Konzerte im intimen Rahmen Lieder in Salons in Magdeburg, Blumenberg, Calbe, Gnadau und Schönebeck
Zum fünften Mal öffnen sich in Magdeburg und Umgebung am ersten Septemberwochenende private Räume und das Gesellschaftshaus zu Konzerten im besonderen Rahmen.

Magdeburg. - Seit fünf Jahren organisiert der Verein Liedkunst Mitteldeutschland den Liedersalon – eine Konzertreihe, die intime Begegnungen zwischen Künstlern und Publikum ermöglicht. Das Lied als Kunstform kommt damit nach Hause ins Wohnzimmer, zu den Menschen, ihren Freunden und weitere Gästen.
Auch in diesem Jahr ist das Programm für das erste Septemberwochenende wieder vielfältig, die Themenwahl spannend. Die Konzerte stehen unter der Überschrift „Das Vertraute und das Fremde“. Eine der treibende Kräfte in dem Verein ist die künstlerische Leiterin Grit Wagner, die selbst Sängerin ist. Sie sagt: „Wir suchen jedes Jahr ein Thema, das in die Zeit passt“, erklärt Grit Wagner. „Es macht viel Spaß, etwas zu finden, das auf den ersten Blick fremd wirkt, aber gleichzeitig menschlich klingt.“
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Den Anstoß gab einmal mehr eine Geschichte, die Wagner besonders bewegt hat: Ein Prämonstratenserpfarrer war mit einer Jugendgruppe aus Duisburg auf Freizeit in Schweden. Dort begegneten die Jugendlichen fast ausschließlich Menschen mit „normativ europäischem Äußeren“. Zurück in Duisburg sah einer der Jugendlichen eine verschleierte Frau und sagte: „Endlich wieder normale Menschen.“ Für Wagner war das ein eindrückliches Beispiel dafür, wie unterschiedlich Wahrnehmung und Normalität sein können – und wie schnell unser Blick manchmal in die Kategorie-Schublade greift, noch bevor der Kopf hinterherkommt.
Dieses Spannungsfeld soll sich auch im Programm widerspiegeln. In künstlerischer Hinsicht stellen die Künstler dieses Jahr die Frage, wie Vertrautes und Fremdes in der Musik interagieren. Wie verbindet sich Weltmusik mit unseren abendländischen Musiktraditionen? Wie nah ist uns die Musiksprache der Renaissance? Wie müssen sich unsere Hörgewohnheiten für klassische Musik des 20. und 21. Jahrhunderts verändern? Wie werden inhaltliche Schwerpunkte vergangener Epochen heute neu gelesen? Wie verändert eine fremde Sprache unsere Wahrnehmung von Inhalten und ihre Rezeption?
Wie entstehen die Konzerte des Magdeburger Liedersalons?
Das Programm des Liedersalons wird jedes Jahr in enger Zusammenarbeit mit Künstlern zusammengestellt. Manche wenden sich von selbst an die Organisatoren. „Im fünften Jahr ist es inzwischen so, dass einige uns direkt ansprechen“, sagt Grit Wagner. „Felix Rohleder zum Beispiel ist schon zum vierten Mal dabei.“ Dabei gibt es eine Mischung aus bekannten Gesichtern und neuen Stimmen – wichtig ist vor allem, dass die Künstler sich auf die Idee des Liedersalons „groß einlassen“.
Die Veranstaltungen sind bewusst klein gehalten: Zwischen 20 und 45 Besucherinnen und Besucher finden Platz. „Wir sprechen mit den Gastgebern, was möglich ist, und legen dann die Zahl fest. Da rückt man schon mal ein bisschen zusammen.“
Gastgeber spielen überhaupt eine entscheidende Rolle. Sie stellen ihre Wohnzimmer oder andere private Räume zur Verfügung, mitsamt Instrument. „Ein Klavier ist ideal“, sagt Wagner, „die Künstler sind immer froh, wenn ein gutes Tasteninstrument vorhanden ist.“ Ein Klavierstimmer prüft die Instrumente vorab, damit alles passt – schließlich soll niemand aus künstlerischer Leidenschaft plötzlich schiefe Töne riskieren.
Was macht die Konzerte des Magdeburger Liedersalons besonders?
Manchmal entstehen während der Auftritte der Sänger sehr besondere Momente. „Einmal hat der Sohn eines Gastgebers selbst gespielt – das war wunderschön“, erinnert sich Wagner.
Eine weitere Besonderheit: Es gibt keine Eintrittskarten. Stattdessen steht am Ende der Konzerte eine Hutkasse bereit mit der Bitte um einen großzügigen Beitrag. „Das ist bewusst der Gegensatz zum Eintritt“, betont Grit Wagner. „Die Künstler sind Profis, und wir wollen ihnen ein anständiges Honorar zahlen.“ Möglich wird das auch durch Förderungen – unter anderem von der Stiftung Kloster Unser Lieben Frauen – sowie durch Spenden und ehrenamtliches Engagement.
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Neben den Konzerten für Erwachsene legt der Liedersalon in diesem Jahr besonderen Wert auf das Mitsingformat und die Kinderveranstaltung mit Kerstin Reichelt im Gesellschaftshaus. „Das ist uns wirklich wichtig“, sagt Grit Wagner.
An wen richten sich die Konzerte des Vereins Liedkunst Mitteldeutschland?
„Wir wollen die Leidenschaft für das Singen und die Kultur des gemeinsamen Singens an die nächste Generation weitergeben.“ Man könnte sagen: Wer hier einmal laut singt, hat gute Chancen, dass die nächste Generation wenigstens nicht ganz stumm bleibt. Mit der Reihe möchte der Verein zudem nicht nur städtisches Publikum erreichen, sondern Stück für Stück auch die ländlichen Regionen einbeziehen. „In den ersten Jahren haben wir nur in Magdeburg begonnen, um zu sehen, ob das Format angenommen wird“, erzählt sie. Inzwischen expandiert der Liedersalon Schritt für Schritt und soll perspektivisch auch weitere Landkreise einbinden.
Eine zentrale Rolle spielt zudem die Kooperation mit dem Gesellschaftshaus und dessen künstlerischem Leiter Carsten Gerth, den Wagner als „großen Liebhaber des Lieds“ bezeichnet.
Der Liedersalon hat sich über die Jahre von einer kleinen Konzertreihe zu einem kulturellen Begegnungsraum entwickelt, der Menschen zusammenführt – zum Zuhören, Mitsingen und Austausch. „Uns geht es darum, Musik zu teilen, Gemeinschaft zu erleben und neue Perspektiven einzunehmen“, fasst Wagner zusammen.
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Volker Dittmar, der eine Reihe in Berlin organisiert hat, sagt über den Magdeburger Liedersalon: „ Das ist ein Konzertformat anders als gewohnt. Gleichermaßen zugeschnitten auf den erfahrenen Musikkenner und den Konzerteinsteiger. Durch den Rahmen der Veranstaltungen, im ganz persönlichen Umfeld der Gastgeber, verliert der Zuhörer im wahrsten Sinne die Distanz zu den Künstlern und Musik transportiert sich in spielerischer Selbstverständlichkeit – und das auf hohem, künstlerischem Niveau. Auch wenn der Begriff ,Salon‘ durchaus in eine bestimmte Richtung belegt ist, sollte sich jeder selbst davon überzeugen, dass er in diesem Fall so gar nichts Elitäres hat.“
Welche Termine für die Konzerte gibt es und wie kann man sich anmelden?
Da viele der Konzerte in einem privaten Rahmen stattfinden, ist eine vorherige Anmeldung erforderlich. Möglich ist diese telefonisch unter der Rufnummer 0391/5406778 oder online unter liedkunst.orgauf der Seite des Magdeburger Vereins Liedkunst Mitteldeutschland, auf der zu den einzelnen Konzerten weitere Termine zu erfahren sind.
Singen ins Wochenende am Freitag, 5. September, ab 18 Uhr im Gesellschaftshaus Magdeburg in der Schönebecker Straße 129.
La dolce vita!? Ein Liederabend am Freitag, 5. September, ab 19 Uhr in Gnadau sowie am Sonnabend, 6. September, um 19 Uhr in Magdeburg
Liederabend Die schöne Magelone am Freitag, 5. September, ab 19.30 Uhr im Gesellschaftshaus Magdeburg
Liederabend „Zwischen Ernst und Ironie – Schumanns ,Dichterliebe' im Spiegel der Rezeption“ am Sonnabend, 6. September, um 18 Uhr in Magdeburg sowie am Sonntag, 7. September, um 11 Uhr in Schönebeck
Liederabend „Vom Orient zum Okzident oder wie die östlichen Rosen nach Europa kamen“ am Sonnabend, 6. September, um 19 Uhr in Calbe sowie am Sonntag, 7. September, um 11 Uhr in der Diehl-Zesewitz Stiftung in der Harsdorfer Straße 56 in Magdeburg
Liederabend Die schöne Magelone am Sonnabend, 6. September, um 19 Uhr in Blumenberg
Familienkonzert - Eine alte Liebesgeschichte neu erzählt am Sonntag, 7. September, um 15 Uhr im Gesellschafthaus Magdeburg
Schlaflos - Ein Liederabend zum Festivalausklang am Sonntag, 7. September, um 17 Uhr im Stimmwerk Magdeburg