Kathendorf l Einfach hatten es sich die Kathendorfer Ortschaftsräte bei ihrer Entscheidung, ob in Rätzlingen noch weitere Windräder gebaut werden sollen, nicht gemacht. Zu den neun Windrädern in den Gemarkungen Rätzlingen, Lockstedt und Bösdorf sollen acht weitere kommen. Obwohl die Entscheidung des Landesverwaltungsamtes noch aussteht, plant ein neuer Investor noch mal sechs zusätzliche Windräder zwischen Rätzlingen und Lockstedt in Richtung Everingen.

Mehr als 200 Unterschriften wurden von Bewohnern der Region gegen die Erweiterung des Windparks gesammelt. Rätzlingens Ortsbürgermeister Wilhelm Behrens (WG Sport) betonte: „Die Auslastung des Raumes für Mensch und Natur ist erreicht.“ Eines der Hauptkriterien war, dass die neuen Windräder noch größer werden, als die, die schon stehen.

"Richtlinien werden eingehalten"

Auf Nachfrage der Volksstimme sagte Projektleiter Frank Buchholz von der Firma Umweltgerechte Kraftanlagen (UKA) aus Meißen: „Jeder Errichtung von Windenergieanlagen geht eine Genehmigung nach Bundesimmissionsschutzrecht voraus. Dabei wird genau geprüft, ob die Richtlinien für Schall, Schatten sowie der Naturschutz eingehalten werden“, so Buchholz.

Während sich die Ortschaftsräte in Everingen und Rätzlinger bei ihren jüngsten Zusammenkünften konsequent gegen die Erweiterung des Windparks aussprachen, stimmte der Ortschaftsrat in Oebisfelde dafür.

Der Kathendorfer Ortschaftsrat hatte zur Entscheidungsfindung um weitere Unterlagen der regionalen Planung gebeten. Und weil sich auch das Gremium in Bösdorf noch positionieren sollte, wurde der Tagesordnungspunkt bei der jüngsten Sitzung des Stadtrates vertagt. „Die neuen Windräder würden ziemlich dicht an der Grenze der Gemarkung Kathendorf stehen. In der Bevölkerung besteht kein Interesse, dass dort weitere Windenergieanlagen gebaut werden“, erklärte Kathendorfs Ortsbürgermeisterin Heike Röhl (parteilos). Der Zweifel der Kathendorfer ist groß, ob die Versprechungen der Windparkbetreiber, wie finanzielle Zuwendungen und hohe Gewerbesteuereinnahmen für die Stadt, eingehalten werden. „Außerdem sind die Netze überlastet. Teilweise weiß man nicht, wohin mit dem Strom. Und trotzdem wird es immer noch subventioniert. Wenn man in letzter Zeit die Nachrichten hört, bekommt man mit, dass die Bundesregierung die Förderung auch zurückfährt. Das passiert ja nicht ohne Grund“, schilderte Heike Röhl ihre persönliche Meinung. Der Stadtrat wird bei seiner Sitzung Mitte Juni über die Windparkerweiterung abstimmen.