Magdeburg l Die Ratten sind immer noch da. So zutraulich wie am Neustädter See und Ottersleber Teich sind Ratten an keiner anderen Stelle der Stadt. Passanten berichten, wie ihnen die Schädlinge vor den Füßen herumlaufen. Die Tiere haben ihre natürliche Scheu verloren. Seit mehreren Wochen nun werden die Schädlinge seitens der Stadt mit Giftködern bekämpft. Mit Bauzäunen sind Flächen abgesperrt.

Köder sind unattraktiv

Dennoch wehrt sich Dr. Eike Hennig als Chef des Gesundheitsamtes der Stadt von einer Rattenplage in Magdeburg zu sprechen. „Von einer Plage kann nicht die Rede sein. Wo viele Menschen sind, ist die Ratte nicht weit“, so Hennig.

Generell gehörten Ratten nun mal zur Zivilisation. Der Amtsleiter sieht die Schuld für das Rattenproblem beim Menschen. Die Bürger selbst bereiten den Ratten einen reichlich gedeckten Tisch. Und eben das würde von jenen Leuten kommen, die am Neustädter See und am Ottersleber Teich die Wasservögel füttern. Und dort, wo Essen liegt, siedeln sich Ratten an. „Die Ratten warten teilweise sogar auf die nächsten Fütterungen durch Menschen“, berichtet Hennig.

Toilette ist kein Mülleimer

Das überaus große Nahrungsangebot für Wassergeflügel und Tauben, hervorgerufen vom Füttern durch Spaziergänger, mache für Ratten die Bekämpfungsköder zudem unattraktiv.

Am Neustädter See haben Mitarbeiter des Gesundheitsamtes sogar eine große illegale Futterstelle entdeckt mit diversen Nahrungsangeboten für Vögel und Katzen. „Da muss man sich nicht wundern, dass sich die Ratten weiter vermehren und vor Menschen nicht mehr flüchten. Es liegt an uns selbst. Die beste Bekämpfung ist, ihnen die Nahrungsressourcen zu entziehen“, sagt Hennig.

Wildtiere nicht füttern

Je mehr Nahrungsangebot, desto mehr Nachkommen. Der Chef des Gesundheitsamtes appelliert daher an alle Bürger, Wildtiere nicht zu füttern. Ebenso sei es wichtig, keine Essensreste in der Toilette zu entsorgen. Doch auch die relativ milden Winter in den letzten beiden Jahren führten dazu, dass Ratten vermehrt auftreten. „Das begünstigt natürlich generell die Fortpflanzung der Nagetiere“, so Hennig.

Letztendlich braucht eine Ratte nur zwei Dinge: Futter und einen Platz, an dem sie ihre Jungen zur Welt bringen kann. Die Bekämpfungsmaßnahmen am Ottersleber Teich und Neustädter See laufen unterdessen weiter. Treten Ratten in Wohngebieten vermehrt auf, sind Hauseigentümer und Stadt verpflichtet, dagegen vorzugehen.

Die Städtischen Werke Magdeburg (SWM) führen in regelmäßigen Abständen Maßnahmen zur Vorbeugung von Ratten im Kanalnetz durch. „Eine steigende Tendenz haben wir aber nicht feststellen können“, so SWM-Sprecherin Anja Keßler-Wölfer auf Nachfrage.