Halberstadt l 124 Millionen ausgediente Mobiltelefone liegen in deutschen Schubladen oder sie landen, noch schlimmer, im Restmüll. Darin enthalten sind mehrere Tonnen Edelmetalle wie Gold, Silber und Kupfer, die unter teilweise problematischen Bedingungen abgebaut werden. Um einer Verschwendung der Rohstoffe entgegenzuwirken, lautet die simple, aber leider noch viel zu wenig genutzte Lösung: Recycling.

Um das Thema auch der jungen Generation nahezubringen, wurden den ganzen April über im Projekt „Recycling 2.0 - Die Wertstoffwende“ die Schülerinnen und Schüler der siebten, achten und neunten Klassen des Käthe-Kollwitz-Gymnasium Halberstadt an das Thema in speziellen Unterrichtseinheiten herangeführt.

Nicht gleich Elektroschrott

„Die Natur kennt keinen Müll, alles, was sie produziert, kann sie auch wieder abbauen. Bei den Menschen sieht das bekanntlich etwas anders aus“, erklärt die Diplom-Psychologin Doreen Hoffmann. Gemeinsam mit den Psychologie-Studentinnen Anne Overbeck und Fiona Niebuhr von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg leitet sie den Unterricht zum Thema Recycling. „Das Ziel des Projektes ist, die Jugendlichen für nachhaltige Entwicklung zu sensibilisieren und das Bewusstsein zu erhöhen, dass alte Geräte kein Elektroschrott, sondern Wertstoffe sind“, führt sie aus. So soll die Rückfuhrquote aussortierter Handys zum Recycling erhöht werden.

Deshalb beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler mit den Metallen, die in Mobiltelefonen zu finden sind. Dabei setzten sich die Schüler mit der Frage auseinander, woher die Rohstoffe kommen, welchen Zweck sie im Mobiltelefon erfüllen und welche problematischen Folgen der Abbau und die unsachgemäße Entsorgung haben kann, dazu zählen beispielsweise Kinderarbeit und die Verschmutzung des Grundwassers.

Den Schülern soll auf diese Weise nahegebracht werden, was Nachhaltigkeit bedeutet - und wie leichtsinnig es ist, alte Handys nicht zu recyceln oder sogar wegzuschmeißen.

Recycling statt Schublade

„Hier sitzen die Entscheidungsträger von morgen“, stellt Doreen Hoffmann klar. Um die richtigen Entscheidungen zu treffen, sollen die Schülerinnen und Schüler den Technik-Kreislauf am Beispiel des Handys nachvollziehen und dabei einige Fragen beantwortet: Welche Rohstoffe sind im Handy? Wie werden sie in der Natur abgebaut und unter welchen sozialen, ökologischen und ökonomischen Bedingungen? Wo und wie werden Handys gebaut? Was passiert beim Recycling und wie werden Stoffe zurückgewonnen?

Im Idealfall sollten ausrangierte Mobiltelefone entweder verkauft, verschenkt oder beispielsweise bei Wertstoffhöfen oder in Shops von Mobilfunkanbietern abgegeben werden. So können Wertstoffe, aus Schubladenhandys wiederverwertet und müssen nicht neu abgebaut werden.

96 Geräte wurden eingesammelt

Um den vermittelten Stoff praktischer zu gestalten, haben die Schülerinnen und Schüler von den Psychologinnen mitgebrachte Handys auseinandergebaut und die einzelnen Bestandteile identifiziert. Mithilfe eines Rohstoffkoffers, den Geologin Britta Bookhagen entworfen und zur Verfügung gestellt hat, konnten die Jugendlichen die einzelnen Elemente noch genauer unter die Lupe nehmen. Nachdem ein Film zum Thema Recycling gezeigt worden war, wurde der Tag schließlich mit einer Diskussion zum Thema beschlossen - warum werden so wenige Altgeräte zum Recycling gebracht? Und was könnte verbessert werden, damit mehr recycelt wird?

„Ich wusste zwar, dass man Metalle in den Handys findet - aber nicht, dass es so viele sind“, sagt Nova Knirsch aus Klasse 9a zu ihrem neu erlernten Wissen. Ähnlich wie die meisten ihrer Mitschüler besitzt die 14-Jährige bereits ihr fünftes Smartphone. Ihre Klassenkameradin Johannah Gottschalk gibt zu: „Die meisten davon liegen noch zu Hause in der Schublade.“

Um das Gelernte in die Tat umzusetzen, wurden dann am 24. April auch im Käthe-Kollwitz-Gymnasium ausgediente Elektrogeräte eingesammelt - neben Mobiltelefonen konnten beispielsweise auch elektrische Zahnbürsten, Tablets oder Kaffeemaschinen abgegeben werden. Insgesamt wurden 96 Geräte von Schülern und Lehrern eingesammelt

Junge Leute sensibilisieren

Der Besuch von Schulen ist nur ein Bestandteil des Förderprogramms „Zwanzig20 – Partnerschaft für Innovation“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Vier Hochschulen - Hochschule Nordhausen, die Technische Universität Clausthal, die Hochschule Magdeburg-Stendal sowie die Otto-von-Guericke- Universität in Magdeburg - haben die Recyclingregion Harz gegründet. Das Ziel des Projektes: Bisher nur ungenügend genutzte Rohstoffpotenziale aus Abfällen und Deponien nutzbar zu machen. Hauptaspekt ist die Schaffung von Voraussetzungen für eine nachhaltige und ressourceneffiziente Wertstoffwende. Ein Bestandteil ist dabei eine Bildungsoffensive, die auch junge Menschen über das Thema informieren soll.