Magdeburg l Ende April 2018 berichtete die Volksstimme über eine verschärfte Lage an der Tunnelbaustelle und eine Fertigstellung womöglich erst 2022. Logische Folge: Das Stadtoberhaupt Lutz Trümper musste sich zur jüngsten Ratssitzung erneut kritische Nachfragen gefallen lassen. Einmal mehr kamen sie von einem der entschiedensten Tunnelgegner jeher, dem Grünen Jürgen Canehl. Der fragte nach Verantwortlichkeiten, Regressforderungen, der rechtlichen Lage und schließlich, was die Aussage von Lutz Trümper überhaupt zu bedeuten habe, den Tunnel nun zur Chefsache zu erklären. Warum (erst) jetzt und ob die Problembaustelle nicht längst Chefsache sei?

„Natürlich lasten Sie mir den ganzen Kram an“, sagte Trümper in beinahe resigniertem Ton und: „Es ist auch korrekt. Als Chef der Verwaltung trage ich die Verantwortung.“ Natürlich sei er, Trümper, aber bisher nicht persönlich bei Entscheidungen dabeigewesen. „Das ist jetzt anders.“ Jede Woche wolle er sich nun persönlich anhören, wo die Probleme liegen, so Trümper.

Magdeburger Team verstärken

„Die Baufirma beschießt uns täglich mit Nachträgen. Also muss die Truppe verstärkt werden, die das zu behandeln hat. Es muss sofort entschieden werden und die Leute müssen vor Ort sitzen und den täglichen Blick auf die Baustelle haben“, begründete Trümper die Einrichtung eines städtischen Bauleitungsbüros unmittelbar im benachbarten City Carré.

Die Stärkung der stadteigenen Reihen zur Koordinierung der Baustelle – schon vielfach im Rat gefordert – erachtet Trümper heute selbst als äußerst dringlich. „Der letzte Bauleiter war nach einem Tag krank. Das können sie nicht allein tragen und entscheiden.“

Fertigstellung 2022 ist Provokation

Was die Ankündigung der Tunnelbaufirma Porr zur Fertigstellung erst 2022 anbelange, so sei sie eine „reine Provokation“, so Trümper. „Wir haben den Bauauftrag für 2015 bis 2019 erteilt. Jetzt haben wir 2018 und die sagen noch mal vier Jahre.“ Die Firma gebe das Maximum an, um sich alles Schnellere bezahlen zu lassen – offene Verhandlungssachen.

Trümper nährte die Hoffnung, dass ein Bauabschluss vor 2022 möglich ist. Just in diesem Jahr läuft übrigens die dritte Amtszeit des Stadtoberhauptes ab. Mit Blick auf die Ratslegislatur bis 2019 (Kommunalwahl im Mai) und seine eigene sagte Trümper: „Das Ergebnis von Gutachten und gerichtlichen Auseinandersetzungen werden wir alle nicht mehr erleben. Das kann bis zu zehn Jahre dauern, bis die Frage geklärt ist: Wer ist hier der Depp?“ Was er aber noch in Amt und Würden als Oberbürgermeister erleben wolle, sei die Fertigstellung des Bauwerkes.

Magdeburg hat das Nachsehen

Am Schluss seines Monologes zur Lage am Tunnelbau klang Trümper dennoch erneut so resigniert wie an dessen Anfang. Seine Diagnose: Die Stadtverwaltung hat das Nachsehen gegenüber Bauriesen wie Porr und ihren Horden juristisch bewanderter Anwälte und Gutachter. „Wir machen das einmal im Leben, die jeden Tag.“ Die öffentliche Hand sei gegenüber Baukonzernen bei Großprojekten wie dem Tunnelbau „immer unterlegen“.

Der bei Planstart mit 60 Millionen Euro kalkulierte Bau kostet inzwischen mindestens 139 Millionen Euro, voraussichtlich noch deutlich mehr. Eine Fertigstellung im Jahr 2019 erachtet auch Trümper inzwischen nicht mehr als realistisch.

Mehr zum Tunnelbau in Magdeburg gibt es in einem Dossier.