Städtebau

Der „Weiße Riese“ für Magdeburger City

In der Magdeburger Innenstadt wird der Bau eines weiteren Hochhauses auf den Weg gebracht. Am 14. Juli 2021 stellt die MWG Details zum Projekt vor.

Von Martin Rieß 14.07.2021, 08:37
Der Neubau soll sich an der Kreuzung Breiter Weg/Julius-Bremer Straße in Magdeburg in eine Baulücke einfügen.
Der Neubau soll sich an der Kreuzung Breiter Weg/Julius-Bremer Straße in Magdeburg in eine Baulücke einfügen. Visualisierung: Sattler + Täger Architekten/MWG

Magdeburg - Jetzt ist es raus: Das vom Magdeburger Bauunternehmen Töpel zunächst vorgestellte Hochhaus, das auf der Ecke Breiter Weg/Julius-Bremer-Straße entstehen soll, soll im Auftrag der Magdeburger Wohnungsgenossenschaft (MWG) entstehen. Mehr noch: Das Unternehmen möchte hier seinen Sitz einnehmen. Auf weitere Details, unter anderem zur öffentlichen Nutzung des neuen Gebäudes, wollte MWG-Vorstandssprecher Thomas Fischbeck noch nicht eingehen. Er verweist auf die für den 14. Juli 2021 für die Presse angesetzte Präsentation des Vorhabens.

Klar ist aber bereits jetzt: Mit dem Neubau wird eine Lücke in der Magdeburger Innenstadt geschlossen, die im Zweiten Weltkrieg entstanden war. Im Zuge des Aufbaus einer neuen City ab den 1950er Jahren hatten die Planer die Fläche zwischen den Giebelwänden des Marietta-Blocks am Breiten Weg und den Altmarkt-Arkaden unter anderem mit Teilen der Stadtverwaltung frei gelassen. Auf der gerade einmal 350 Quadratmeter großen Fläche soll ein neues Hochhaus mit zwölf Etagen entstehen.

Investor beugt sich in Sachen Fassade dem Druck

Ursprünglich war geplant, dass die Fassade von einer textilen Oberfläche geprägt wird. Das hatte seinerzeit für fragende Blicke bei Magdeburger Stadträten und im Gestaltungsbeirat gesorgt – die Idee fiel durch, obwohl in Magdeburg längst Gebäude mit einer ähnlichen Oberfläche stehen: Sowohl das Dach über dem Westeingang des Hauptbahnhofs am Konrad-Adenauer-Platz als auch der Jahrtausendturm im Elbauenpark gelten als gelungene Beispiele für moderne Architektur.

Dem öffentlichen und politischen Druck gaben die Investoren aber letztlich nach und setzen nun auf eine herkömmliche Fassadengestaltung. Wie die daraufhin erstellten Visualisierungen nun aber zeigen, bedeute dies keine geradlinige Tristesse, wie sie mit unstrukturierten Fassaden an vielen Stellen in ganz Deutschland entstanden sind. Dabei setzen die Bauherren weiter auf Stahl und Beton.

Gegliederte Fassade könnte Akzente setzen

Doch Blöcke mit jeweils zwei Etagen werden gegeneinander versetzt und setzen einander in schlängelnden Linien leicht verspielt in Szene. Gerade mit Blick auf die sehr begrenzte Grundfläche wäre auch eine schlichtere und geradlinigere Fassadengestaltung denkbar gewesen – so wie es bei vielen Gebäuden in der Nachbarschaft zu sehen ist.

Aufgrund des Zuschnitts des Grundstücks für das Gebäude kommt die Fassadengestaltung insbesondere in der Blickrichtung von West nach Ost zur Geltung – von der Julius-Bremer-Straße in Höhe Karstadt also in Richtung Jakobstraße. Mit seiner hellen Fassade wirkt das Gebäude von hier wie ein schlanker, weißer Riese.

Mit seiner Höhe soll sich der Neubau übrigens an der Umgebung orientieren. Seit Jahrzehnten prägt der heutige Katharinenturm der Wobau, das frühere Haus der Lehrer (HdL), das Bild des Nordabschnitts des Breiten Wegs. In den vergangenen Monaten ist auf der anderen Seite des geplanten Projekts mit dem Eckturm des neuen Blauen Bocks ein weiterer Gegenpol zur von der MWG geplanten Investition in die Höhe gewachsen.

Plan für großes Haus und große Pläne für die Häuser

Im südlichen Bereich des Breiten Wegs sind zwei weitere Hochhäuser im Bereich des Domviertels entstanden, die ähnlich hoch sind. Eines von diesen wurde ebenfalls von der MWG gebaut und ist bereits in Nutzung, das andere gehört der Wobau und wird derzeit ausgebaut. Älteren Datums sind in der Magdeburger Altstadt das höchste Wohngebäude der Stadt in der Jakobstraße (Wobau), der Campustower und schräg gegenüber der Eckturm des IBM-Gebäudes, die beide der Getec gehören, das Hochhaus in der Gustav-Adolf-Straße 2 sowie das älteste Hochhaus der Stadt mit dem Sitz der Volksstimme in der Bahnhofstraße 17. Noch im Entstehen ist die Lange Luise der MWG mit zwanzig Etagen in der Erzbergerstraße.

Abseits der Altstadt laufen Planungen für einen Hochhausneubau am Damaschkeplatz. Und in der Stadtpolitik wird ein Hochhauskonzept diskutiert, um den Bau weithin sichtbarer Häuser zu steuern.

Der „Weiße Riese“ in Magdeburg ist aufgrund des Grundstückszuschnitts mit Blick aus Richtung Westen ein schlanker Genosse.
Der „Weiße Riese“ in Magdeburg ist aufgrund des Grundstückszuschnitts mit Blick aus Richtung Westen ein schlanker Genosse.
Visualisierung: Sattler+Täger Architekten/MWG