Magdeburg l Immer wieder gehen nachts in Magdeburg Mülltonnen in Flammen auf, zuletzt am frühen Sonntagmorgen in Stadtfeld-Ost. Doch obwohl ein 22-jähriger Magdeburger mehrfach vor Ort als Tatverdächtiger gefasst wurde und er die Brandstiftungen laut Polizei teils sogar einräumt sowie die Gefahr der Wiederholung besteht, sitzt er nicht in U-Haft. Wie kann das sein? Fragen und Antworten im Überblick:

▶ Als welche Straftat wird die Brandstiftung eingestuft?

„Das Inbrandsetzen von Müllbehältern erfüllt regelmäßig nur den Straftatbestand der Sachbeschädigung“, erklärt Staatsanwalt Armin Gebauer auf Volksstimme-Nachfrage.

▶ Welche Gründe würden eine U-Haft rechtfertigen?

Gründe können – vereinfacht gesagt – sein: Fluchtgefahr, Verdunklungsgefahr oder Wiederholungsgefahr. So regelt es die Strafprozessordnung in den Paragrafen 112 und 112a. Die ersten zwei Punkte scheiden in diesem Fall wohl aus.

▶ Die Wiederholungsgefahr ist in diesem Fall durchaus gegeben. Warum sitzt der Magdeburger trotzdem nicht in U-Haft?

Die Wiederholungsgefahr gilt nur für bestimmte Straftaten. Diese sind in der Strafprozessordnung aufgelistet. „Die nach Paragraf 303 des Strafgesetzbuches (StGB) strafbare Sachbeschädigung ist hierin nicht enthalten“, so Gebauer auf Volksstimme-Nachfrage.

Fazit: Trotz mehrfacher Brandstiftungen sind laut Gebauer keine Haftgründe ersichtlich. Die Taten des Magdeburgers sind schlichtweg nicht schwerwiegend genug.

Der 22-Jährige beschäftigt die Polizei mindestens seit Sommer 2020. Zwischen 6. und 31. Juli brannten Mülltonnen unter anderem in der Otto-von-Guericke-Straße, in der Behringstraße, in der Großen Diesdorfer Straße, in der Friesenstraße und in der Annastraße. Zudem wurden Sonnenschirme eines Cafés in der Goethestraße abgefackelt. Mitte September brannten abermals Mülltonnen in der Altstadt. Zuletzt waren Behälter in Stadtfeld-Ost betroffen. Alle Vorfälle konnten dem 22-Jährigen zugeordnet werden.