Haldensleben l Es sind gute Zeiten für Anbieter von Gäste- betten in Haldensleben. Das belegen die jüngsten Zahlen: Knapp 1500 Übernachtungen mehr als im Vorjahr konnte die Stadt 2019 verbuchen. Ein neuer Rekord. Knapp 15 000 Gäste verzeichneten Hoteliers und andere Gästebettanbieter in der Stadt. Auch das ist ein neuer Rekord. Wer sind die Übernachtungsgäste, die verstärkt nach Haldensleben kommen?

Auf ein „sehr erfolgreiches Jahr“ blickt beispielsweise Roman Behrens zurück, der mit seinem Bruder Daniel das Hotels Behrens in Haldensleben betreibt. Allerdings sieht er den reinen touristischen Aspekt bei den so positiv ausgefallenen Übernachtungszahlen als „ein zartes Pflänzchen“. Denn das Gros der Gäste, so Behrens, seien nach wie vor Geschäftsreisende. „Der Geschäftstourismus ist das Zugpferd“, weiß Behrens, der seinem Haus auch internationales Publikum beschert: so aus den USA, Skandinavien, der Schweiz. Allerdings sei der Radtourismus auf dem Aller-Elbe-Radweg immer mehr im Kommen. So steigen bei ihm vermehrt Menschen ab, die mit der Radkarte die verschiedensten Sehenswürdigkeiten entlang der Route zwischen Seggerde und dem Magdeburger Wasserstraßenkreuz abfahren. „Andere wiederum wollen nur ,Kilometer machen‘“, so der Hotelier, der selbst für sein Haus und die Region kräftig die Werbetrommel rührt. Als Kooperationspartner der Magdeburger Ratswaage präsentiert sich sein Hotel bei verschiedenen Messen.

„Einen richtigen Tourismus haben wir hier gar nicht“, sagt Klaus-Dieter Poege, Betreiber des Waldhotels „Alte Ziegelei“ vor den Toren von Haldensleben. Sein Haus lebt vor allem von Geschäftsreisenden und profitiert damit von den großen Unternehmens-Ansiedlungen in der Kreisstadt wie IFA, Hermes und Euroglas. Zugenommen hätten auch Übernachtungen von ehemaligen Haldenslebern, die einst die Stadt verlassen hatten und nun ihre Heimatregion und ihre Familien wieder besuchen. „Sie schlafen dann auch lieber im Hotel“, weiß er. Ebenfalls an Wochenenden seien hin und wieder mal Kegelgruppen zu Gast. „Das mischt sich gut“, sagt Poege und freut sich deshalb auch über eine gute Auslastung seines Hauses. Dazu würden nicht zuletzt auch die Veranstaltungs-Höhepunkte im nahegelegenen Schloss Hundisburg beitragen.

Trotzdem sieht er auch einiges kritisch. So habe er sich persönlich mehr vom Aller-Elbe-Radweg versprochen, der (noch) nicht so angenommen werde, wie er sich dies erhofft. Mit dem Aus des Fahrgastschiffes „Roland“ sei zudem ein Highlight für die Haldensleber und die Besucher der Stadt weggebrochen. „Der ,Roland‘ fehlt“, so der Eindruck des Hoteliers.

Bahnhofscenter ist erste Adresse

Erste Adresse für auswärtige Gäste ist vor allem das WobauBahnhofscenter. Dessen Leiter Patrick Thräne sieht einen absoluten Trend: „Wir haben ganz viele Tagestouristen hier, die auf eigene Faust die Region erkunden, sich Hundisburg anschauen und dann auch nach Haldensleben kommen“, so Thräne. Diese Besucher blieben meist aber nur ein bis zwei Nächte hier. „Gäste für fünf oder sechs Nächte sind eher die Ausnahme“, weiß der Center-Chef. Merklich zugenommen habe dabei die Zahl der Radtouristen auf dem Aller-Elbe-Radweg. „Da ist schon ein Trend zu erkennen“, sagt er. So ließen sich viele Infomaterial und Karten zusenden sowie das alljährlich aktualisierte Gastgeberverzechnis. Die Klientel, so Thräne, liege dabei bei der Generation 50 plus. „Nach unseren Erfahrungen haben auch die meisten ihr eigenes Rad mit dabei.“ Positiv bemerkbar mache sich, dass Reisende in Sachsen-Anhalt ihr Fahrrad kostenlos im Zug mitnehmen können. Und wer kurzfristig Haldensleben per Rad erkunden möchte: Am Bahnhof stehen zwei E-Bikes zur Ausleihe bereit. „Dieses Angebot ist aber nicht nur für Touristen, sondern auch für Einheimische“, betont Patrick Thräne.

Die Werbetrommel für Haldensleben rührt die Touristinfo am Bahnhof mit der Stadtverwaltung bei gemeinsamen Messeauftritten, wie zuletzt in Potsdam und Magdeburg.

Für Stadtsprecher Lutz Zimmermann zeigt die Entwicklung der Tourismuszahlen, dass die Schwerpunkte richtig gesetzt würden: „In Haldensleben ist der Tourismus nicht strukturprägend – trotzdem haben wir mit dem Schloss-Park-Komplex und den anderen Anziehungspunkten in Hundisburg ein Ziel, dessen Anziehungskraft weit über den Landkreis hinausgeht. Das bewerben wir schwerpunktmäßig“, so Zimmermann. Auch der stetig wachsende Radtourismus und die erfreulich stabile Entwicklung des Sportboothafens würden in der städtischen Bewerbung als Tourismusstandort eine wesentliche Rolle spielen. „Glücklicherweise ist die Stadt Haldensleben nach wie vor finanziell in der Lage, auf zahlreichen Messen und Präsentationen die Vorzüge der Region auch präsentieren zu können.“

Eine Herausforderung der nächsten Zeit sei es, die touristischen Infrastruktur weiter zu verbessern und für mehr digitale Angebote und Werbung zu sorgen.