Magdeburg l Könnte mit Provisorien an Magdeburger Straßenbahnhaltestellen kurzfristig Barrierefreiheit geschaffen werden? Hintergrund sind gute Erfahrungen am Adelheidring, wo eine höhergelegte Fahrbahn das Ein- und Aussteigen auch für Menschen mit Rollstühlen, Rollatoren, Kinderwagen und Einkaufstrolleys komfortabel macht. Der Stadtrat hatte beschlossen, dass die Verwaltung dies auch bei anderen Haltestellen prüft. Ausdrücklich genannt wurden die Stationen Westfriedhof, Arndtstraße, Thiemstraße, Kroatenweg, Neustädter Friedhof und S-Bahnhof Südost.

Gemeinsam mit den Magdeburger Verkehrsbetrieben, dem Behindertenbeauftragten, Stadtgartenbetrieb und Umweltamt haben die Verkehrsplaner des Baudezernats die einzelnen Fälle untersucht. Das Ergebnis der Überprüfung: Die Haltestellen Arndtstraße, Kroatenweg, Neustädter Friedhof und Westfriedhof sollten detaillierter untersucht werden. Hier wäre es kurzfristig denkbar, provisorisch mit einer Erhöhung der Fahrbahn für Barrierefreiheit zu sorgen. Nicht klar ist allerdings, wie entsprechende Arbeiten finanziert werden sollen. Zum Westfriedhof hatte es noch im März 2017 geheißen, dass hier nicht mit Barrierefreiheit vor 2020 zu rechnen sei.

Modernisierung geplant

Keine Provisorien seien derweil an den Haltestellen Am Cracauer Tor, Thiemstraße und Zollhaus nötig: Für sie ist eine Modernisierung in den kommenden Jahren ohnehin geplant, und auch die Finanzierung der entsprechenden Vorgaben ist bereits geklärt.

Keine Chance sieht die Stadtverwaltung derweil für eine kurzfristige Veränderung an den Haltestellen Olvenstedter Platz, S-Bahnhof Südost und Braunlager Straße. Denn deutlich geworden ist bei der Prüfung der Beispiele: Die Provisorien müssen einzeln geprüft werden. Neben dem Bedarf an der jeweiligen Haltestelle geht es beispielsweise um den Platz auf der Straße, um die anderen Verkehrsteilnehmer – beispielsweise, wenn es um Geschwindigkeitsbeschränkungen geht oder um die Verlagerung von Radverkehrsanlagen – und um die Straßenbäume. Zudem müssten die Zufahrten zu den Grundstücken gesichert bleiben. Als „atypische Teilbarrierefreiheit von Haltestellen“ sollen Lösungen wie am Adelheidring aber in Erwägung gezogen werden.

Baumbestand spricht dagegen

Gegen den Olvenstedter Platz spricht laut dem 17 Seiten umfassenden Bericht zum einen der Baumbestand, aber auch der Belag mit Straßenpflaster, dessen Veränderung einen großen baulichen Aufwand mit sich brächte. Am Bahnhof Südost reiche der Platz nicht aus, außerdem sei hier die Zahl der Fahrgäste ohnehin nicht hoch genug. Bei der Braunlager Straße reiche der Platz ebenfalls nicht aus, außerdem gibt es hier auch Straßenbäume, die beeinträchtigt würden. Zudem sei mit dem Kroatenweg – so er denn ausgebaut wird – eine barrierefreie Haltestelle in der Umgebung vorhanden.

Die in Magdeburg seit einigen Jahren genutzte Methode der angehobenen Fahrbahn nennt sich Kap. Neben dem Provisorium am Adelheidring gibt es diese Lösung als dauerhafte Einrichtung u. a. am Zoo und am Südfriedhof.

Die beispielgebende Haltestelle Adelheidring war im Frühjahr 2017 mit einem Kap barrierefrei gemacht worden. Dies geschah, nachdem klar war, dass aufgrund der Vollsperrung an der Tunnelbaustelle Magdeburg über Monate am benachbarten Damaschkeplatz kein Zustieg möglich sein würde. Investiert wurden 52.000 Euro.