Nacht der Zerstörung Bombenangriff am 16. Januar 1945: Wie die Magdeburger Altstadt in Trümmern versank
Die schwerste Zerstörung seit 1631 erlebte Magdeburg zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Ein Rückblick.

Magdeburg. - Magdeburg erinnert am 16. Januar der Zerstörung weiter Teile der Innenstadt. Am Abend jenes Wintertags 1945 wurde das Stadtzentrum innerhalb weniger Minuten zu einer brennenden Trümmerlandschaft bei einem Bombardement, das alles Bisherige in den Schatten stellte.
Mit rund 340.000 Einwohnern war Magdeburg damals Verkehrs- und Industriestandort, wichtig für Metallverarbeitung, Maschinenbau, Rüstungsproduktion und Chemie. Panzerteile, Munition, Motoren – kaum ein Bestandteil der deutschen Kriegswirtschaft, der nicht irgendwo im Stadtgebiet gefertigt, gelagert oder transportiert wurde. Darüber hinaus war Magdeburg Verwaltungszentrum, Hafenstadt und Handelsplatz – ein Knotenpunkt am Wasserstraßenkreuz von Elbe, Mittellandkanal und Elbe-Havel-Kanal.
Diese strategische Rolle machte Magdeburg schon früh zum Ziel alliierter Angriffe. Damals, als der Krieg längst nach Deutschland als Ausgangsort zurückgekehrt war, hatte Magdeburg schon etliche Luftangriffe erlebt: Zwischen 1940 und 1945 hatte es rund drei Dutzend Bombardierungen gegeben.
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Gegen kurz nach 21 Uhr erreichte am 16. Januar ein großer Bomberverband der britischen Royal Air Force die Stadt. Die Maschinen hatten zuvor per Funkstörung deutsche Abwehrsysteme getäuscht und damit den Überraschungsmoment auf ihrer Seite. Zuerst schlugen schwere Minenbomben in Wohnblöcken und Geschäftsstraßen ein, rissen Dächer fort und öffneten Gebäude. Nur Minuten später folgten Brandkörper, die sich in Dächern festfraßen.
So entstand ein Feuersturm, wie ihn später Überlebende und Historiker so beschrieben: Temperaturen von bis zu 800 Grad, brennender Asphalt, Luft, die aus den Straßen gesogen wurde. Wer nicht fliehen konnte, hatte keine Chance. Viele der Schutzräume, auf die die Stadt vertraut hatte, wurden zur Falle: In den Luftschutzkellern erstickten die Menschen, während brennende Fassaden darüber einstürzten.
Als die letzten Bomben detonierten, waren rund acht Quadratkilometer der Innenstadt zerstört: das Gebiet zwischen Hauptbahnhof, Hasselbachplatz, Alter Neustadt und Elbe. Die Menschen kämpften tagelang gegen Brände und versuchten, Verschüttete zu retten – oft mit bloßen Händen, ohne Wasser, ohne Licht.
Die Zahl der Opfer lässt sich auch Jahrzehnte später nicht exakt benennen. Historiker nennen heute etwa 2.000 Tote, doch einige Quellen berichten von mehreren Tausend. Fest steht: Zehntausende wurden verletzt oder obdachlos, ganze Familien verschwanden. Wer überlebte, fand oft nur Schutt, verkohlte Mauern und rauchende Trümmer wieder.