Magdeburg l 210 Millionen Euro Gesamtkosten bis zum Ende 2022 erhofften Bauabschluss – eine Ratsmehrheit hat bei vielen Enthaltungen aus den Reihen von Grüne/future! und der Linken zähneknirschend ja gesagt zum neuen Kosten- und Zeitplan für die Tunnelbaustelle.

Die Tunnelgeschichte lässt sich – das städtische Marketingmotto ins Negative verkehrt – mit Ottos eigener Steigerungsformel übersetzen: teuer, teurer, Tunnel. Von 2004 angenommenen 34 Euromillionen werden schon Jahre vor dem Baustart und erst recht danach alle Latten nach oben gerissen – Klagen, Planungsfehler, Rechtsstreitigkeiten, Verzögerungen begleiten die Bauarbeiten bis heute. Im Stadtrat sind fast alle Fronten nach Jahren der Quälerei mit der Problembaustelle des Schimpfens müde.

Zur Debatte am Donnerstag tritt neben dem Oberbürgermeister nur noch einer der von Anfang an entschiedensten Tunnelfeinde mit einer vorbereiteten Rede in die Bütt, der Grüne Jürgen Canehl. Einen „Scherbenhaufen“ nennt er das Projekt, erinnert an frühe Warnungen und konstatiert trotz Kostenschocks geringen Nutzen nach Fertigstellung. „Für die Drucksache werden wir nicht stimmen. Das kann niemand erwarten“, schließt Canehl und wünscht sich namens seiner Fraktion dennoch, dass der neue Plan zur Finanzierung und Fertigstellung endlich zum schlechten Ende führe.

Keine Alternative zum Kostenplan

SPD-Fraktionschef Jens Rösler, selbst kein ausgemachter Tunnelfreund, rügt die Grünen für ihre Enthaltung zur Sache. „Denn worum geht es jetzt? Wir brauchen dringend die Fertigstellung und haben keine Alternative.“ Die SPD stimme der neuen Draufgabe zu, auch wenn „das Projekt vom Kosten-Nutzen-Verhältnis her völlig inakzeptabel“ sei, so Rösler. „Ich habe mir das vor zehn Jahren nicht vorstellen können.“

„Hoffentlich bald vom Tisch“, wollen auch FDP/Tierschutzpartei das Thema haben, kündigt Fraktionschef Burkhard Moll das Ja zum Fortgang an. AfD-Fraktionschef Frank Pasemann sagt ungefähr das Gleiche und zitiert das Kanzlerinnenwort von der Alternativlosigkeit.

CDU-Mann Reinhard Stern, seine Reihen hatten den Tunnelbau vehement unterstützt, kündigt Zustimmung seiner Fraktion an, äußert aber Zweifel an der Haltbarkeit der neuen Pläne. „Ende 2022, das ist der von uns gesetzte Termin zur Fertigstellung. Einen konkreten Bauzeitplan haben wir nicht und seit Februar keine Information über aktuelle Nachträge im Finanzausschuss.“ Auch ob die 210 Millionen Euro halten, sei nicht gewiss. Stern: „Nach bestem Wissen und Gewissen können wir heute davon ausgehen, dass wir eventuell mit dieser Summe stehen können.“ Der Linke René Hempel setzt keinen Pfifferling drauf: „Ich glaube nicht, dass es das Ende der Fahnenstange ist.“

Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) räumt ein, dass die Fertigstellung in zwei Jahren eine „enorme Aufgabe“ sei. Den neuen Kostenplan nennt Trümper „realistisch“, Risiken aber „nicht hundertprozentig ausgeschlossen“.