Magdeburg l Aus einer Baumscheibe ein Hochbeet zu machen – das geht nicht. Ansonsten dürfte aber in Zukunft verstärkt der grüne Daumen der Magdeburger gefragt sein, wenn es um die florale Verschönerung der eigenen Straße geht. Der Eigenbetrieb Stadtgarten und Friedhöfe Magdeburg (SFM) arbeitet derzeit an einem entsprechenden Programm. Konkrete Preise für die Baumscheiben-Patenschaften konnten auf Nachfrage der Volksstimme aber noch nicht genannt werden.

Hintergrund der Aktion: Immer wieder verschwinden alte Bäume von den Straßen. Weil sie zu alt sind. Weil ein Sturm ihnen den Garaus gemacht hat. Weil ein Auto dagegen gefahren ist. Und immer wieder sind Passanten und Anwohner verärgert, wenn nicht nachgepflanzt wird. Doch ob ein neuer Baum gesetzt werden kann, bedarf oft umfangreicher Abstimmungen. Simone Andruscheck ist Betriebsleiterin des SFM und erläutert: „Unter anderem müssen stadtplanerische und denkmalschützerische Belange berücksichtigt werden.“

Wurzeln zerstören Leitungen

Sprich: Ein Baum, der 70 Jahre an einem Platz stand, kann durchaus in einem Gebäude­ensemble stören, das 100 Jahre alt ist. Vor allem aber: Leitungen können den Wurzeln der Bäume im Weg liegen. Während Ver- und Entsorger dies bei alten Bäumen im Bestand teils zähneknirschend in Kauf nehmen, achten sie bei Neupflanzungen darauf, dass nicht so dicht über ihren Leitungen gepflanzt wird und so Wurzeln zu Schäden führen könnten. Wenn dies geschieht, würden sie nämlich bei möglichen Havarien durch die Wurzeln heutzutage gepflanzter Bäume versuchen, sich das Geld von der Stadt zurückzuholen und die Kosten nicht auf ihre Kunden abzuwälzen.

Angesichts der Dichte an Leitungen im Magdeburger Untergrund lässt sich leicht erraten: An vielen Stellen gibt es Konflikte, wo in der Vergangenheit gepflanzt wurde, ohne mögliche Schäden in der Zukunft einzukalkulieren.

Hundeklo ist keine Alternative

Doch was tun mit den frei gewordenen Baumscheiben? Die einfachste Lösung in der Vergangenheit: Das Stück blanker Boden inmitten der Stein- und Asphaltflächen der Stadt wird nur noch als Hundeklo genutzt. Bei der übergroßen Zahl der Menschen hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass dies zwar eine sehr praktikable, aber ebenso unhygienische Variante zur Nachnutzung einer Baumscheibe ist.

Wie Simone Andruscheck berichtet, soll das Pflegen von Baumscheiben analog zur Aktion „Mein Baum für Magdeburg“ den Bürgersinn befeuern, sich selbst um die Umgebung zu kümmern. Bei der Baum-Pflanzaktion unterstützen Magdeburger finanziell die Pflanzung von neuen Bäumen. Die Aktion ist so erfolgreich, dass die Stadt nicht mehr alle Wünsche von Menschen, die spenden möchten, befriedigen kann. Schon gar nicht, wenn es um bestimmte Standorte geht.

Blumenaktion startet in Magdeburg-Stadtfeld

Start der neuen Blumenaktion ist in Stadtfeld. Dieser Stadtteil leidet besonders darunter, dass Bäume nicht wieder ersetzt werden. Aus ähnlichem Grund ist Sudenburg ein Baumscheiben-Krisengebiet. In Rothensee sind viele Bäume aus dem Stadtbild verschwunden, da hier wegen der Funde des Asiatischen Laubholzbockkäfers umfangreich gefällt wurde.

In diesen Wochen jedenfalls möchte der SFM im östlichen Stadtfeld in Zusammenarbeit mit dem Geschäftsstraßenmanagement für diese Aktion verstärkt werben.

Pflanzpakete sollen Bürgern helfen

Dabei geht es nicht allein darum, für eine Bepflanzung geeignete Stellen zu finden. Denkbar, so Simone Andruscheck, sei dabei auch, dass die von Magdeburgern betreuten Baumscheiben mit Schildern gekennzeichnet werden, auf denen auf Wunsch über die Baumscheibenpaten informiert werden könnte. Sicher böte sich hier auch die Gelegenheit, über die Aktion zu informieren, hieß es während einer Sitzung des Umweltausschusses.

Als nicht praktikabel stufte die SFM-Chefin die Idee ein, alle geeigneten, bislang unbewirtschafteten Flächen mit entsprechenden Schildern zu markieren und um Baumscheibenpaten zu werben.

Magdeburg stellt Pakete zusammen

Es geht auch darum, all jenen, die nicht für eine Baumscheiben-Patenschaft umfangreich Literatur wälzen möchten, ganze Bepflanzungspakete zusammenzustellen. „Diese enthalten Vorschläge für die Bepflanzung an schattigen oder sonnigen Standorten“, erläutert Simone Andruscheck.

Festgelegt sind diejenigen, die das Grün vor der Tür voranbringen möchten, auf die vom SFM geschnürten Pakete übrigens nicht. Eine wichtige Einschränkung ist nur, dass die Bepflanzung zu keiner Sichteinschränkung oder Behinderung des Verkehrs führen darf.

Projekte gibt es bereits

Auch wenn der Stadtgartenbetrieb das Engagement von Menschen, die sich um die Pflanzen kümmern, sie gießen und pflegen und gegebenenfalls auch den Unrat und Abfall, der auf eine Baumscheibe geworfen wird, einsammeln, jetzt ankurbeln möchte: Schon längst gibt es die Möglichkeit, sich um öffentliches Grün zu kümmern. Diese Chance gibt es sogar schon recht lange: Die Möglichkeit, eine Pflegevereinbarung für bestimmte Flächen abzuschließen, besteht bereits seit mehr als 20 Jahren.

Interessenten können sich im Eigenbetrieb Stadtgarten und Friedhöfe Magdeburg unter der Rufnummer 0391/73683 informieren.