Havelberg l Der Messebau ist ein Schwerpunkt in den Möbelwerkstätten der Havelberger Kiebitzberg Gruppe. Dafür gab es in diesem Jahr so gut wie nichts zu tun. Als die ersten Messen stattfinden sollten und die ersten Bauten fertig waren, machte Corona den Plänen einen Strich durch die Rechnung. Einer Absage folgte die nächste. Stattdessen bekam das Unternehmen kurz vorm Jahresende über die Messe Berlin den ambitionierten Auftrag, 1000 Umkleideschränke für vier Impfzentren in Berlin zu bauen.

Spätester Liefertermin wäre der 28. Dezember gewesen und die Mitarbeiter hatten sich schon darauf eingestellt, auch zwischen den Feiertagen zu arbeiten. Doch haben sie die Herausforderung durch Früh- und Spätschichten und Einsätzen an Sonnabenden eher geschafft. Am Montag fuhren die letzten mit Schränken beladenen Lkw nach Berlin, berichtet Andreas Lewerken, Geschäftsführer der Kiebitzberg GmbH & Co. KG. „Der Auftrag kam sehr kurzfristig zu uns. Das Hauptproblem war, die große Menge an weiß beschichteten Spanplatten von der Industrie zu bekommen. Wir benötigten über 600 Stück und haben sie in ganz Deutschland eingekauft. Die zweite Herausforderung war der trotz der Menge sportliche Stückpreis. Aber wir haben alles geschafft, dafür ein großes Dankeschön an unsere Mitarbeiter.“

Mit dem Wissen, Verantwortung dafür mitzutragen, dass die Impfzentren in Berlin pünktlich öffnen können, haben alle an einem Strang gezogen. Betriebsleiter Thomas Franke dankte vergangene Woche den 28 Mitarbeitern und lobte sein Team für diesen schnellen und erfolgreichen Einsatz. „Für uns als Hersteller von Wohn- und Geschäftsmöbeln war diese Herausforderung so kurz vor Weihnachten auch eine Bestätigung, wie leistungsstark wir sind. Ohne die hohe Technisierung des Unternehmens wäre das allerdings nicht möglich gewesen“, erklärt Andreas Lewerken. Täglich fuhren seit der vergangenen Woche Lkw voll beladen in die Hauptstadt.

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Der Auftrag kam vom langjährigen Partner Messe Berlin, der nun für die Impfzentren verantwortlich ist.

Kreuzfahrtschiffe fehlen

„Wir sind seit Jahren für die Messen in Berlin zuständig und haben nun statt Messebauten die Umkleideschränke für das technische Personal in den Impfzentren hergestellt.“ Dieser Auftrag ist nur ein kleiner Ausgleich für all das, was in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie weggebrochen ist. Normalerweise läuft von Januar bis März in den Möbelwerkstätten der Messebau, dann noch mal im Sommer und im Dezember beginnen die Vorbereitungen für die nächste Messesaison. Dass es im nächsten Jahr vielleicht ab Sommer wieder Messen geben wird, wenn auch verstärkt für Fachpublikum mit weniger Besuchern, hofft Andreas Lewerken. Ein anderer wichtiger Zweig, der gut 50 Prozent der Produktion ausmacht, ist der Ausbau von Kreuzfahrtschiffen, in dem Kiebitzberg seit 15 Jahren mitmischt. „Irgendwann werden auch die Kreuzfahrer wieder starten, aber sicher verhaltener.“

Die Möbelwerkstätten haben ihre Produktion in diesem Jahr wieder verstärkt auf den Privatkundenbereich ausgerichtet. Für Arztpraxen etwa werden Innenausstattungen vorgenommen. „Auch für Krankenhauseinrichtungen von der Notaufnahme bis zu Patientenzimmern sind wir tätig“, berichtet der Geschäftsführer im Gespräch mit der Volksstimme. Dass der Markt im Messe- und Schiffsbau wieder anspringen wird, lässt ihn positiv in die Zukunft blicken. Gut zu tun gibt es auch auf der Havelberger Werft.

Mit Sorge blickt er dagegen auf das Hotel, das nach dem Frühjahr seit November wieder coronabedingt geschlossen ist. „Vor Ostern wird da wohl nicht viel passieren. Noch haben wir keine Perspektive, können keine Veranstaltungen planen. Wir hoffen, dass das Personal bis zur Wiedereröffnung nicht komplett in andere Branchen abgewandert ist. Mit diesen Sorgen stehen wir aber nicht allein und ich denke auch an all die Kulturschaffenden, für die diese Situation besonders schlimm ist.“