Barrierefreiheit

Kritik an Ausbauplänen für Straßenbahnhaltestelle in Magdeburg

Wie soll die Straßenbahnhaltestelle Arndtstraße in Magdeburg barrierefrei ausgebaut werden? Darüber entscheidet bald der Stadtrat. Kritik an den Plänen der Stadt gibt es vom Stadtfelder Bürgerverein.

Von Stefan Harter
Soll die Haltestelle Arndtstraße ausgebaut werden? Darüber entscheidet bald der Stadtrat Magdeburg.
Soll die Haltestelle Arndtstraße ausgebaut werden? Darüber entscheidet bald der Stadtrat Magdeburg. Foto: Marco Papritz

Magdeburg - Über die barrierefreie Straßenbahnhaltestelle an der Arndtstraße wird seit vielen Jahren diskutiert. Nun hat die Stadtverwaltung eine mögliche Lösung zur Entscheidung im Stadtrat vorgelegt. Die trifft vor Ort aber auf Kritik.

Der Bürger für Stadtfeld e. V. spricht sich in einer Stellungnahme gegen die von der Stadt favorisierte Variante aus. Stattdessen sollte der Entwurf umgesetzt werden, der auch von den Magdeburger Verkehrsbetrieben (MVB) bevorzugt wird.

Die Stadt will die Haltestelle in Höhe der Einmündung Maxim-Gorki-Straße verlagern und dort provisorisch die Fahrbahn auf gut 17 Metern Länge anheben, um an zwei Türen den Zustieg zu erleichtern. Es sei mit gut 450.000 Euro die kostengünstigste Variante und könnte am schnellsten umgesetzt werden, so die Argumentation. Ungünstig sei zwar, dass es weite Umsteigewege zwischen Bahn und Bus gäbe. Die nähme man aber in Kauf.

So will die Stadtverwaltung Magdeburg die Haltestelle ausbauen.
So will die Stadtverwaltung Magdeburg die Haltestelle ausbauen.
Quelle: Stadtverwaltung Magdeburg

Nicht verfolgt werden soll eigentlich der barrierefreie Ausbau am bisherigen Standort, da es sich dann nicht mehr um ein Provisorium - wie vom Stadtrat beschlossen – handeln würde. Zudem könnte das nach Angaben der Stadt auch erst 2035 angegangen werden, wenn der grundhafte Ausbau der gesamten Großen Diesdorfer Straße ansteht. Kosten hierfür: circa 2 Millionen Euro.

Das sehen die Mitglieder des Bürgervereins aber anders. „Diese Lösung ist in Abwägung aller Interessen die beste Variante“, erklärt der Vorsitzende Thomas Opp. Die Vorteile lägen auf der Hand: „Es wäre eine nachhaltige Lösung, da nicht doppelt investiert werden müsste, sondern gleich der dort optimale Endzustand umgesetzt wird, bei der im Gegensatz zu den provisorischen Lösungen für deren Finanzierung auch Fördermittel eingesetzt werden könnten“, erläutert er weiter. Zudem gäbe es nicht nur eine Stufenfreiheit, wie bei der Sparvariante der Stadt, sondern vollständige Barrierefreiheit nach dem „Magdeburger Standard“.

Diese Ausbauvariante bevorzugen der Stadtfelder Bürgerverein und die Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB).
Diese Ausbauvariante bevorzugen der Stadtfelder Bürgerverein und die Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB).
Quelle: Stadtverwaltung Magdeburg

Anlieger und Vereinsmitglied Gert Fiedler ergänzt: „Der Bereich ist mit seinen Haltestellen für Bus und Bahn ein wichtiger ÖPNV-Knotenpunkt. Kurze Wege erleichtern das Umsteigen und verhindern verlängerte Umstiegszeiten. Nur die von uns favorisierte Variante erfüllt die Maßgabe, da hier alle Haltestellen in einem Bereich vorgesehen sind.“

Anwohnern und Gewerbetreibenden bliebe zudem eine doppelte Baustellenbelastung erspart. „Der räumlich relativ kurze Bauabschnitt würde die Einschränkungen durch die Baustelle in Grenzen halten“, heißt es weiter in der Stellungnahme des Vereins.

„Der Umsetzungszeitraum 2035 ist angesichts der bereits verstrichenen Zeit nicht akzeptabel,“ erklärt Vereinsmitglied und Grünen-Stadtrat Jürgen Canehl. „In der Prioritätenliste für die Herstellung barrierefreier Haltestellen ist die Große Diesdorfer Straße per Ratsbeschluss für eine sofortige Umsetzung vorgesehen.“

Vorsitzender Thomas Opp ergänzt: „Der vorgezogene Teilausbau im Bereich Arndtstraße wäre dafür nicht nur ein guter Anfang, sondern bereits ein wichtiger Meilenstein dieses Vorhabens. Der immer als schwierigster Teil der Großen Diesdorfer Straße genannte Abschnitt wäre ertüchtigt, was auch den restlichen Umbau ein Stück weit vereinfachen und beschleunigen könnte.“

Auch die MVB setzen auf diese Lösung, da es später ohnehin so gebaut werden müsste. Ein Vorgriff auf den Ausbau sei kein Problem, die vergleichsweise hohen Kosten seien durch den Wegfall der Nachteile gerechtfertigt, heißt es in einer Stellungnahme.