Magdeburg l Rund 600 Meter Fußmarsch sind es vom ehemaligen Magdeburger Buga-Parkplatz Lange Lake über den Herrenkrugsteg bis zur Straßenbahnhaltestelle Herrenkrug. Mit der Linie 6 fährt man nur ein paar Haltestellen bis zur MDCC-Arena. Wirklich zu viel, um von den aus Westen anreisenden Fußballfans angenommen zu werden?

Sie würden sich die quälende Überfahrt mit dem Auto über die verstopften Elbbrücken sparen. Der Parkplatz Lange Lake ist problemlos über den August-Bebel-Damm und die Saalestraße erreichbar. Er könnte schon von der Autobahn 2 an ausgeschildert werden, wenn er denn Bestandteil eines Park & Ride-Systems werden sollte. Und der Fahrpreis für die Straßenbahn ist im Fußballticket eh schon inklusive.

Wenige FCM-Fans nutzen Parkplatz

Warum also nutzen bisher so wenige Fans diese Möglichkeit zur Anreise?

Fans sind eben manchmal auch bequeme Zeitgenossen, ahnen die Stadträte aus Ostelbien Jens Rösler (SPD) und Manuel Rupsch (CDU), die sich seit langem um eine Lösung für das regelmäßige Verkehrschaos in Ostelbien bei Großveranstaltungen bemühen.

Viele Magdeburger parken an der Arena

Rösler hat beobachtet, dass bei Heimspielen des 1. FC Magdeburg im Stadion immer noch viele um die MDCC-Arena geparkte Autos Magdeburger Kennzeichen tragen. Er hat auch Zweifel, ob sich das mit neuen Park & Ride-Angeboten groß ändern ließe. Zumal der Stadtrat jetzt erst den Bau eines weiteren Parkplatzes zwischen Gewerbegebiet Ölmühle und Toom-Baumarkt beschlossen hat. Direkt am Stadion also.

Der Parkplatz ist Teil des Gesamtpaketes zur Erweiterung der MDCC-Arena. SPD-Mann Rösler denkt daher, dass Anreisende und Anwohner wohl auch künftig mit starkem Verkehr rechnen müssen. Jedoch müsse man für einen besseren Verkehrsfluss sorgen.

Falschparker abstrafen

Falschparker etwa seien vom Stadtordnungsdienst Magdeburg konsequenter abzustrafen. „Das ist ein Erziehungsprozess“, glaubt Rösler, der zugleich auf eine schnellere Umsetzung des neuen Park- und Verkehrsleitsystems drängt. Die Stadtverwaltung hatte das mit Verweis auf die bevorstehende Strombrückenverlängerung immer weiter nach hinten datiert.

Doch jetzt macht der Stadtrat Druck. Auf Antrag der SPD-Fraktion und von CDU-Rat Manuel Rupsch gab er Anfang April 2018 den Auftrag an OB Trümper, im Osten ein Parkleitsystem für eine bessere Verkehrslenkung zu installieren. Kosten nach ersten Schätzungen: 1 bis 1,5 Millionen Euro. „Bis zu den nächsten Haushaltsberatungen muss klar sein, was wir hier an Mitteln einstellen müssen“, sagt Rösler.

Verkehr auf ÖPNV und Fahrrad verlagern

Auch Grünenpolitiker Wolfgang Wähnelt spricht sich für ein „vernünftiges Verkehrskonzept“ aus, sieht aber in dem Parkplatzneubau am Stadion das völlig falsche Signal. „Weitere Parkplätze verschärfen die Situation des An- und Abreiseverkehrs, anstatt sie zu entspannen“, so Wähnelt. Möglichst viel Verkehr vom Auto auf den ÖPNV und das Fahrrad zu verlagern, sei der einzig sinnvolle Weg.

Es muss schnell etwas passieren, da sind sich die Stadträte einig. „Wir können jetzt schon mit dem Parkleitsystem auf der B1 und dem Nordbrückenzug anfangen. Da stört das Strombrückenprojekt überhaupt nicht“, argumentiert Christdemokrat Rupsch. Seine Fraktion will zur nächsten Ratssitzung Anfang Mai nun auch den Antrag stellen, dass der Parkplatz Lange Lake in das Parkleitsystem integriert wird.

Stadtplanungsamt ebenfalls vor Ort

Und was unternimmt derweil die Magdeburger Verwaltung gegen das regelmäßige Verkehrschaos? Man prüft die Lage vor Ort: Seit dem Spätsommer 2017 sei das Stadtplanungsamt bei Großveranstaltungen in Ostelbien unterwegs, beobachte und analysiere den ruhenden wie fließenden Verkehr, sagt Stadtsprecher Michael Reif. Man wolle ein intelligentes Verkehrs- und Parkleitsystem erarbeiten und dafür auch einen Fördermittelantrag stellen, so Reif auf Nachfrage.