Haldensleben l Wie kommen Städte zusammen für eine Partnerschaft? Ganz unterschiedlich. Es muss natürlich irgendwie passen. Und da ist die Größe für viele nicht unwichtig. Die Kleinstadt mit der Metropole, das ist eher selten. Oft sind es Städte aus dem Nachbarland. Meistens gab es schon irgendwie Kontakt, über einen Schüleraustausch, über engagierte Mitglieder von Kulturvereinen, so etwas. Und dann kommt die Anfrage. Und plötzlich wird es offiziell. Oder eben nicht.

Schlimmer noch als eine Absage sei es, einfach gar keine Antwort zu bekommen. Sagt Kastriot Kasmi. Der 50-jährige Haldensleber war im vergangenen Frühjahr mit der Idee einer neuen Städtepartnerschaft ins Rathaus gegangen. Sein Vorschlag: San Severino Marche, ein Ort mit rund 12.000 Einwohnern aus Mittelitalien. Kasmi hatte dort 17 Jahre lang gelebt, bevor er mit seiner Familie vor zehn Jahren nach Haldensleben kam.

Im Sommer, kurz vor seinem Urlaub in Italien, war Kasmi noch einmal im Rathaus. Er wollte wissen, was er der Bürgermeisterin von San Severino Marche sagen solle. Mit ihr hatte er die Idee zuvor schon besprochen. Doch eine Antwort blieb aus. Bis heute.

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Nicht genug Geld im Haushalt

Kasmi ist enttäuscht darüber. „Ich wollte nicht persönlich davon profitieren“, betont er, „ich wollte, dass Haldensleben profitiert.“ Wie genau er sich die Partnerschaft vorstellt? „In jede Richtung, mit Schüleraustausch, was für die Stadt Haldensleben eben passt“, sagt Kasmi. Was er selbst für die Partnerschaft tun will? „Ich hätte alles getan, wenn es für die Stadt gepasst hätte“, sagt Kasmi. Mit einer Antwort rechnet er nicht mehr.

Dass die Stadtverwaltung derzeit keinen Spielraum für eine weitere Städtepartnerschaft sieht, hatte sie unlängst klargemacht. In einer Vorlage für den Stadtrat schlug die Verwaltung vor, „zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren städtepartnerschaftlichen Beziehungen anzustreben.“ Dafür sei im Haushalt der Stadt nicht genug Geld da. Erwähnt wird in der Vorlage auch die Anfrage für eine Partnerschaft von San Severino Marche sowie einer weiteren italienischen Stadt mit dem Namen Guarcino.

Der Stadtrat wollte dieser Einschätzung nicht folgen. Bodo Zeymer, Stadtrat der Grünen, betonte bei der letzten Sitzung: „Wir sollten die Tür für weitere Partnerschaften nicht schließen.“ So sahen es auch andere Stadträte. Entschieden wurde schlussendlich, keinen Beschluss zu fassen. Auf Nachfrage berichtet Stadtsprecherin Stefanie Stirnweiß, dass Anfragen für Städtepartnerschaften „eher selten“ seien. „Wichtig ist aus Sicht der Stadt, dass eine solche Städtepartnerschaft von den Bürgern mitgetragen und gelebt wird“, betont sie. Jährlich seien 12.000 Euro für Städtepartnerschaften im Haushalt vorgesehen, nur im kommenden Jahr stünden 16.000 Euro zur Verfügung, um das 30-jährige Bestehen der Partnerschaft mit Helmstedt zu feiern, erläutert Stirnweiß.

Organisiert wird die Feier vom Städtepartnerschaftsverein. Den gibt es seit 28 Jahren. Mit dem Geld der Stadt belebt der Verein die bestehenden Partnerschaften. Bärbel Ziese ist die Vorsitzende. Sie ist 66 Jahre alt und gehört damit zu den jüngeren Mitgliedern im Verein. Rund 30 Leute seien sie derzeit, berichtet Ziese, einst seien es doppelt so viele gewesen. Zwei bis drei Mal im Jahr kommen Menschen aus dem polnischen Ciechanów zu Besuch, drei bis fünf Mal seien die Helmstedter da. Konzerte, Betriebsbesichtigungen, zum 30-jährigen Bestehen wollen sie kegeln, Volkslieder singen und Kaffee trinken.

Partnerschaftsverein ist verärgert

Ziese ist bewusst, dass der Verein für jüngere Mitglieder attraktiver werden muss, wenn er weiter bestehen will. Das wurde zum Ende des vergangenen Jahres auch vielen anderen Menschen in der Stadt klar, als dem Verein die Auflösung drohte. Erst nach einem öffentlichen Aufruf gelang es, den Vorstand zu besetzen.

Seitdem ist Katharina Zacharias dabei, 29 Jahre alt, Stadträtin für die SPD. „Wir müssen ein Konzept erarbeiten, wie wir attraktiver werden“, sagt sie. Zacharias hat im sozialen Netzwerk Facebook eine Seite für den Verein angelegt. Nur passiert dort noch nicht viel. Dabei seien die Partnerschaften von Haldensleben durchaus überschaubar, betont Zacharias.

Tatsächlich haben andere Städte mit einer ähnlichen Größe sehr viel mehr Partnerstädte. Helmstedt etwa. Die Kreisstadt in Niedersachsen hat acht Partnerstädte in Europa, den USA sowie im asiatischen Teil der Türkei. Helmstedts Bürgermeister und einige Ratsmitglieder sitzen im Vorstand des dortigen Städtepartnerschaftsvereins. Der Verein unterstützt die engagierten Leute um Ziese in Haldensleben.

Derzeit gibt es laut Ziese ein Angebot, die Helmstedter in ihre italienische Partnerstadt Fiuggi zu begleiten. Fiuggi ist die Nachbargemeinde von Guarcino, also jener Stadt, die Haldensleben eine Partnerschaft angeboten hat.

Auf die ablehnende Haltung der Stadtverwaltung zu den Partnerschaftsanfragen reagiert Ziese verschnupft. „Wir sollten es wenigstens versuchen“, sagt sie. Mit ihnen habe darüber niemand geredet. Eine neue Städtepartnerschaft könne auch den Verein beleben und für neue Mitglieder öffnen, betont sie. „Wir sind offen für neue Partnerschaften“, sagt die Vereinsvorsitzende.