Magdeburg l Jahre des Leerstands haben ihre Spuren an wichtigen Teilen der alten Diamantbrauerei in der Neuen Neustadt in Magdeburg hinterlassen. Mit einer Millioneninvestition soll das denkmalgeschützte Ensemble ab dem Frühjahr für die Zukunft gerettet werden. Investiert werden sollen rund 25 Millionen Euro in das Großvorhaben, bei dem rund 150 Wohnungen entstehen sollen. Sie sollen als Eigentumswohnungen mit Größen von 40 bis 200 Quadratmetern verkauft werden. Rund 10.000 Quadratmeter Wohnfläche werden dann auf dem Magdeburger Wohnungsmarkt hinzukommen.

Projektiert wird das Vorhaben von Rolf Onnen, der sagt: „Wir befinden uns derzeit im Baugenehmigungsverfahren.“ Für den Baustart des in vier Abschnitte unterteilten Projekts zur Sanierung des größten Gebäudes auf dem Gelände der Brauerei hofft er auf den Beginn des kommenden Jahres. In etwa zwei Jahren soll die Sanierung dieses Gebäudes abgeschlossen sein.

Zwei Straßen zur Erschließung

Erschlossen wird das Gebiet durch die Straße Alte Diamant Brauerei, die früher ein Teil der Lübecker Straße war. Außerdem soll eine zweite Zufahrt am Gelände des benachbarten Einkaufszentrums entstehen.

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Herausforderung Denkmalschutz

Eine Herausforderung ist bei dem Vorhaben der Denkmalschutz. Es handelt sich schließlich nicht um irgendein Gebäude, sondern vielmehr um eines der wichtigsten Zeugnisse der Magdeburger Lebensmittelindustrie des 19. Jahrhunderts, bei dem noch Aussicht auf eine Neunutzung besteht. Wie eindrucksvoll so etwas gelingen kann, hatte nicht zuletzt der Umbau der Sudenburger Schokoladenfabrik zu Wohnungen gezeigt, welcher beim Preis „Gebäude des Jahres“ vom Architekten- und Ingenieurverein zu Magdeburg lobend erwähnt worden war.

Ob ein solcher Erfolg auch im Falle der alten Diamantbrauerei gelingen kann? Rolf Onnen sagt: „Natürlich kann man ein Fabrikgebäude nicht einfach so in ein Wohnhaus umwandeln. Da sind Eingriffe nötig, um es wohnlich zu machen.“ So werden größere Fenster benötigt. Und auch ohne Balkons sei ein modernes Wohnen kaum denkbar, sagt der Projektentwickler. In enger Absprache mit den Denkmalschutzbehörden seien die entsprechenden Überlegungen in die Pläne eingeflossen. Wichtig sei, dass neben dem Gesamteindruck der wilhelminischen Industriefassade auch die Grundstrukturen des Hauses erhalten bleiben.

Zink oder Ziegel für das Dach

Doch es gibt auch Punkte, bei denen es um ungeahnte Details geht. Beispielsweise das Dach. „Wir haben keine Unterlagen darüber, wie das Dach nach dem Bau des Gebäudes ausgesehen hat.“ Zwar gibt es Zeichnungen – doch ob die tatsächlich die Wirklichkeit abbilden, ist ungewiss. Rolf Onnen erläutert: „In Berlin waren Brauereien oft als Stehfalz mit Zink gedeckt. Es kann sein, dass hier der Zeichner das einfach übernommen hat und die Gebäude doch mit großen Dachziegeln gedeckt waren.“ Bei der Neueindeckung des Daches würde er sich nach den Ergebnissen der Recherchen zum Dach richten. Falls die Recherchen ohne Ergebnis bleiben, gibt es den Stehfalz in Zink.

Weitere Gebäude für die Zukunft

Mit dem Ausbau des Brauereigebäudes ist aber noch nicht Schluss. Im Anschluss sollen auch das frühere Heizhaus und der Pferdestall zu Wohnzwecken hergerichtet werden. Und an der Gröperstraße, bis zu der das Gelände der Diamantbrauerei reicht, sollen neue Häuser stehen. „Das alles ist aber erst nach dem Abschluss der jetzt anstehenden Arbeiten ein Thema“, sagt Rolf Onnen.

Ungewiss ist die Zukunft anderer historischer Räume auf dem Gelände. Es handelt sich um rund 1000 Quadratmeter Keller, die über das gesamte Gelände verstreut sind. Für diese hat der Projektplaner bislang noch keine sinnvolle Verwendung gefunden. Rolf Onnen meint: „Da könnte man ja eine große Champignonzucht einrichten.“ Dies allerdings nur im Scherz, denn für Handel und Gewerbe soll in den Gebäuden, die unter seiner Planung umgestaltet werden, kein Raum sein.