Haldensleben l Wann beginnt die Telekom mit dem Breitbandausbau für die Privathaushalte und wann ist sie damit fertig? Das war es wohl, was die meisten Haldensleber wissen wollten, die zu einer Infoveranstaltung des Unternehmens in die Kulturfabrik gekommen waren. Konkret wurde Andreas Meyer, Telekom-Regiomanager für Sachsen-Anhalt, in seiner Antwort nur bedingt. Zumindest habe die Telekom mit dem Einziehen der Glasfaserkabel in Haldensleben im März begonnen – und zwar im Haldensleber Gewerbegebiet.

In diesen Tagen gehe es auch im Haldensleber Stadtgebiet los, Uthmöden und Satuelle sowie Hütten und Benitz würden folgen. „Wir wollen noch vor Weihnachten so weit sein, dass die Bürger ihre Anschlüsse buchen können“, versicherte Andreas Meyer. Die Haldensleber hatten ihre Hausaufgaben in punkto Breitbandversorgung gemacht. „Sie wollten doch schon im März 2018 fertig sein. Warum haben Sie noch nicht einmal angefangen?“, fragte ein Gast. In der Zeitung habe er gelesen, dass die Telekom sogar gesetzlich dazu verpflichtet gewesen sei, den Zeitrahmen bis März einzuhalten. Laut Andreas Meyer hätten sich die Arbeiten zeitlich nach hinten verschoben, weil die Stadt Haldensleben in der Zwischenzeit ihr „Smart City“-Konzept auf die Beine gestellt hat. Der Ausbau zur vernetzten, intelligenten Stadt habe beim Breitbandausbau nachträglich berücksichtigt werden müssen, weshalb es zu Verzögerungen gekommen sei.

Keine genauen Angaben

Genaue Angaben, welche Straße in welchem Zeitraum mit den Glasfasernkabeln der Telekom ausgestattet werde, konnte Andreas Meyer nicht machen, verwies jedoch auf eine Internetseite seines Unternehmens. Auf www.telekom.de/schneller könne jeder Haldensleber überprüfen, welche Internetverbindung bei ihm anliege und wann der Breitbandausbau in seiner Straße abgeschlossen sei.

Wirklich präzise, so ergab eine stichprobenartige Überprüfung der Volksstimme, ist aber auch diese Methode nicht. So ist auf der benannten Internetseite die Kernstadt von Haldensleben als „im Ausbau befindlich“ gekennzeichnet – beim Eingeben unterschiedlicher Straßennamen erscheint so gut wie immer der Vermerk, dass der Ausbau Ende April 2018 abgeschlossen ist. Laut Andreas Meyer könne diese zeitliche Planung aber nicht eingehalten werden.

Werbung, ohne fertig zu sein

Und warum verschickt die Telekom schon Briefe und tätigt Service-Anrufe im Haldensleber Stadtgebiet, in denen für das Surfen mit 50 Mbit/s ab April geworben wird?, schoben die Gäste bei der Telekom-Veranstaltung nach. Das sei sicherlich ein bedauerlicher Fehler, versuchte Andreas Meyer zu beschwichtigen. Nicht immer komme der aktuelle Bearbeitungsstand der einzelnen Ausbaugebiete schnellstmöglich in den Callcentern und anderen Werbeabteilungen der Telekom an. So könne es in Einzelfällen passieren, dass mit Leistungen geworben werde, die noch nicht umgesetzt werden könnten.

Insgesamt, so legte Andreas Meyer noch einmal dar, wolle die Telekom im Haldensleber Stadtgebiet rund 70 Kilometer Glasfaserkabel verlegen und 84 moderne Verteilerkästen aufstellen. Davon würden rund 7800 Haushalte im Kerngebiet von Haldensleben, in Uthmöden, Satuelle und den Siedlungen Hütten und Benitz profitieren. Für diese Gebiete hatte die Telekom eine Ausschreibung gewonnen, nach der sie sich dazu verpflichtet hat, jede Adresse im Ausschreibungsgebiet mit einer Leitungsgeschwindigkeit von 50 Mbit/s zu versorgen. Die Gewerbegebiete erhalten eine Up- und Downloadgeschwindigkeit von 100 Mbit/s. Während die Ortsteile Hundisburg und Wedringen bereits 2017 erschlossen wurden, soll der Haldensleber Ortsteil Süplingen bis zum vierten Quartal des Jahres 2018 ausgebaut werden. Die Telekom erbringt diese Leistung auf eigene Kosten.

50 Mbit/s aus der Steinzeit?

50 Mbit/s – ist diese Rate nicht bereits wieder aus der Steinzeit?, wollte einer der anwesenden Haldensleber bei der Infoveranstaltung wissen. Um eine Grundlage für die Internetversorgung mit höheren Geschwindigkeiten zu schaffen, müsse das Gebiet zunächst erst einmal mit 50 Mbit/s für jede Adresse ausgebaut werden, so Andreas Meyer. Höher sei die Kundennachfrage im Allgemeinen bisher ohnehin nicht, erklärte er. Zum digitalen Fernsehen und der gleichzeitigen Nutzung von Smartphones oder Tablets in einem Haushalt reiche die Geschwindigkeit aus.

Die Telekom setzt bei ihrem Breitbandausbau auf die sogenannte Vectoring-Technik. Dabei laufen zwar Glasfaser-Kabel bis in die Orte, allerdings nur bis zu Verteilerkästen. Die Hausanschlüsse selbst behalten ihre Kupferkabelanschlüsse. Kupferkabel haben gegenüber den Glasfaserkabeln den Nachteil, dass sie mit zunehmender Länge Leitungsverluste einbringen.

Kein Leitungsverlust bei kurzen Kabeln

Privathaushalte, so erläuterte Andreas Meyer auf Nachfrage, könnten sich Kunden auf eigene Kosten auch Glasfaserkabel vom Verteiler aus legen lassen. Das sei in der Regel bei üblichen Entfernungen von 30 bis 40 Metern vom Verteiler bis zum Haus aber nicht notwendig. „Da gibt es keinen Verlust“, so Andreas Meyer. Einen spürbaren Leistungsverlust gebe es bei Kupferkabeln erst ab einer Länge von rund 700 Metern.