Stadtentwicklung

Junge Leute aus Havelberg beschäftigen sich mit der Zukunft ihrer Stadt

Wie sieht die Jugend aus Havelberg ihre Stadt bis zum Jahr 2035? Vorschläge zur Stadtentwicklung haben Mädchen und Jungen in einer Ideenwerkstatt zusammengetragen.

Von Andrea Schröder
Thomas Will (rechts) zeigt Bürgermeister Bernd Poloski, welche Wünsche die Kinder und Jugendlichen für ihre Stadt haben.
Thomas Will (rechts) zeigt Bürgermeister Bernd Poloski, welche Wünsche die Kinder und Jugendlichen für ihre Stadt haben. Foto: Andrea Schröder

Havelberg - Was soll bleiben, was verändert, was neu geschaffen werden? Fragen, mit denen sich Kinder und Jugendliche mit Blick auf die Fortschreibung des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes 2035 Havelberg (ISEK) in einer Ideenwerkstatt intensiv beschäftigt haben. Dazu eingeladen hatte das Kulturprojekt Stadtinsel auf den Künstlerhof an der Buchstation. Viele Teilnehmer kamen aus dem Jugendzentrum in der Uferstraße mit Juze-Chef Thomas Will und Betreuerin Margit Riek.

Tillmann Lohse vom Kulturprojekt hieß die Gäste willkommen. Um die Kreativität zu entfalten und das Wir-Gefühl und den Mut, was zu sagen, zu entfachen, hatte Heike Zohm für den Beginn ein Theaterspiel vorbereitet, das den Nachmittag für die 21 Teilnehmer im Alter von 7 bis 17 Jahren wunderbar einleitete. Rund zwei Stunden später hatte sich die Tafel mit Ideen zu Themen wie Freizeit, Bildung und Kultur gut gefüllt. Bürgermeister Bernd Poloski (parteilos) sowie Simon Grimm und Inga Möller von den „Raumplanern“ aus Berlin – das Planungsbüro begleitet die Fortschreibung des Entwicklungskonzeptes – hörten gespannt zu, was sich die Jugend für die Zukunft in ihrer Stadt wünschen.

Angesichts der hohen Temperaturen an diesem Nachmittag ist es wohl kein Wunder, dass Badestellen als Erstes angesprochen worden sind. Zwar gibt es ein Erlebnisbad, doch wünschen sich die jungen Leute auch gute Bademöglichkeiten an der Havel. Zum Beispiel am Slawendorf-Spielplatz an der Landzunge. Dort müsste Sand aufgeschüttet und der Weg angeglichen werden.

Trimm-Dich-Pfad für alle

Ein ganz wichtiger Punkt ist ihnen die Schaffung einer Mehrzweckhalle, die zum Beispiel als Kultur-, Veranstaltungs-, Vereinshaus und Kinosaal genutzt werden könnte. Dafür würden sich der alte „Rossmann“ oder die alte Turnhalle an der früheren Sekundarschule eignen, hatten die Kinder und Jugendlichen Vorschläge, wo so etwas entstehen könnte. Einen festen Platz für die Malwerkstatt, Puppentheater sowie Räume etwa zum Musizieren oder für Akrobatik könnte sich Havelbergs Nachwuchs dort ebenso vorstellen.

Verbesserungen sind für den Bolzplatz in der Oberstadt am sogenannten Oxi-Graben gewünscht. Er könnte mit Kunstrasen versehen werden, damit man sich beim Sturz nicht gleich die Knie aufschlägt. Auch ein Zaun wäre gut, damit die Bälle nicht rausfliegen, sagte ein Jugendlicher. Für Jung und Alt wäre ein Trimm-Dich-Pfad gedacht, der auf dem Bolzplatz oder auf der Spülinsel dazu einladen würde, sich auszupowern. „Nicht jeder hat die Möglichkeit, im Sportverein mitzumachen, weil die Mitgliedschaft Geld kostet“, gab ein Jugendlicher zu bedenken.

Ein anderes wichtiges Thema ist der Öffentliche Personennahverkehr. Es gebe viel zu wenig Busse. Wer vom Dorf in die Stadt will, hat ein Problem, wenn er nicht mit dem Auto fahren kann. Und von einigen Dörfern fehlen gute Radwegeverbindungen in die Stadt.

Erhalten wollen die Jugendlichen auf jeden Fall das Jugendzentrum, das nicht nur eine gute Freizeiteinrichtung ist, sondern auch Rückzugsort bei Problemen etwa in der Familie. Dort gibt es auch immer jemanden zum Reden. Freuen würden sich junge Leute, wenn die Öffnungszeiten an Wochenenden noch verlängert werden könnten.

Mit Blick auf Ausbildung und Studium wissen die Kinder und Jugendlichen, dass viele von ihnen dafür ihre Heimatstadt verlassen müssen. Wer würde denn danach wieder nach Havelberg zurückkehren oder generell hier vor Ort bleiben wollen, fragte der Bürgermeister. Bei etwa drei Viertel der Teilnehmer gingen die Arme hoch. Vorausgesetzt, so manches, was heute noch im Argen liegt, ließe sich verbessern.

Jugendliche haben auf dem Künstlerhof des Kulturprojektes Stadtinsel ihre Vorschläge für die Stadtentwicklung in Havelberg zusammengetragen.
Jugendliche haben auf dem Künstlerhof des Kulturprojektes Stadtinsel ihre Vorschläge für die Stadtentwicklung in Havelberg zusammengetragen.
Foto: Andrea Schröder

Stadt ist interessiert an den Ideen

Das Stadtentwicklungskonzept hat genau das zum Ziel. Arbeitskreise zu verschiedenen Themen, Bürgerbefragung und Umfrage unter Grundschülern gehörten bereits zur Ist-Analyse und der Sammlung von Vorschlägen. Nun fließen auch die Ideen der Jugendlichen bei der Erarbeitung mit ein. Geschaut wird, was machbar wäre. Ein Mc Donalds wird es nicht sein, reagierte der Bürgermeister auf einen entsprechenden Wunsch an der Tafel. Das hat marktwirtschaftliche Gründe. „Sandauffüllungen an Badestellen sind dagegen sicher möglich und der Trimm-Dich-Pfad ist eine ganz tolle Idee, das kann ich mir gut vorstellen.“

In Bezug auf ein „Kulturhaus“ mit diversen Angeboten in der alten Sporthalle berichtete Bernd Poloski vom Bildungscampus in dem Bereich, der in der Diskussion zum ISEK bereits vorgeschlagen wurde. Wichtig sei ihm, dass das Jugendzentrum auf der Stadtinsel bleibt. Das trägt zur Belebung der Altstadt bei. Wichtig sei aber auch eine sichere Finanzierung, damit der aktuell alljährlich erforderliche Kampf ums Geld ein Ende nimmt. Er berichtete vom Skaterpark, der gerade im Lindenweg entsteht. Beim Oxi-Graben müsse sich die Stadt entscheiden, was sie künftig will: Einen Platz für Kinder und Jugendliche oder einen Grünpark? „Für uns ist wichtig, dass das, was wir in das Konzept schreiben, für euch auch wirklich wichtig ist.“ In Bezug auf Ausbildung regte der Bürgermeister an, mit Schulen und Unternehmen darüber zu sprechen, welche Möglichkeiten es gibt, beide Seiten zusammenzubringen.

Bereit für ein Ehrenamt

„Wir haben schon viele Ideen erhalten und schauen nun genauer, was davon realistisch umgesetzt werden könnte und woher wir dafür Geld bekommen. Dann diskutieren wir mit der Stadt, was genau mit ins Konzept hineinkommt“, sagte Inga Möller. Erklärt haben die Kinder nicht nur ihren Wunsch, in Havelberg zu bleiben oder wieder zurück zu kommen. Sie würden sich auch ehrenamtlich zum Beispiel in einem Kulturhaus engagieren. „Wenn alle wegziehen, verrottet das hier“, sagte ein Mädchen.