Jugendkunstschule

Mit dem Handwagen geht´s in Magdeburg zur Kunst an der frischen Luft

Kunst an der frischen Luft gestalten nun die Schüler der Jugendkunstschule Magdeburg. Sie meldet sich mit einem neuen Projekt aus der coronabedingten Auszeit zurück.

Von Marco Papritz
Ines Sommer von der Stadtsparkasse schaut Schüler Lennard über die Schulter. Mit Unterstützung des Geldinstituts kann die Jugendkunstschule nun an der frischen Luft mobil mit ihren Kreativutensilien unterwegs sein.
Ines Sommer von der Stadtsparkasse schaut Schüler Lennard über die Schulter. Mit Unterstützung des Geldinstituts kann die Jugendkunstschule nun an der frischen Luft mobil mit ihren Kreativutensilien unterwegs sein. Foto: Marco Papritz

Magdeburg - Am Elbufer nahe des Mückenwirts ist die Freude nicht nur Ulrike Gehle und Friederike Bogunski anzumerken. Die Kunstpädagogen schauen den jungen Schülern über die Schulter, die sich in ihren Bildern vertieft haben und ihre Eindrücke vom großen Fluss zu Papier bringen. Hier und da geben sich die Kinder gegenseitig Tipps, die Stimmung ist ausgelassen. „Endlich kann ich alle wiedersehen – ganz ohne Kamera“, so der Tenor am Dienstagnachmittag. Da erklärt die Kunstklasse für Kinder von sieben bis zehn Jahren die seit Mitte Dezember andauernde Zwangspause mit dem Projekt „Kunst an der frischen Luft“ für beendet. „So ist es uns möglich, dass der Unterricht fortgesetzt werden kann“, so Ulrike Gehle.

Leben stand nicht still

Dabei stand das Leben in der Einrichtung im Haus „Thiem20“ nicht still, es wurde in die digitale Welt transformiert. Die Künstler, allesamt Honorarkräfte, hatten sich gleich zu Beginn der Pandemie im März des vergangenen Jahres auf die Einschränkungen zur Eindämmung der Pandemie eingestellt und ihren Unterricht ins Internet verlagert. Allen voran Jochen P. Heite, mit 81 Jahren der älteste Kunstlehrer des Hauses. „Die Angebote wurden großartig angenommen. Und die Familien waren uns sehr treu und haben Angebote gebucht, obwohl diese nicht in der gewohnten Form umgesetzt werden konnten“, hebt Ulrike Gehle hervor.

Nun unternimmt die Jugendkunstschule im wahrsten Sinne des Wortes erste Gehversuche – sie erobert mit den Schülern den Stadtteil. So sei es möglich, Gruppen mit einer kleinen Teilnehmerzahl begrüßen zu können, wie es von Ulrike Gehle und Friederike Bogunski heißt. Ausgestattet mit einem mobilen Handwagen, der mit grundlegendem Zeichen- und Malmaterial bestückt ist, kann sich flexibel der jeweilige Schaffensort an der frischen Luft und ganz nach den jeweils geltenden Hygienebedingungen gesucht und dort – mit dem nötigen Abstand – gemeinsam künstlerisch gearbeitet werden.

Starthilfe für den Kunsthandwagen

In der Kunst spricht man dabei von „Pleinairmalerei“ (von französisch: en plein air – im Freien) oder auch „Freilichtmalerei“. Dabei handelt es sich um eine sehr alte Form der Kunst, die mindestens seit der Renaissance praktiziert wurde. Sie bezeichnet eine Malerei, bei der Künstler ein „Stück Natur“ unter freiem Himmel bei natürlichen Licht- und Schattenverhältnissen und naturgegebener Farbigkeit der jeweiligen Landschaft darstellen. Dazu gehört auch das Erfassen von Architektur. Sogar das Porträt als spontanes Modellstehen von Menschen, die den Kunstschaffenden im öffentlichen Raum begegnen, kann mit einbezogen werden.

Einbezogen wurde für die Realisierung des „Kunst an der frischen Luft“-Projektes die Sparkasse. Sie steuerte über das sogenannte PS-Sparen eine Starthilfe von über 700 Euro bei, damit der Handwagen erworben und mit Hilfsmitteln wie Staffeleien ausgestattet werden konnte, so Ines Sommer von Sparkasse „MagdeBurg“.

Jubiläum im Blick

Die gute Entwicklung der Inzidenzen in der Stadt kommt übrigens gerade noch rechtzeitig, wenn man so will. Die Jugendkunstschule blickt in diesem Jahr auf ihre 30-jähriges Bestehen zurück. Zum Jubiläum ist eine Ausstellung im Funkhaus im Stadtpark geplant, die am 8. September eröffnet werden soll. Die Vorbereitungen laufen bereits. Ebenso das Erstellen einer Publikation, in der sich die Künstler der Jugendkunstschule wiederfinden – Fotograf Nilz Böhme (gestaltet unter anderem die Album-Cover von Musikgrößen wie den Toten Hosen) hat ihnen dazu einen Atelierbesuch abgestattet. Eine weitere Veröffentlichung, die es im Rahmen der Feierlichkeiten geben soll, beinhaltet Anleitungen der Kunstlehrer, eigene Werke entstehen zu lassen. Details dazu werden noch bekanntgegeben.

Neuer Porträt-Kurs mit Jan Focke startet

Die Aufbruchstimmung der Jugendkunstschule macht sich auch im Kunstsemester für Erwachsene bemerkbar. Die Einrichtung in Buckau verlängert wegen der langen pandemiebedingten Pause das reguläre Halbjahr bis in die Sommerferienzeit mit zusätzlichen Akademien – Kreativfreudige können sich daher im Kunstkurs „Porträt-Malerei“ unter der Leitung des Künstlers Jan Focke beteiligen. Der Kurs kann ab sofort dienstags oder donnerstags besucht werden. Außerdem ist eine zweiwöchige Sommerakademie Ende Juli geplant. Zeichnerische Proportions- und Kompositionsstudien des Gesichts stehen im Mittelpunkt des Kurses, um beispielsweise einen besonderen Menschen auf einer Leinwand zu verewigen. Die malerische Umsetzung in Acryl auf Leinwand wird dabei die besondere Herausforderung genannt. Jan Focke ist Maler und Grafiker. Sein vorrangiges Sujet ist die realistische Ölmalerei – im Vordergrund stehen menschliche Porträts in all ihren Facetten. Anmeldungen sind über die Internetseite möglich.