf Schauen hat ein großes Löschwasserproblem.