Abspaltung geplant

CSD-Verein will eigene Wege gehen

Hinter den Kulissen des Christopher Street Days rumort es. Der Magdeburger CSD-Verein will sich vom Landesverband abspalten.

Magdeburg l Laut CSD Magdeburg e. V., der die „Christopher Street Day“-Aktionswochen organisiert, war es der bislang größte CSD in Magdeburg. 13 Fahrzeuge und laut Veranstalter „mehr als 2000 Teilnehmer“ zogen 2018 durch Magdeburg. Der bunte Zug mit Musikwagen, Regenbogenfahnen und Transparenten führte über 7 Kilometer durch Magdeburg zum Alten Markt, wo der Abschluss der diesjährigen CSD-Aktionstage gefeiert wurde.

In den zwei Wochen davor hatte es viele Veranstaltungen von Vereinen und Einrichtungen gegeben. So hatte der Lesben- und Schwulenverband Sachsen-Anhalt e. V. (LSVD) zur Lesbischwulen Literaturnacht und zum politischen Streitgespräch eingeladen, während der CSD-Verein u. a. das große Sportfest bei SV Arminia organisierte.

Am Ende seien die CSD-Tage 2018 ein starkes gemeinsames Statement für Toleranz und die Rechte der lesbisch-schwulen Gemeinschaft gewesen. Da sind sich der Vorstand des CSD Magdeburg e. V. und der LSVD-Landesvorstand einig.

Dennoch: Hinter den Kulissen geht es momentan nicht ganz so harmonisch zu. Es gibt Streit über die künftigen Organisationsstrukturen. Der CSD Magdeburg e. V., 2011 eigens zur Organisation der jährlichen CSD-Tage in Magdeburg gegründet, sieht sich inzwischen so gestärkt, dass er künftig nicht mehr als Unterverein des LSVD-Landesverbandes firmieren, sondern lieber eigene Wege gehen will.

„Wir haben fast 50 Mitglieder. Wir sind jetzt stark genug, um als gänzlich eigenständiger Verein zu agieren“, argumentiert Falko Jentsch vom Vorstand des Magdeburger CSD-Vereins. Der Verein erhofft sich u. a. finanzielle Unabhängigkeit. Er beklagt, dass es vom Landesverband in den letzten Jahren kaum finanzielle und organisatorische Unterstützung gegeben habe.

Der Schritt sei zudem „nur konsequent“, da der CSD Magdeburg e. V. „schon seit Jahren mit seinen Veranstaltungen über das ganze Jahr in Magdeburg und Umgebung deutlich vertreten“ sei, so Jentsch.

Doch um die Eigenständigkeit erlangen zu können, bedarf es einer Satzungsänderung, für die eine Zweidrittelmehrheit aus Mitgliedern beider Vereine notwendig ist. Dazu soll am 28. September 2018 auf einer turnusmäßigen Mitgliederversammlung abgestimmt werden. Falko Jentsch nennt den Termin „richtungsweisend“ und wirbt um neue Mitglieder, „die uns bei diesem Schritt mit ihrer Stimme unterstützen wollen“.

Matthias Fangohr, Mitglied im Landesvorstand des LSVD – des „Noch-Muttervereins“ also, hat die Einladungen an die rund 90 LSVD-Mitglieder für den 28. September auf den Postweg gegeben. Und hier, wie er der Volksstimme sagte, für die Beibehaltung der bisherigen Struktur geworben.

Fangohr, seinerzeit selbst Gründungsmitglied des CSD-Vereins Magdeburg, kann die Begründung für die geplante Abspaltung nicht nachvollziehen. Der Verein sei jetzt schon rechtlich und finanziell selbstständig. Einen Richtungsstreit sieht er indes nicht. „Das ist ein demokratischer Vorgang zu einer formellen Frage, über die wir demokratisch abstimmen.“

Egal, wie die Entscheidung ausfalle. Der LSVD werde den CSD-Verein Magdeburg „weiterhin tatkräftig unterstützen“, macht Fangohr deutlich. Wichtig sei, in der Sache weiterhin mit einer Stimme zu sprechen, beschwört er alle Beteiligten. Das wiederum sieht auch CSD-Vorstand Falko Jentsch so.